OTS0261 5 II 0335 PWR0001 Fr, 10.Jun 2005
Medien / Politik / Vorausmeldung

Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - 500 Verbrecher-Lebensläufe wurden in den USA untersucht. Ergebnis: Viele derer, die geheiratet haben, wurden daraufhin anständige Bürger, die übrigen nur selten. Nutzanwendung für den Hausgebrauch: Verbrechen mögen andere begehen, die Österreicher aber sollten heiraten. Öffnet die Standesämter sieben Tage pro Woche 24 Stunden zum Nulltarif - und schon leeren sich die Gefängnisse. Wir bräuchten kein neues Gericht. Und die Scheidungsanwälte hätten eine noch bessere Konjunktur.

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Gut, dass es in der Politik auch etwas zum Schmunzeln gibt: Etwa die Vorstellung, was passiert wäre, hätte es zu Lebzeiten Helmut Qualtingers oder Thomas Bernhards schon einen Norbert Darabos samt Berechtigung gegeben, Agenturmeldungen abzusetzen. In welch gewaltigen Wortkaskaden hätte sich der wackere, aber der Stilgattung Satire leider unkundige Politiker da etwa über den Herrn Karl erregen müssen: "Antisemitische und ausländerfeindliche Vorurteile werden bedient", woran natürlich "diese Regierung" schuld sei. So wie Darabos es soeben in Hinblick auf eine Satire des bekannten Feuilletonisten David Axmann getan hat, die am Donnerstag auf dieser Seite der "Wiener Zeitung" erschienen ist.

Eigentlich wäre das Ganze ja als kreditschädigend einzustufen. Aber, ist einem Richter klarzumachen, dass ein Herr Darabos irgendjemandes Kredit schädigen könne? Ultra posse nemo tenetur, würden Juristen sagen (und für Satire-Abstinenzler die Bemerkung anschließen, dass es bei diesem Spruch nicht um eine Posse geht). Oder sollen wir Darabos humorvoll ignorieren? Festhalten wollen wir jedenfalls mit dem Ausdruck höchsten Respekts für die Einwohner des jüngsten Bundeslandes, dass die Darabos-Aussendung kein fiktiver Burgenländerwitz ist, höchstens eine burgenländische Realsatire. Auch wenn die Gefahr besteht, dass wir erklären müssen, was das denn nun schon wieder sein soll.

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Eine Realsatire, in diesem Fall über die Rollen-Verteilung zwischen Männern und Frauen, ist die köstliche Ausstellung im Historischen Museum am Karlsplatz zur Sinalco-Epoche nach dem Krieg. "Alles für ihn" heißt da etwa eines der Bücher, in denen damalige Frauen über ihre Pflichten informiert worden sind. Die eine Hälfte der Museumsbesucher nimmt das mit Empörung zur Kenntnis. Die andere mit heimlicher Nostalgie.

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