OTS0087 5 WI 0542 ONB0001 Di, 15.Apr 2003
Banken / OeNB / Konjunkturindikator

OeNB - Neuer OeNB-Konjunkturindikator prognostiziert verhaltenes Wachstum der österreichischen Wirtschaft in der ersten Jahreshälfte 2003

- Reales BIP-Wachstum im ersten und zweiten Quartal 2003 bei 0,3 bzw. 0,2% im Vergleich zum Vorquartal - Die Wachstumsschwäche setzt sich damit auch in der ersten Jahreshälfte 2003 fort

Wien (OTS) - Gemäß dem neuen OeNB-Konjunkturindikator
erwartet die Oesterreichische Nationalbank ein Wachstum des
realen Bruttoinlandsprodukts von 0,3% im ersten und von 0,2% im zweiten Quartal 2003 (saisonbereinigt, jeweils im Vergleich zum Vorquartal). Gegenüber den entsprechenden Vorjahresquartalen beträgt das Wachstum damit 0,7 bzw. 0,4%. Damit setzt sich die Wachstumsschwäche der letzten beiden Jahre auch in der ersten Jahreshälfte 2003 fort.

Prognose des realen Bruttoinlandsprodukts für Österreich

2000 2001 2002
BIP - Veränderung zum Vorjahr in % ........ 3,5 0,7 1,0

BIP - Veränderung zum Vorjahresquartal in % (saisonbereinigt):
2000 2001 2002 2003
Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2
4.6 4.2 2.7 3.2 2.0 0.6 0.4 -0.4 0.3 1.3 1.4 1.3 0.7 0.4

BIP - Veränderung zum Vorquartal in % (saisonbereinigt):
2000 2001 2002 2003
Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2
1.4 0.9 0.2 0.7 0.1 -0.4 -0.04 -0.03 0.8 0.5 0.1 -0.1 0.3 0.2

Die österreichische Konjunktur war im Jahr 2002 von einem Rückgang der inländischen Nachfrage gekennzeichnet. Vor allem
die Investitionstätigkeit (2002: -4,9%) ist deutlich
eingebrochen, aber auch der Privatkonsum wuchs mit einer Rate
von 0,9% unterdurchschnittlich. Die schwache Inlandskonjunktur führte zu einem spürbaren Rückgang der Einfuhren. Dank weiterhin wachsender Exporte (2002: +2,6%) konnte die fehlende Dynamik der Inlandsnachfrage kompensiert und ein positives Wachstum der österreichischen Wirtschaft erzielt werden.

Für die erste Jahreshälfte 2003 dürfte sich eine leichte Erholung der Investitionstätigkeit abzeichnen. Der Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen kam in der zweiten Jahreshälfte 2002
zum Stillstand. In der Bauwirtschaft hat sich der Tiefbau in den letzten Monaten deutlich verbessert, während der Hochbau nach
wie vor rückläufig ist. Trotz der geringen Jahreswachstumsrate
hat sich der private Konsum in der zweiten Jahreshälfte 2002 mit +1,3% im dritten und +1,4% im vierten Quartal überraschend gut entwickelt. In der ersten Jahreshälfte 2003 wird jedoch vom privaten Konsum auf Grund der angespannten Arbeitsmarktlage und
des nur geringen Wachstums der Einkommen kein nennenswerter Wachstumsimpuls ausgehen. Die Exporte leiden unter der schwachen Konjunktur im Euroraum. Die Einfuhren werden auf Grund der
Erholung importintensiver Nachfragekomponenten wie der Ausrüstungsinvestitionen stärker als im Vorjahr wachsen und
somit den Außenbeitrag deutlich verringern.

Die in- und ausländischen Vertrauensindikatoren haben sich in der letzten Zeit zwar etwas verbessert, liegen aber noch unter
ihren langjährigen Durchschnittswerten. Die vor allem mit der Länge des Irakkriegs und der Nachkriegsordnung zusammenhängende große Unsicherheit über die weitere Entwicklung der
Weltwirtschaft lässt eine rasche Verbesserung des
Wirtschaftsklimas unwahrscheinlich erscheinen.

Der OeNB-Konjunkurindikator basiert auf den Ergebnissen
zweier ökonometrischer Modelle (Zustandsraummodell und
dynamisches Faktormodell). Beim Zustandsraummodell werden sechs ausgewählte Indikatoren (ifo-Geschäftsklimaindex, Kreditvolumen, Anzahl der offenen Stellen, Exporte, Großhandelspreise, Zinsdifferenz) zur Schätzung des BIP herangezogen. Das
dynamische Faktormodell verwendet ein Set von 143 Indikatoren,
aus dem mittels dynamischer Zeitreihenverfahren die
wesentlichsten treibenden Faktoren des Konjunkturzyklus
extrahiert werden. Diese Methode wird auch beim EuroCOIN-
Indikator des Centre for Economic Policy Research zur Schätzung
des Euroraum-BIP eingesetzt.

Die nächste Veröffentlichung des OeNB-Konjunkturindikators erfolgt im Juli 2003.

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