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Innenpolitik / Pressestimmen / Vorausmeldung

"Kleine Zeitung" Kommentar: "Eine kleine Tarockpartie oder: Das Endspiel der Haider-Partie" (Von Claudia Gigler)

Ausgabe vom 23.08.2005

Graz (OTS) - Es war (fast) wie in alten Zeiten: Ein bestens gelaunter Michael Schmid unterhielt eine stattliche Zahl von Journalisten, der große Jörg schwebte dazu aus Kärnten ein, und alle begeisterten sich am eigenen Elan.

War es ein Omen? Jörg Haider kam diesmal nicht nur später, sondern definitiv zu spät. Es reichte nur noch für ein Erinnerungsfoto, vor den großen Zeigern der Uhrturm-Uhr.

Nur sein einstiger Tarockpartner Gerhard Hirschmann hieß den Heimkehrer herzlich willkommen. Was treibt den ehemaligen Landesparteiobmann, damaligen Landesrat und nachmaligen Infrastrukturminister dazu, sich mit ihm und anderen um ein paar Mandate im Landtag zu raufen? Jörg Haider ist Michael Schmids Freund, und sein Wunsch ist ihm offenbar Befehl.

Vordergründig geht es den ehemaligen Blauen immer noch um "ihre" FPÖ. Die freiheitliche Familie sei es, der man sich verbunden fühle und um deren Überleben man kämpfe. Unter dem Motto: "Die FPÖ ist tot, rettet das BZÖ".

Der Bewegung in ihrem Ursprung hat Schmid mit seinem Antreten vermutlich aber den Todesstoß versetzt. Letzte Umfragen belegten, dass auch die Reste der FPÖ um ihren Einzug bangen müssen, dass aber das BZÖ in jedem Fall zum Scheitern verurteilt ist. Schmid wird nur in den eigenen Gefilden grasen - damit bleibt für beide zu wenig zum Überleben.

Da aber der Jörg bekanntlich kein Flachwurzler ist, muss es noch einen tieferen Sinn für die Heimkehr des ihm ans Herz gewachsenen Exil-Kärntners geben. Dieser lässt sich auf die Formel verkürzen:
"Nichts für das BZÖ, aber noch weniger für die FPÖ".

Schließlich hat drei Wochen nach der Steiermark Wien seine Landtagswahl zu schlagen, und ein gestärkter FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache täte Haider wirklich weh. Der Verbleib der Freiheitlichen im steirischen Landtag, bei gleichzeitigem Verscheiden des BZÖ wäre das Signal, das dem verlassenen Ex-Partner genau jenen Auftrieb geben könnte, den man ihm nicht gönnt.

Dem in erster Linie von sich selbst angetriebenen Bewegungsgründer Jörg Haider droht die Luft auszugehen. Bis zur Nationalratswahl ist es noch weit, bis zur Landtagswahl in Kärnten noch weiter. Eine Partei, die sich ihrer eigenen Geschichte beraubt hat und die die ideologiefreie Nähe zum Volk zum Programm erhoben hat, kann nur vom Wahlsieg leben.

Oder zumindest vom Glauben daran. Was diesen Glauben am ehesten erschüttern könnte, wäre ein starkes Lebenszeichen der blauen Brüder.****

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