OTS0250 5 II 0330 PWR0001 Di, 13.Feb 2007
Pressestimmen / Medien / Politik / Vorausmeldung

Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Tribunal TV

Wien (OTS) - Die ZiB 2 hat zum Thema Eurofighter-Kauf die Übergabe dicker Banknotenbündel gefilmt - als Ersatz für das Fehlen jeglichen Beweises für Schmiergeldzahlungen. Das schrammt hart an einer Verleumdung (immerhin bis zu fünf Jahre Haft) entlang und übertrifft die dort übliche Einseitigkeit weit. Wie etwa den Moderationstext von Armin Wolf, der wieder einmal klang, als ob er von Peter Pilz persönlich verfasst worden wäre (hätte der noch Zeit dafür neben seinem skurrilen Kampf um das Recht, Ordnungsrufe verhängen zu dürfen).

In der BBC oder beim ZDF würden nun Verantwortliche zurücktreten. Im ORF gewiss nicht.

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Quergedachte Anmerkungen zu dem Drama um die drei oberösterreichischen Kinder:

Erstens ist wieder einmal der Satz eines erfahrenen Anwalts bestätigt worden: "Wenn eine Mutter wirklich nicht will, dass der Vater nach der Scheidung seine Kinder sieht, kann sie das mit einigen Tricks über Jahre hin erreichen."

Zweitens: Was hilft es den Kindern, wenn ihr schlimmes Los ein Jahr später von einer Gratiszeitung und dann vom Fernsehen in die Öffentlichkeit gezerrt wird? Ist Quote wirklich alles?

Drittens ist mein Vertrauen in die Gilde der Psychotherapeuten nicht gerade gestiegen. Nach dem Fall Kampusch werden nun erneut vor Mikrophonen Dinge eitel breitgetreten, die zum Patientenschutz dort keinesfalls zu erörtern wären.

Viertens: Ich bin sehr froh, in einem Land zu leben, wo noch immer unabhängige Gerichte und nicht der Populismus von runden Fernseh-Tischen über Delikte und Behördenversagen entscheiden. Fünftens: Seit der 68er-Revolte, aber auch durch das Vordringen der Juristen sind Lehrer und Direktoren in ihren Möglichkeiten, bei Schuleschwänzen und Auffälligkeiten effektiv einzuschreiten, ständig eingeschränkt worden. Liegt darin nicht auch eine Antwort auf die Frage: "Wie konnte das passieren?"

Sechstens: Liberale Menschen sollten sehr hellhörig werden, wenn die Tat einer geisteskranken Mutter ringsum den lauten Ruf auslöst:
Behörden sollten immer und überall zu Hausdurchsuchungen berechtigt sein, um eine Wiederholung dieser Tat zu verhindern. Freilich:
Freiheitsliebende Menschen sind hierzulande sehr selten geworden.

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