OTS0247 5 II 0279 PTT0001 Di, 01.Mär 2005
Pressestimmen

"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Wie der Hase läuft" (Von Irene Heisz)

Ausgabe vom 2. März 2005

Innsbruck (OTS) - Klaus Albrecht Schröder kann nichts dafür. Sagt er. Woher sollte ein so viel beschäftigter Museumsdirektor wie er auch die Zeit nehmen, sich höchstpersönlich um einen wesentlichen Teil des europäischen Kulturerbes zu kümmern?
Der Albertina-Direktor selbst hat zwar vor etwa zwei Jahren angekündigt, dass der "Feldhase" und andere wichtige Werke Albrecht Dürers in der konservatorischen Versenkung verschwinden müssten. Wenn aber große, prestigeträchtige Museen wie der Prado rufen, setzt das offenbar konservatorische Notwendigkeiten auf wundersame Weise außer Kraft.
Sich jetzt auf die Spedition und jahrelang geübte Praxis hinauszureden, ist eine Dreistigkeit, die dem Skandal nichts an Brisanz nimmt. Selbstverständlich hat Schröder die Verantwortung, die er jetzt so weit und wortreich von sich weist. Und wenn er sie nicht wahrzunehmen gewillt ist, sollte die zuständige Ministerin Elisabeth Gehrer erkennen, wie der Hase läuft.
Gehrer hat ja wirklich Pech mit den ihr zugeordneten Direktoren der Bundesmuseen. Man denke nur an Wilfried Seipel, dem unter nach wie vor aufklärungsbedürftigen Umständen aus dem Kunsthistorischen Museum die Saliera abhanden gekommen ist!
Aber Pech ist nun einmal eine weder politisch noch kunsthistorisch relevante Kategorie. Also ist es nicht damit getan, dass Gehrer darauf verweist, es handle sich bei den fehlenden Ausfuhrgenehmigungen für dieDürers um formale Versäumnisse. Es geht hier nicht um einen unter Umständen sogar verständlichen Kampf gegen eine kakanische Bürokratie, sondern um das Überleben von Kunstwerken, die in mancher Hinsicht empfindlicher sind als neugeborene Babys. Schröder muss sich um diese Kunstwerke sorgen wie um eigene Babys. Das allerdings würde voraussetzen, dass er schnellstens diese aus Selbstherrlichkeit und Schlamperei gemischte, empörend lässige Attitüde ablegt.

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