OTS0008 5 II 0271 PTT0001 Do, 14.Nov 2002
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"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Uni im Reformstau" (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 14. November 2002

Innsbruck (OTS) - Von den Studiengebühren hängt sicher nicht das Schicksal der Universitäten ab. Allerdings bieten sie derzeit außer Angriffsflächen herzlich wenig. Überfüllte Seminare, Platznot und schlechte Ausstattung an den einzelnen Instituten rechtfertigen keine 370 Euro pro Semester.

Andererseits beschäftigen sich die Universitäten schon seit Jahrzehneten zu sehr mit sich selbst. Meist wird eine verfehlte Universitätspolitik angeprangert, um von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Schon längst hätte die Innsbrucker Univerwaltung, die noch meilenweit von unternehmerischen Denkansätzen entfernt ist, auf den Platzmangel am Institut für Pädagogik reagieren müssen. Den Universitäten gelingt es jedoch nicht, mit kreativen Ideen selbst den Reformstau abzubauen.

Im Frühjahr hat man geglaubt, die Zukunft der Innsbrucker Universität geht einher mit der künftigen Ausrichtung der Medizinischen Fakultät als eigener Universität. Weit gefehlt. Die Probleme sind viel alltagsnäher und münden in die Warteschleife von vielen unzufriedenen Studiosi, die um ihren Seminarplatz bangen.

Zu denken geben sollte den heimischen Bildungspolitikern aber der dramatische Anstieg der Akademikerarbeitslosigkeit. Ende September waren 26 Prozent mehr Akademiker auf Arbeitssuche als im Jahr zuvor. Juristen, Betriebswirte, Mediziner und Lehrer rangieren in der Statistik der Arbeitssuchenden ganz vorne. Schon in Zeiten der Hochkonjukur ergab sich ein ähnliches Bild.

Die österreichischen Studenten studieren schlichtweg in die falsche Richtung. Und dann treten Platz- und Angebotsprobleme unwillkürlich auf wie auf der Wirtschaftsuni in Wien oder an der Pädagogik in Innsbruck. Vielleicht sollten sich die Unis auch einmal nach Angebot und Nachfrage orientieren. Aber so lange jeder einzelne Professor seinen eigenen Elfenbeinturm verteidigt, ist leider jede Reform von innen zum Scheitern verurteilt.

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