OTS0140 5 CI 0378 AKW0006 KI Fr, 22.Apr 2005
Wissenschaft / Arbeiterkammer / Körner-Fonds

Körner-Fonds 3: Festredner Konrad würdigt demokratische Tradition

Im Bedenkjahr nicht nur "Opferbild" und Erfolgsgeschichte zeichnen

Wien (OTS) - Mit den Preisen des Theodor-Körner-Fonds werde die Erinnerung an eine Persönlichkeit hochgehalten, die gegen den Ständestaat kämpfte und 1944 in Gestapo-Haft kam, sagte heute bei der Preisverleihung des Theodor Körner-Fonds der Zeithistoriker und frühere Rektor der Uni Graz, Helmut Konrad, in seiner Festrede. Als Theodor Körner 1953 als Bundespräsident den Anstoß zum nach ihm benannten Fonds zur Förderung von Wissenschaft und Kunst gab, habe an den Unis "autochtone Provinzialisierung" geherrscht, die österreichischen Nobelpreisträger seien außerhalb des Landes gewesen. Der Fonds habe große Impulse gesetzt. Konrad stellte die Geschichte des Fonds "in den Kontext des Bedenkjahres". Schwerpunkt des Erinnerns sei die Erfolgsgeschichte der Zweiten Republik und das "Opferbild" der Österreicher. Man müsse aber sehen, "dass dem Opferbild eine Täteraktion vorausgegangen" sei.

Als Theodor Körner 1953 den Fonds anregte, sei auch der Film "1. April 2000" gedreht worden, erinnerte Konrad, in dem die Regierung des noch immer besetzten Österreichs alle Beschuldigungen der Besatzer als "Missverständnis" darstellen konnte. Das sei "die Film gewordene Opferthese" gewesen, so Konrad. Auch heutige Erzählungen von Zeitzeugen der Befreiung 1945, die damals um die 15 Jahre alt waren, würden eher den Schrecken der Kinder in den Luftschutzkellern betonen als die Ursachen des Krieges: "Dem Opferbild ist ein Täterbild vorausgegangen", sagte Konrad, zuerst habe das nationalsozialistische Deutschland ganz Europa angegriffen. Und dass die Allierten die Republik Österreich wiedererrichtet haben, habe damit zu tun, dass es schon eine Erste Republik Österreich gab.

Gefragt werden müsse nach den Ursachen für das Scheitern der Ersten Republik, so Konrad: Sie sei in erster Linie an der Zerschlagung der Demokratie gescheitert, an der Errichtung eines autoritären Staates. Der ehemalige k.u.k General und spätere Sozialdemokrat und Schutzbundgeneral Theodor Körner sei 1934 ins Gefängnis gekommen, 1944 dann in die Gestapo-Haft. Als Person verkörpere er die demokratische Tradition. Unter anderem habe dann eben auch der von ihm angeregete Fonds große Impulse gesetzt, sagte Konrad: "Die Liste der Preisträgerinnen und Preisträger liest sich wie ein Who is Who der wissenschaftlichen Landschaft der Zweiten Republik." Konrad zählte nur einige der früheren Preisträger auf -von Arnulf Rainer bis Hans Strotzka, von Oswald Oberhuber bis Andreas Okopenko, und auch den heutigen Bundespräsidenten Heinz Fischer.

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