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Politik / Pressestimmen / Vorausmeldung

"Kleine Zeitung" Kommentar: "Georgien ist Teil des "Großen Spiels" um Macht und Öl" (von Günter Lehofer)

Ausgabe vom 25.11.2003

Graz (OTS) - Georgien ist kleiner als Österreich, tief
zerstritten und weltpolitisch wichtig. Die Kombination führt häufig ins Unglück. Das Land steckt mitten drinnen. Die "samtene" Revolution kann immer noch blutig werden. Selbst wenn sie samten bleibt, kann sie an den Problemen von Land und Leuten scheitern, wie der nun davon gejagte Edvard Schewardnadse gescheitert ist.

Der Blick aus der Satellitenumlaufbahn zeigt Georgien als den westlichsten Flecken in dem weiten Bogen, an dessen östlichsten Ende Kirgisien liegt. Das "Große Spiel" nannte das US-Nachrichtenmagazin "Newsweek" schon kurz nach dem Ende der Sowjetunion den Kampf um Einfluss in den neuen unabhängigen Staaten dieses Gürtels.

Es geht um Öl und um Geographie. Am Kampf beteiligen sich vorrangig Russland, und die USA, aus Machtgründen nur nebenrangig China und Europa und aus noch kleinerer, aber geschichtlich intensiver Sicht der Iran und die Türkei.

Gut sichtbar gemacht werden kann das Problem am Verlauf der Ölpipelines. Aus Baku am Kaspischen Meer und aus Kasachstan muss das Öl zu den Märkten fließen. Russland hat ein brennendes Interesse, dass es auch jene Ölleitungen kontrollieren kann, die nicht durch sein Gebiet führen. Da Leitungen durch Afghanistan und den Iran für Amerika weiter als unsicher gelten müssen, ist die Leitung nach und durch Georgien strategisch wesentlich. Daher führen Russland und die USA einen heftigen, wenn auch meist verdeckten Kampf um den Einfluss in Georgien. Das Gerangel mit China um das zentralasiatische Öl hat erst begonnen.

Russland hat in Georgien mehr Trümpfe in der Hand. Es liegt näher, es hat Truppen im Land stationiert. Es kann vor allem die blutigen Bürgerkriegsgebiete in Georgien, das sind Abchasien und Südossetien, beruhigen helfen aber auch in Brand setzen. Ohne Russland geht in Georgien nichts.

Auch die EU, die in Zentralasien und im Kaukasus mitmischen möchte, hat das zu berücksichtigen. Das aus alter Zeit christliche Georgien könnte ein brauchbares Netzwerk mit der EU für sein Überleben und für ein bisschen Bewegungsfreiheit an seinem geopolitischen Ort dringend brauchen. Bisher gelang der EU kein großer Wurf Richtung Georgien.

Das ist auch schwierig. Wenn man vom Satellitenblick auf den Blick zu ebener Erde wechselt, dann bietet Georgien ein undurchschaubares Intrigenspiel von Völkern, Talschaften, Cliquen.

Auch das trägt zu seinem Unglück bei. ****

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