OTS0124 5 CI 0504 BGF0002 II Mi, 20.Aug 2003
Gesundheit / Forum Alpbach / Rauch-Kallat

Rauch-Kallat: Öffentliche Gesundheitsausgaben bis 2010 auf 5,5% des BIP stabilisieren 1

Bei Arzneimittelkosten nicht nur Spannenkürzungen auch strukturelle Veränderungen notwendig

Wien (OTS) - "Es ist mir ein Anliegen, bei der Sicherung der Finanzierung des öffentlichen Gesundheitswesens in Österreich, einen Konsens unter allen Beteiligten herzustellen: Nämlich den derzeitigen Anteil der öffentlichen - wohlgemerkt nicht den der privaten! -Gesundheitsausgaben auf rund 5,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis zum Jahr 2010 zu stabilisieren", sagte heute, Mittwoch, Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat in ihrer Rede beim Europäischen Forum Alpbach. Das bedeute, dass die öffentlichen Gesundheitsausgaben nicht weniger aber auch nicht stärker als das Bruttoinlandsprodukt wachsen sollen. Zusätzliche Finanzmittel würden dadurch über das lineare Wachstum hereinkommen. "Die im System befindlichen Mittel müssen durch Kostentransparenz, Strukturverbesserungen und höhere Effizienz in allen Teilen des Gesundheitsapparats zu einem besseren Service der Versicherten führen", betonte Rauch-Kallat.

Das österreichische Gesundheitswesen stecke wie fast alle Länder dieser Welt in einer Kostenkrise. "Unsere Herausforderung ist es, die vorhandenen Mittel durch Strukturmaßnahmen optimal einzusetzen. Dazu brauchen wir eine systematische Strukturreform in allen Bereichen, neue Organisations- und Managementformen bei der Planung, Steuerung und Finanzierung des medizinischen und pflegerischen Angebots, intelligente Organisationsformen an den Schnittstellen, einen Technologieschub durch Telemedizin, eine breitere Digitalisierung bei der Steuerung der Abläufe und der Verwaltung, eine effiziente Qualitätssicherung sowie einen höheren Stellenwert der Gesundheitsförderung", so Rauch-Kallat. Alle, über Berufsgruppen, Regionen und politische Parteien hinweg, seien eingeladen gemeinsam an einer Gesundheitsreform mitzuarbeiten. Der Bundeskanzler habe daher zum Herbstauftakt im September alle politischen Kräfte zu einem "Reformdialog Gesundheit" eingeladen. "Für uns ist entscheidend in den Fragen der Gesundheit das politisch Gemeinsame über das politisch Trennende zu stellen."

"Im Arzneimittelbereich sind wir gerade dabei ein Maßnahmenbündel zur Kostendämpfung zu schnüren. Das ist notwendig, da die Arzneimittel für die Krankenversicherungen mit über 2,2 Milliarden Euro im Jahr 2002 den drittgrößten Ausgabenfaktor darstellen. Laut Hochrechnung des Hauptverbandes werden die Arzneimittelausgaben heuer im Vergleich zum Vorjahr um ca. acht Prozent ansteigen. Wie wir aus der Vergangenheit wissen, führt eine Preisreduktion über die Handelsspannen zwar zu einer kurzzeitigen Dämpfung der Ausgabensteigerungen, eine nachhaltige Stabilisierung kann aber nur durch strukturelle Maßnahmen erreicht werden. Wir brauchen Beides", so die Gesundheitsministerin. Es müsse eine Allianz zwischen den Versicherten und den Ärzt/innen geschaffen werden. Ein sorgsamer Umgang jeder Patientin und jedes Patienten solle durch Kostentransparenz und Information sichergestellt werden. "So kann beispielsweise die Preisauszeichnung auf Medikamenten das Kostenbewusstsein heben und ein verstärkter Einsatz des grünen Rezepts ein Umdenken im Gebrauch von Arzneimitteln fördern. Gleichzeitig muss aber die Einhaltung der bestehenden Richtlinie für Ökonomische Verschreibweise (RÖV) durch die Ärzte gewährleistet werden. So hat zum Beispiel die Umsetzung der RÖV in der Steiermark in der ersten Vergleichsperiode eine Kostenreduktion von stattlichen 21,8 Millionen Euro gebracht. Umgelegt auf alle Bundesländer steckt hier ein wesentliches Einsparungspotenzial." Rauch-Kallat sei sich bewusst, dass für preiswerte Arzneimittel auch ein rascher Marktzugang Voraussetzung ist, "daher werde ich die Zulassung von neuen Medikamenten beschleunigen und das derzeit sehr umfangreiche Verfahren zur Aufnahme in das Heilmittelverzeichnis der verschreibungspflichtigen Medikamente ändern und den Hauptverband ersuchen seine Verfahrensordnung rasch abzuändern", sagte Rauch-Kallat.
(Forts.)

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