OTS0135 5 II 0512 SPK0005 Do, 27.Jul 2006
SPÖ / Niederwieser / Schule / Arbeitsmarkt / Jugendliche

Niederwieser für neues Ausbildungsmodell Berufsfachschule

"Wir müssen neue Wege gehen" - Ab Herbst 2007 Berufsfachschule für bis zu 5.000 Jugendliche

Wien (SK) - Die SPÖ will in der Berufsausbildung neue Wege gehen und mit der Berufsfachschule ab dem Schuljahr 2007/08 rund drei- bis fünftausend Jugendlichen eine neue Berufsausbildungsmöglichkeit eröffnen. SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser hat am Donnerstag in einer Pressekonferenz dieses Modell erläutert. Und er hat angekündigt, dass Jugendliche, die keine Lehrstelle in einem Betrieb finden, auch an Berufsschulen die komplette Lehre inklusive Abschlussprüfung absolvieren können. Auch dieses Modell könne ab Herbst 2007 verwirklicht werden. ****

Die Berufsfachschule soll in der Regel vier Jahre dauern und zum überwiegenden Teil eine praktische Ausbildung anbieten. Das Verhältnis Theorieunterricht zu Praxis solle dabei ein Drittel zu zwei Drittel ausmachen, erläuterte Niederwieser. Einsteigen können sollen die Jugendlichen schon nach der achten Schulstufe; das erste Jahr würde damit das Polytechnikum ersetzen und vor allem dazu verwendet werden, um "mit einem massiven Förderangebot" bestehende Defizite auszugleichen.

Denn 50 Prozent der Poly-Schüler gelten nach der PISA-Definition als "Risikoschüler", erklärte Niederwieser. Zudem soll im ersten Jahr eine professionelle Vorbereitung auf die Berufsentscheidung erfolgen. Nach einer Festlegung auf einen Beruf werden die Jugendlichen in der Berufsfachschule mit sehr viel Praxis in Labor, Werkstätten und auch in Kooperation mit Betrieben ausgebildet. Das entsprechende Angebot an Werkstätten mit freien Kapazitäten ist, wie Niederwieser erklärte, an den Berufsschulen und berufsbildenden Schulen vorhanden.

An den Berufsfachschulen sollen vor allen jene Berufe erlernt werden können, für die es eine große Nachfrage, aber derzeit zu wenige Lehrstellen gibt. So gibt es für den EDV-Techniker 150 Interessenten, aber nur neun Lehrstellen.

Zweitens will die SPÖ eine Öffnung der Berufsschulen für Lehrstellensuchende. Wer seine Lehrstelle im Betrieb verliert, etwa weil dieser zusperrt, soll an der Berufsschule die komplette Lehre abschließen können, sagte Niederwieser. Damit würde die Berufsschule ein neues Sicherheitsnetz für die Lehrlinge. Dass ein solches Modell in der Bevölkerung sehr hohe Akzeptanz findet, hat die Arbeiterkammer im Jänner des Vorjahrs erhoben. 86 Prozent der Bevölkerung befürwortet es, dass Jugendliche ohne Lehrstelle in einem Betrieb an der Berufschule den Abschluss machen können.

Der aktuelle Hintergrund für die Notwendigkeit neuer Ausbildungsmodelle ist die derzeitige Rekordarbeitslosigkeit bei den Jugendlichen. Österreich war im Bereich der Jugendbeschäftigung bis zum Regierungswechsel im Jahr 2000 stets führend in Europa. Vom ersten Rang ist Österreich mittlerweile auf den vierten Rang abgestiegen. "Jeder arbeitslose Jugendliche ist einer zuviel", betonte Niederwieser.

Die von der Regierung beschlossenen Maßnahmen, wie etwa der gemeinsam mit der SPÖ beschlossene Blum-Bonus, seien bei weitem nicht ausreichend, erklärte der SPÖ-Bildungssprecher. Und mit zeitlich beschränkten Schulungen für Lehrstellensuchende und Arbeitslose werde man sicher nicht das Auslangen finden. "Wir müssen neue Wege gehen", betonte Niederwieser. Denn langfristig werde es ohne diese Ergänzung zum dualen Ausbildungssystem nicht gehen. Einen der Vorteile der Berufsfachschule sieht Niederwieser darin, dass hier das gesamte Berufsbild vermittelt wird.

Beide Modelle sind zunächst als Schulversuche konzipiert, weil es hier mit den Gebietskörperschaften, vor allem den Ländern, einen großen Abstimmungs- und Kooperationsbedarf gibt. Niederwieser ist aber davon überzeugt, dass ein Konsens gefunden wird. (Schluss) wf

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