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Außenpolitik / Pressestimmen / Vorausmeldung

"Kleine Zeitung" Kommentar: "Spekulanten nehmen die Welt mit dem Ölpreis in Geiselhaft" (Von Hellfried Semler)

Ausgabe vom 19.07.2006

Graz (OTS) - Die Konsumenten stehen mitten in einem - nicht nur wetterbedingten - heißen Sommer. Der Ölpreis ist auf Rekordhöhen jenseits der 70 Dollar für ein Barrel, die internationale Verrechnungseinheit von 159 Litern, gezischt, die Preise für Sprit übertreffen alle bisherigen Höchststände, Heizöl ist so teuer wie noch nie. Auch Erdgas wird teurer werden.

Die Konsumenten zahlen und die Spekulanten im Ölgeschäft sahnen kräftig ab. Sie schüren gekonnt unbestimmte Ängste: vor einem ausufernden Krieg im Nahen Osten, vor einer Verschärfung der Terroranschläge im Irak, vor dem Atomprogramm des Iran, vor Hurrikans in der Karibik. Alle diese Faktoren könnten die Produktion vor Erdöl hemmen. Sind das Gründe für eine Panik?

Keineswegs. Es gibt, sagen die Ölhändler, genug Rohöl im Markt, die Vorratslager in Europa, Asien und den USA sind zum Bersten gefüllt. Der Ölmarkt ist ein schmieriges Geschäft und funktioniert nach einem einfachen System: Hand aufhalten und abkassieren. Wochenlang werden Tankschiffe im Zickzackkurs durch die Meere geschickt, die Versorgung dadurch niedrig, der Preis aber hoch gehalten. Das ist jetzt der Fall, nur, zugeben tut es keiner der Ölmultis, deren Gewinne großteils durch die hohen Ölpreise im ersten Halbjahr um 20 bis 30 Prozent gestiegen sind.

Die Verbraucher, ob private Haushalte oder Unternehmen, haben dazugelernt. Der erste Ölschock in den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte die Welt wie ein Keulenschlag getroffen, ältere Mitbürger erinnern sich noch an den einen behördlich verordneten autofreien Tag in der Woche. Die Technologie ist in allen Bereichen mit Siebenmeilenstiefeln vorangekommen, der Energieverbrauch rapide gesunken.

Die steigenden Energiepreise wirken sich auf die Wirtschaft nur gering aus, stellen die Wirtschaftsforscher fest. Das Wachstum wird kaum gebremst, spielt in der Endabrechnung keine besondere Rolle. Arbeitsplätze gehen nicht mehr verloren, eine Rezession ist weit entfernt.

Energie wird heute, zumindest in den entwickelten Ländern - und die schlagen zu Buche, weil sie am meisten benötigen - hoch effizient genutzt. Die Energiekosten wirken sich geringer auf die Produktpreise aus, treiben die Inflation im Gegensatz zu früher nur wenig in die Höhe. Auch das ist ein wichtiger Aspekt, denn stabile Preise stützen die Wirtschaft. Hohe Ölpreise haben ihren Schrecken verloren. Ein Beweis dafür ist, dass die Autofahrer beim Tanken kaum sparen. ****

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