OTS0074 5 WI 0462 ONB0001 Di, 30.Nov 2004
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OeNB - Die südosteuropäischen Länder - eine neue Wachstumsregion für Europa und die europäische Integration

Wien (OTS) - Wien (OTS) - "Der Euro hat in den Ländern Zentral-und Osteuropas heute bereits eine Reputation erlangt, wie sie die Deutsche Mark und der Österreichische Schilling vor der Euroeinführung gehabt haben", erläuterte Dir. Univ.-Doz. Dr. Josef Christl im Rahmen der Conference on European Economic Integration der Oesterreichischen Nationalbank. Wie aus Umfrageergebnissen der OeNB zum Fremdwährungsbesitz in den Ländern Zentral- und Osteuropas hervorgeht, wird der Euro in diesen Ländern von mehr als 90% der Befragten als stabil eingeschätzt.

Diese positive Einschätzung gilt insbesondere auch für Kroatien, wo der Euro bereits heute eine herausragende Rolle spielt. Aber auch in allen anderen südosteuropäischen Ländern kommt dem Euro besondere Bedeutung zu: Für die meisten dieser Länder ist der Euro schon heute der zentrale geldpolitische Anker. Obwohl ein EU-Beitritt für diese Länder noch in weiter Ferne liegt, haben etwa Kosovo und Montenegro den Euro bereits unilateral als Währung eingeführt. Wie Dir. Christl hervorhob, steht eine formale oder de facto Euroisierung jedoch nicht mit dem Maastricht-Vertrag im Einklang, der klare Regeln und die Erfüllung der Konvergenzkriterien für eine Einführung des Euro vorsieht.

Der zweite Konferenztag stand ganz im Zeichen ausländischer Direktinvestitionen, ein wesentliches Element für den Aufholprozess in der Region Südosteuropa. Dabei könne es auch gelingen, außenwirtschaftliche Ungleichgewichte und Abhängigkeiten von externen Finanzhilfen zu verringern oder sogar zu überwinden. Wie Direktor Christl ausführte, zeigen österreichische Unternehmen in vielen Bereichen, insbesondere im Bankensektor, ein herausragendes Engagement. Österreichische Banker zählen zu den ausländischen "Pionierunternehmern" in Südosteuropa, die durch ihre Aktivitäten vor Ort dazu beigetragen haben, Modernisierung und Aufschwung zu stimulieren.

Viel habe sich in den letzten fünf Jahren in der Bankenlandschaft in dieser Region getan. Bankenprivatisierungen seien so gut wie abgeschlossen. Zwar haben Fortschritte bei Finanzintermediation und Bankenreformen nicht das Niveau Zentraleuropas erreicht. Der Anteil in ausländischem Eigentum befindlicher Kreditinstitute an der gesamten Bilanzsumme des Bankwesens in Südosteuropa habe aber (mit 55%) den entsprechenden Anteil in Zentraleuropa (41%) überholt. Der OeNB-Direktor betonte, dass ausländisches Eigentum zu größerem Wettbewerb, Effizienzgewinnen, steigenden Einlagen und zu Kreditexpansion beitrage. Heimische Banken haben einen aggregierten Marktanteil von etwa einem Viertel in den Ländern Südosteuropas erreicht. In Albanien und Bosnien-Herzegowina seien es sogar etwa 50%. Die Gewinnträchtigkeit dieser Investitionen in Südosteuropa übertreffe jene des heimischen Marktes klar.

Direktor Christl fasste zusammen, dass die Nachbarregion Südosteuropa - trotz bedeutender Risiken - über ein großes Potenzial verfüge. Vorangetrieben werde dieser Prozess durch den machtvollen politischen Anker der angestrebten EU-Mitgliedschaft. Angesichts ihres starken und sich stabilisierenden Wirtschaftswachstums, das jenes anderer Regionen unseres Kontinents überflügelt, stellen die Länder Südosteuropas zweifellos ein neues Wachstumspotenzial für Europa und für die europäische Integration dar. Diesem ist von Österreich und der Oesterreichischen Nationalbank besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

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