OTS0110 5 II 0412 NGB008 WI Di, 02.Apr 2002
Politik / ÖGB / Solidarität / Betriebsrat

ÖGB entwickelt neue Strategien für Betriebsräte

Nur ein einziger Betriebsrat hätte 191 Kündigungen im Land Salzburg verhindern können

Wien (ÖGB). Das Katastrophenszenario im Fall Schwaighofer in Salzburg, bei dem in Kürze 191 Arbeitsplätze verloren gehen werden, hätte durch die rechtzeitige Gründung eines Betriebsrates vermieden werden können. Der ÖGB setzt nun auf die Weiterentwicklung der bewährten Funktion und entwickelt im Rahmen einer Startschuss-Zukunft Konferenz am 26. April neue Strategien für Betriebsräte. Denn in Zeiten rasanter wirtschaftlicher Veränderungen stellen sich neue Anforderungen an den Betriebsrat, auch als Krisenmanager.++++

"Ja, es war ein Fehler. Wir hätten einen Betriebsrat gründen sollen", erklären zahlreiche MitarbeiterInnen des Möbelhauses Schwaighofer in Salzburg angesichts der geplanten Schließung des Hauses Mitte des Jahres 2002. Dadurch gehen die Arbeitsplätze von 191 Menschen verloren - ein Schicksal, dass ein Betriebsrat zumindestens teilweise verhindern hätte können, berichtet die ÖGB-Zeitung "Solidarität" im April. Denn der Betriebsrat hätte das Recht gehabt, Einsicht in die Bilanzen zu nehmen und Sanierungskonzepte für das Möbelhaus mitzugestalten.

"Ohne die Mitsprache eines Betriebsrates kann sich ein Unternehmer problemlos teurer Mitarbeiter entledigen, zusperren und später mit Billigkräften wieder eröffnen -ein klassisches Umgehungsgeschäft", kritisiert der Salzburger GPA-Chef Siegfried Pichler. Im Möbelhaus Schwaighofer wurde jene Mitarbeiterin, die sich für die Gründung eines Betriebsrates stark gemacht hatte, gekündigt und erhielt Hausverbot. Nun ist es für die Betriebsrats-Gründung allerdings zu spät: Die Schließung ist nicht mehr abzuwenden, 191 MitarbeiterInnen sehen dem Verlust ihrer Arbeitsplätze entgegen.

Ein Betriebsrat ist jedoch auch beim Schutz der MitarbeiterInnen vor widerrechtlicher Bezahlung und Sozialbetrug unentbehrlich, das beweist ein Beispiel aus dem Transportgewerbe. Als in der "Koidl Transport GmbH" Kündigungen ins Haus standen, konnte der gut informierte Betriebsrat mit Hilfe der Gewerkschaft das Schlimmste verhindern. Betriebsrat Franz Rainer erzählt: "Unser Kollektivvertragslohn wird bezahlt, und wir halten die gesetzlich geregelten Fahr- und Ruhezeiten ein. Einen größeren Erfolg kann man im Güterfernverkehr nicht verbuchen."

Der ÖGB setzt nun eine wichtige Initiative und entwickelt neue Strategien für eine bewährte Institution. Bei der Konferenz "Mitbestimmung Mitgestaltung" am 26. April werden unter Leitung von Rudolf Nürnberger, ÖGB-Vizepräsident und Vorsitzender der Gewerkschaft Metall-Textil, neue Antworten auf die Anforderungen der modernen Wirtschaft gegeben. Denn ein Betriebsrat ist so wichtig wie die Feuerwehr - erst wenn es brennt, merkt man, wie sehr man ihn braucht. (tb)

ÖGB, 2. April 2002 Nr. 280

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