OTS0077 5 WI 0779 NPI001 AI Do, 27.Dez 2001
Wirtschaft / Politik / IV / Bilanz

Industrie zieht überwiegend positive Bilanz für 2001

IV-Präsident Mitterbauer: Null-Defizit, Unireform, Verwaltungsreform, Konjunkturpaket sowie Temelin-Einigung und Verlängerung Ökopunkteregelung auf der Haben-Seite - Kritik an Zuwanderungspolitik, Abgabenquote und fehlende Liberalisierungsstöße bei Ladenöffnung und Gewerbeordnung - Massive Kritik an Anti-Temelin-Volksbegehren: "Gemessen an der Jahrhundertchance Erweiterung grob fahrlässig" - IV-Chefökonom Fürst: Konjunktureller Aufschwung im 1. Halbjahr 2002 - Aktienkurs der Österreich AG unter Ausgabewert gefallen

Wien (PdI) "2002 ist ein entscheidendes Jahr für die Erweiterung der Europäischen Union. Die Erweiterung bringt zusätzliches Wachstum, Arbeitsplätze und ein Sinken der Verbraucherpreise. In einer solchen chancenreichen Ausgangssituation für Österreich, seine Menschen und seine Wirtschaft ein Volksbegehren durchzuführen, das ein Anti-Tschechien und Anti-Erweiterungsvolksbegehren ist, ist aus Sicht der Industrie und gemessen an der Jahrhundertchance grob fahrlässig," erklärte der Präsident der Industriellenvereinigung, DI Peter Mitterbauer, auf der IV-Bilanzpressekonferenz zum Jahresende.

Die Menschen in Österreich müssten sich bewusst sein, so der IV-Präsident, dass nach der grundsätzlichen Einigung mit Tschechien über die Sicherheitsstandards des AKW Temelin eine Unterschrift für das Volksbegehren einem Veto gegen die Zukunft in einem wohlhabenden, sicheren und stabilen gemeinsamen Europa gleichkommt: "Wer Wohlstand, Stabilität und Sicherheit für Österreich will, darf dieses Volksbegehren nicht unterschreiben!"
Naturgemäß müssen österreichische Politiker danach trachten, in den Erweiterungsverhandlungen das Beste für Österreich herauszuholen. "Die Vetokeule muss aber dorthin verschwinden, wo sie hingehört: In die politische Steinzeit!"

Mitterbauer präsentierte im Zusammenhang mit der EU-Erweiterung ein Ergebnis einer Fessl/GFK-Umfrage unter den österreichischen Top 500-Unternehmen aus allen Branchen. 22 Prozent der antwortenden Unternehmen schätzten die Auswirkungen der Erweiterung auf ihr Unternehmen und Ihre Marktposition als sehr positiv, 38 Prozent als eher positiv ein. Nur 5 Prozent bewerten die Erweiterung als "eher negativ" für ihr Unternehmen.

Die IV-Jahresbilanz 2001: Die Tops und Downs

Für die österreichische Industrie war 2001 - vor allem durch die konjunkturellen Rahmenbedingungen - ein herausforderndes Jahr. "Was die Wirtschafts- und damit Standortpolitik der österreichischen Bundesregierung im Jahr 2001 betrifft, so verdient diese durchaus Anerkennung", erklärte Mitterbauer. Folgende Punkte nannte der IV-Präsident auf der "positiven Seite":

· Das Budgetziel "Keine neuen Schulden" wurde erreicht
· Die ersten Schritte zur Verwaltungs- und Aufgabenreform wurden gesetzt
· Bei Strom- und Gasliberalisierung gehört Österreich nicht mehr den Nachzüglern an
· Die Universitätsreform ist auf richtigem Weg, die Abschaffung der Pragmatisierung beim Lehrpersonal ein Paradigmenwechsel
· Das Konjunkturpaket der Bundesregierung setzt auf die richtigen Maßnahmen, wie Förderung von Weiterbildung und Forschung · Europapolitisch findet die Einigung in Sachen AKW Temelin zwischen Österreich und Tschechien und die Nachfolgeregelung der Ökopunkteregelung die Zustimmung der Industrie

Weniger anerkennenswert empfand die Industrie im Jahr 2001

· Dass gerade in Hinblick auf die Positionierung österreichischer Unternehmen als Headquarter für Mittel- und Osteuropa und den immer noch spürbaren Fachkräftemangel die Zuwanderungspolitik sehr negative Signale ausgesendet hat.
· Dass Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen unter der Rekord-Abgabenquote von 47,2 Prozent leiden.
· Dass Liberalisierungsstöße in Richtung Ladenschluss und Gewerbeordnung bisher nicht erfolgt sind.

Als beispielhafte Maßnahmen für das Jahr 2002 führte die Industriellenvereinigung unter anderem die Umsetzung der Universitätsreform, den priorisierten Infrastrukturausbau in Richtung EU-Beitrittskandidaten und die Schaffung von Voraussetzungen zur Entlastung von Bürgerinnen & Bürgern sowie Unternehmen an. Mitterbauers kurzer Neujahrswunsch: "Nachhaltig an positiven Veränderungen weiterarbeiten!" Schließlich sei 2002 aus heutiger Sicht ein Arbeits- und kein Wahljahr.

Fürst: Schwache Konjunktur drückt Kurs der Österreich-Aktie

Nachdem die Österreich-Aktie zu Jahresbeginn 2000 mit einem Kurs von 100 Euro gestartet war, notierte sie zu Jahresende bereits bei 151 Euro. Seither ist der Wert der Österreich-Aktie, der auf Basis einer Expertenbefragung errechnet wird, kontinuierlich auf 94 Euro Ende 2001 gefallen.
Der Rückgang im abgelaufenen Quartal betrug rund 4 %. Hauptverantwortlich für diese Entwicklung sind die Konjunkturabschwächung, aber auch eine weniger positive Einschätzung der wesentlichen Standortbedingungen. Tatsächlich beurteilen von den 14 befragten Experten 10 die Industriekonjunktur schlechter als im Herbst, einer deutlich schlechter und drei unverändert.

Wie der Bereichsleiter für Industriepolitik & Ökonomie, Dr. Erhard Fürst, betont, bestehen unter der Annahme relativ stabiler weltpolitischer Rahmenbedingungen gute Chancen für eine Konjunkturwende zum Besseren im Laufe des ersten Halbjahres 2002. Niedrige Zinsen, sinkende Inflationsraten, fallende Energie- und Rohstoffpreise sowie Steuersenkungen in mehreren Ländern seien der Stoff, aus dem Konjunkturaufschwünge gemacht seien. Jedenfalls sei für 2002 ein eindeutig positives Wirtschaftswachstum zu erwarten, seine Höhe hinge vom genauen Zeitpunkt der Trendumkehr ab. Die Industrie werde im kommenden Jahr kaum stärker als die Gesamtwirtschaft wachsen, betonte Fürst. Die Industriebeschäftigung werde um ½ - 1 Prozentpunkt zurückgehen.

Die Qualität der Standortbedingungen wurde von den Experten zuletzt deutlich besser als noch im September beurteilt. Im Durchschnitt besonders positive Wertungen erhielten die F&E-Politik und die Budgetpolitik, gefolgt von Bildung, Bürokratiereform und Marktliberalisierung. Die politische Situation wird per Saldo noch immer negativ, aber besser als jeweils in den vorangegangenen Quartalen gesehen.

Rückfragen & Kontakt:

Tel.: (01) 711 35/2311
Fax: (01) 711 35/2313
email: info@newsroom.at
http://www.iv-net.at

IV-Newsroom

***OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS***

OTS0077 2001-12-27/12:16