OTS0173 5 WI 0580 PWK0004 CI Mo, 27.Nov 2006
Industrie / WKÖ / Beton

Beton bei Tragkonstruktionen am sichersten

VÖB und Fachverband warnen vor falscher Dimensionierung von Holz- und Stahlkonstruktionen

Wien (PWK797) - Im Winter 2005/06 häuften sich durch massive Schneefälle die Einstürze von Hallenkonstruktionen. Die Eishalle in Bad Reichenhall und die Messehalle im polnischen Kattowitz waren die tragischsten Fälle. Auch in Österreich stürzten Hallen ein oder mussten gesichert werden. Wie kann das Einsturzrisiko minimiert werden und was ist die Schadensursache? Um Antworten auf diese Frage zu erhalten, gaben der Verband der Beton- und Fertigteilwerke (VÖB) und der Fachverband Steine-Keramik beim Österreichischen Institut für Bauschadensforschung (ofi) eine Studie zum Thema "Schneedruckschäden an Hallenkonstruktionen in Österreich im Winter 2005/2006" in Auftrag. Wichtigste Erkenntnis: Von allen Tragkonstruktionen erweist sich Beton als besonders stabil.

Untersucht wurden 86 Schadensfälle von Hallen in Österreich. Während bei 39 der beschädigten Hallen die Haupttragkonstruktion aus Holz, bei 15 aus Stahl und bei 23 aus Beton war, befand sich unter den "Totaleinstürzen" 14 eingestürzte Hallen aus Holz, neun Stahlhallen, aber nur eine Betonhalle.

"Dieses Ergebnis zeigt deutlich, dass der anhaltende Trend zur ‚Unterdimensionierung’ bei Holz- und Stahltragwerken fatale Folgen haben kann. Ich sehe einen dringenden Handlungsbedarf die Dimensionierungsvorschriften dieser beiden Materialgruppen zu überdenken. Die gesamte Baustoff-Industrie muss hier in die Pflicht genommen werden. Es kann nicht sein, dass die Verantwortung auf Bauherrn, Architekten, Statiker oder gar den Hausmeister abgeschoben wird. Die Betonindustrie hat diese Hausaufgaben schon gemacht: Die Regelwerke für Beton sind durchwegs strenger als bei anderen Baustoffen", so Bernd Wolschner, Vorsitzender des Verbands Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke.

"Um die Vergleichbarkeit der Baudaten langfristig zu gewährleisten, ist eine Harmonisierung der Bauvorschriften in unserem Land dringend notwendig", formuliert Carl Hennrich, Geschäftsführer des Fachverbandes Steine-Keramik, ein weiteres Anliegen der beiden Interessensvertretungen. Im September 2006 ist man dabei einen großen Schritt vorangekommen: Alle neun Bundesländer haben sich geeinigt, die Richtlinien des Österreichischen Instituts für Bautechnik (OIB) mit einem einheitlichen Text in ihre Baugesetze zu übernehmen. Damit gilt ein harmonisierter Stand der Technik für ganz Österreich. "Den Ländern steht es zwar auch in Zukunft frei, Änderungen oder Ergänzungen der Bauvorschriften autonom vorzunehmen. Es wurde jedoch beschlossen, beabsichtigte Änderungen oder Ergänzungen beim OIB anzuzeigen. Dem OIB kommt damit die Rolle einer Clearing-Stelle zu", so Hennrich.

"Eine regelmäßige Überprüfung der tatsächlichen vorhandenen Tragreserven ist notwendig, um Schäden und Risiken zu vermeiden", erklärt Michael Balak, Studienautor und Leiter des ofi - Institut für Bauschadensforschung. Das ofi diskutiert auch die Installierung einer unabhängigen Bauschadensdatenbank.

VÖB und Fachverband engagieren sich zudem für eine gerechte und ausgewogene Nachhaltigkeitsdebatte von Baustoffen. Zur Zeit werden die massiven Baustoffe stark benachteiligt. Einer der Gründe dafür liegt im Ökoindex 3 (OI3), der die ökologische Qualität der Gebäudehülle und Zwischendecken bewertet. "Der OI3-Index berücksichtigt ausschließlich die Herstellungsphase von Bauprodukten, aber nicht den gesamten Lebenszyklus beziehungsweise vor- und nachgelagerte Prozesse", so Hennrich weiter. Gerade in diesen Prozessen - etwa kürzere Transportwege für Rohstoffe, regionale Verarbeitung, vor allem aber wesentlich längere Nutzungsphasen, Wiederverwertung und Entsorgung - zeigt sich das hohe Nachhaltigkeitspotenzial der massiven Baustoffe besonders deutlich. Im Sinne einer gerechten Beurteilung sollten aus Sicht des VÖB und des Fachverbandes in Zukunft folgende ökonomische und soziale Kriterien in Bewertungssysteme der Nachhaltigkeit einfließen:
Lebensdauer der Bauwerke, Gesamter Lebenszyklus des Bauwerkes und der Baustoffe, Bautechnische Anforderungen an Gebäude (z.B. Tragfähigkeit, Brand- und Schallschutzkriterien, ...), Funktionalität des Bauwerkes, Lokale Verfügbarkeit von Rohstoffen, Ausführungssicherheit, Wertbeständigkeit und Instandhaltung, Heiz-und Kühlaufwand und Möglichkeit zur Nutzung natürlicher Energiequellen, Soziale Kriterien wie leistbare Kosten des Wohnraumes. (us)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Fachverband der Stein- und Keramischen Industrie
Dr. Carl Hennrich
Tel.: (++43) 0590 900-3531
Fax: (++43) 5056240
steine@wko.at
www.baustoffindustrie.at

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