OTS0199 5 CI 0424 NAE0002 Do, 16.Feb 2006
Gesundheit / Apotheker / Ärzte / Recht / Gesetz / Arzneimittel / Kommunales

Hausapotheker bleiben bei ihren Zahlen

Pjeta: "Bedrohungsszenario weitaus umfassender als von Apothekern dargestellt" - Brettenthaler fordert Einsatz der Gesundheitspolitik für Hausapotheken

Wien (OTS) - Mit Entschiedenheit ist heute die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) der Behauptung der Apothekerkammer entgegengetreten, die Ärzte brächten falsche Zahlen in Umlauf, indem sie betonten, dass durch die Gründung neuer öffentlicher Apotheken in Folge des VfGH-Urteils 360 Hausapotheken mittelfristig in ihrer Existenz bedroht seien. "Die Annahme der Apothekerkammer, dass 60 öffentliche Apotheken gegründet werden und damit 'nur' 130 Hausapotheken in ihrer Existenz vernichtet werden, ist rein spekulativ. Abgesehen davon bedeutet auch der Verlust von 130 ärztlichen Hausapotheken für ältere und wenig mobile Patienten einen erheblichen Rückschlag bei der Versorgung", betonte der Leiter des Hausapothekenreferats der ÖÄK, Dr. Otto Pjeta in einer Aussendung am Donnerstag. "Die Apothekerkammer geht bei ihrer Betrachung nur von den wirtschaftlich besonders lukrativen Standorten aus. Aber niemand kann uns garantieren, dass öffentliche Apotheken nicht auch an anderen Standorten aufsperren."

Für die hausapothekenführenden Ärzte gebe es daher keinerlei Garantie, dass nicht doch noch an anderen Standorten öffentliche Apotheken eröffnet würden. Pjeta: "Daher erleben wir ein weitaus umfassenderes Bedrohungsszenario als die Apothekerkammer glauben machen will. Ich vermute, dass die Apothekerkammer mit diesem von ihr herbeibeschworenen Streit Wahlkampf für ihre nächste Kammerwahl betreibt. Daher wohl diese massive Klientelpolitik. Die Behauptung, wir boykottierten das VfGH-Erkenntnis ist an den Haaren herbeigezogen und entbehrt jeder Realität. Es ist die Apothekerkammer, die kein Jota von ihrem Standpunkt abweicht, statt gemeinsam ein gutes Ergebnis für die Patienten anzustreben."

Auch der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Reiner Brettenthaler äußerte "Unverständnis für die Kampftöne", die die Apothekerkammer in der Sache anschlage. "Es kann sich kein Bürger mit gesundem Menschenverstand der Erkenntnis verweigern, dass die Hausapotheken auf dem Land eine zentrale Versorgungsfunktion haben und für gebrechliche und chronisch kranke Patienten auf Grund der direkten Versorgung mit Medikamenten durch den Arzt - das heißt sogar auch bei Visiten oder im Nachtdienst - unverzichtbar sind." Das Argument des umfangreicheren Warenlagers der öffentlichen Apotheken sei für die Patienten nicht so entscheidend. Brettenthaler: "Was zählt, ist die Vorrätigkeit der verordneten Arzneimittel, und diese hat der Hausapotheker auch im Haus." Im übrigen könnten sich kleine Apotheke auch kein großes Warenlager leisten, so Brettenthaler. Es werde daher zu Situationen kommen, dass Patienten zweimal eine Apotheke aufsuchen müssten, weil nicht vorrätige Medikamente erst bestellt würden. Der ÖÄK-Präsident appellierte abschließend an die Gesundheitspolitiker und die Bürgermeister der Regionen, sich für den Erhalt der traditionsreichen und gut funktionierenden Hausapotheken im Sinn der Patienten einzusetzen.

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