OTS0214 5 II 0334 PWB0001 WI Mo, 03.Nov 2003
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"Billas totale Kehrtwende" von Arne Johannsen

Kommentar Wirtschaftsblatt Dienstag-Ausgabe

Wien (OTS) - Vorarlberger gelten als selbstbewusst bis stur
manchmal auch beides gleichzeitig. Verkehrsminister Hubert Gorbach ist Vorarlberger, weshalb er keine Scheu hat, sich mit der schlagkräftigsten Teilgewerkschaft des ÖGB anzulegen, den Eisenbahnern. Auch der Einzelhändler Jürgen Sutterlüty ist Vorarlberger, weshalb er keine Scheu hat, von seinem langjährigen Kooperationspartner Spar mit fliegenden Fahnen zum Konkurrenten Rewe/Billa zu wechseln. Der Umstieg ist weitaus mehr als der schlichte Wechsel eines Lieferanten:
Die neue Ehe von Sutterlüty und Rewe hat alle Chancen, Österreichs Handel auf den Kopf zu stellen. Denn mit dem neuen Pakt öffnet sich Österreichs grösste Handelskette erstmals für einen selbstständigen Einzelhändler. Das bedeutet eine totale Kehrtwendung der Rewe-Strategie: Anders als Erzkonkurrent Spar, der mit selbstständigen Kaufleuten unter dem Spar-Logo gross geworden ist und erst seit einigen Jahren das eigene Filialnetz kräftig ausbaut, haben die Billa-Manager bisher ausschliesslich auf eigene Geschäfte mit angestellten Filialleitern gesetzt. Mit dem Deal schlägt der Handelsriese gleich drei Fliegen mit einer Klappe. Die Zusammenarbeit mit Sutterlüty ist ein eindeutiges Signal an alle unzufriedenen Spar-, Adeg- und Nah-und-Frisch-Kaufleute: "Seht her, Billa ist als Partner eine Alternative." Zudem bekommt der Konzern in Vorarlberg endlich eine starke Marktstellung, was bisher nicht gelungen ist. Dass damit dem Erzrivalen Spar der grösste eigenständige Kunde abhanden kommt, sorgt in der Rewe-Zentrale für zusätzliche Freude. Grösste Hürde für eine erfolgreiche Ehe ist der Rewe-Konzern selber:
Dort redet man zwar gerne von Partnerschaft, hat diese aber stets nach eigenem Gutdünken definiert. Welche Bedeutung die Rewe-Manager jetzt der neuen Verbindung beimessen, zeigt sich an Details: Mit der 24,9-Prozent-Beteiligung an Sutterlüty darf der Konzern zwar mitzahlen, aber nicht mitbestimmen. Und: Rewe-Austria-Boss Veit Schalle, Herr über 4,1-Umsatz-Milliarden, reisst zur Präsentation des Deals extra ins Vorarlberger Egg, dem Hauptquartier Sutterlütys (Umsatz: 76 Millionen) auch das im machtbewussten Handel keine Selbstverständlichkeit. Möglicher Hintergrund: Mit dem anerkannt kompetenten Jürgen Sutterlüty kommt ein erfolgreicher, junger Handelsmanager ins Rewe-Reich und damit auch ein potentieller Nachfolger für den 61jährigen Veit Schalle.

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