OTS0071 5 WI 0468 PWK001 Do, 23.Mai 2002
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Industriekonjunktur: Vertrauen in den Aufschwung festigt sich

Exporte ziehen an, keine Aufwärtstendenzen bei Auftragsbeständen und Produktion

Wien (PWK349) - "Wir sind derzeit in einer sehr instabilen Zeit. Alle hoffen auf eine positive Konjunkturentwicklung, doch noch ist der Aufschwung nicht wirklich greifbar. Allerdings müssen wir alles tun, damit das Vertrauen in den Aufschwung erhalten bleibt, denn auch die konjunkturelle Entwicklung hat viel mit Emotion, psychologischen Faktoren und vor allem Risikobereitschaft zu tun", betonte, heute, Donnerstag, Wolfgang Damianisch, Geschäftsführer der Bundessparte Industrie der Wirtschaftskammer Österreich, im Rahmen einer Pressekonferenz zum Thema Industriekonjunktur.

Nach Auswertung aller Fachverbandsberichte könne man von einer leichten Belebung der Exporte sprechen, jedoch fehle bei den meisten eine positive Entwicklung der Auftrags- und Produktionswerte. Das sei umso bemerkenswerter, da die wichtigsten Handelspartner Österreichs in den letzten Quartalen merkliche Wachstumsrückgänge in Kauf nehmen mussten. "In Deutschland sank allein im Monat März, im Vergleich zum Vorjahr, der Produktionsindex um 4%. Auch die Erzeugerpreise mussten eine rückläufige Tendenz hinnehmen", so Werner Clement, Vorstand des Industriewissenschaftlichen Institutes.

In der Industrieproduktion habe sich das Bild nicht wesentlich verbessert. Die meisten Branchen wie: Gießerei, Bekleidung, Stein/Keramik, Metallwaren, Elektro- und Elektronikindustrie und vor allem die Metallindustrie melden fallende, der Rest - mit Ausnahme der ledererzeugenden Industrie - stagnierende Werte. Auch bei den Auftragseingängen sei noch kein positiver Effekt festzustellen. Hier melden vor allem Gießerei, Elektroindustrie und der generell unter der Konjunkturflaute leidende Baubereich sowie die bauabhängigen Bereiche stark fallende, die übrigen Branchen fallende oder stagnierende Tendenz. Lediglich aus der ledererzeugenden Industrie und der Lebensmittelindustrie würde Produktionswachstum gemeldet. Auch für den Arbeitsmarkt könne in naher Zukunft keine Entwarnung gegeben werden. Mit Investitionen werde zugewartet. Vor allem die hohen Rohstoff- und Energiekosten, aber auch die schwache Konsumgüternachfrage werden von vielen Branchen beklagt.

Allerdings seien die Konjunktursignale durchaus heterogen: So zeigten sich innerhalb der Elektroindustrie, Papier und Pappeverarbeitung und Chemie leichte Verbesserungen bei einigen Produktgruppen. "Obwohl die Aufwärtstendenz der Konjunktur noch sehr marginal ist, kann es doch als positives Zeichen gesehen werden, dass die Exportumsätze gehalten, bei Glas, Textil und Holz sogar leicht gesteigert werden konnten und die Unternehmen steigende Auftragseingänge erwarten", stellte Damianisch fest. "Auch die Zukunftsindikatoren aus der internationalen Konjunkturentwicklung sehen zumindest positiv aus" ergänzte Clement, obwohl noch nicht abgeschätzt werden könne, wie sich die Strafzölle auf Stahlimporte durch die USA auswirken werden oder sich der Ölpreis mittelfristig entwickeln werde.

Daher müsse nun alles daran gesetzt werden, eine Verunsicherung der Unternehmen zu vermeiden. Planungssicherheit sei ebenso gefragt wie Unterstützungsaktivitäten, Anreize für Forschung und Entwicklung, eine Verbesserung der Standortqualität durch die Umsetzung des Generalverkehrswegeplans, oder eine Anschlussfinanzierung bei der Vergabe von Mitteln durch den Rat für Forschung und Technologieentwicklung. "Ein wichtiges Signal wäre auch, bei der Umsetzung von EU-Richtlinien eine oftmals falsch verstandene 'traditionelle Vorzugsschülerrolle Österreichs' endlich aufzugeben", schloss Damianisch. (us)

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