OTS0208 5 II 0333 PWR0001 Mi, 24.Aug 2005
Pressestimmen / Medien / Politik / Vorausmeldung

Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Waltraud Klasnic schließt aus, sich vom
VP-Dissidenten Hirschmann zur Landeshauptfrau wählen zu lassen. Sie zeigt damit Emotionen, die beim Wähler eher schlecht ankommen. Aber auch wenn es nur Taktik wäre, sollte sie von ihrem Bundesparteichef lernen. Der hat jedenfalls versprochen, sich vor Wahlen nie mehr wieder auf Dinge festzulegen, die dann vielleicht nicht haltbar sind.

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Emotionen von Politikern hatten bisher nur bei Hochwasser und Bergwerkseinstürzen positive Auswirkungen auf österreichische oder deutsche Wähler. Und auch diese Spin-Doctor-Regel ist nicht mehr sicher: Jedenfalls müssen "Krone" und "News" trotz Hochwassers ein Defizit an Bildern mit gelben Stiefeln an Politikerbeinen verkraften.

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Seien wir ehrlich: Journalisten nützen bisweilen Privilegien wie das Redaktionsgeheimnis übertrieben aus.
Wenn aber in den USA eine Journalistin schon 50 Tage in Haft sitzt, nur weil sie nicht bereit ist, eine Informationsquelle zu nennen (die Richtiges gesagt, aber wohl eine Schweigepflicht gebrochen hat), dann schockiert das auch jene, die sonst nicht stereotype USA-Prügler sind. Wenn sich ein Land ständig als Hort der Freiheit und Menschenrechte preist, dann ist dieser Schlag gegen die Pressefreiheit auch letal für die eigene Glaubwürdigkeit.

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Mirko Kovats wird also nicht die Bank Burgenland kaufen. War die Episode mit dem Investor, der häufig kauft, aber noch häufiger nicht kauft, nur eine billige Wahlkampfinszenierung, um die Schuld am Bank-Desaster abzuschieben? Das bleibt ebenso fraglich wie der Umstand, warum sich die SPÖ dafür ausgerechnet einen Mann ausgewählt hat, der ein Prototyp des Schwarzen Mannes für alle aufrechten Sozialdemokraten ist: Finanzinvestoren und betriebsrätliche Rechte ignorierende Kapitalisten galten ihnen eigentlich zuletzt nur als Heuschrecken.

Ein Gutes hat die Affäre damit doch: Das Märchen vom Schwarzen Mann wird nicht mehr so rasch wieder aufgetischt werden können.

Eine zweite Lehre sollte ebenfalls bleiben: Eine Verstärkung des allgemeinen Bewusstseins, dass wirtschaftliche Beteiligungen der öffentlichen Hand erstens rasch abzustoßen sind. Auch in Wien und Niederösterreich. Und dass das zweitens aber unter sorgfältiger und nachvollziehbarer Ermittlung des Bestbieters zu geschehen hat.

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