OTS0175 5 II 0349 PWB001 Fr, 24.Aug 2001
Pressestimmen / Vorausmeldung / Politik ***OTS-PRESSEAUSSENDUNG***

"Der Skandal zur rechten Zeit" von Martin Rümmele

Kommentar - WirtschaftsBlatt

Wien (OTS) - Der Wirbel um die hohen Gagen der Postbetriebsräte wurde für die Regierung zum strategisch optimalen Zeitpunkt inszeniert. Der ÖGB mobilisiert gerade für seine Urabstimmung. Nächste Woche wird Hans Sallmutter als Sozialversicherungspräsident endgültig den Hut nehmen - was letztlich den Ausschlag für die geplante ÖGB-Offensive gab. So geschickt die FPÖ auch agiert - ohne die Dummheit der Gewerkschafter wäre das kaum gelungen. Zu Recht wurde das deshalb als ÖGB-Selbstfaller kritisiert:
Arbeitnehmervertreter, die in Zeiten von Kündigungen und Kampfmassnahmen die Hand aufhalten, gehören geprügelt. Daraus aber einen Privilegienwirbel zu machen und die Postführung zum Rücktritt aufzufordern, ist reines Polit-Hickhack und völlig überzogen.

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Führung eines Unternehmens versucht, sich mit den Arbeitnehmervertretern gut zu stellen und diese im extremsten Fall auch zu "korrumpieren" - gerade in Krisenzeiten, wenn für die Belegschaft harte Massnahmen zu treffen sind. Ein Arrangement mit den Belegschaftsvertretern kann da meist wesentlich billiger kommen als spätere Konflikte. Post-General Wais hat also das getan, was die Regierung von ihm verlangt - nämlich versucht, das Unternehmen privatwirtschaftlich zu führen. Und dabei ist er eben zwischen die Front von FPÖ und ÖGB geraten.

Die Freiheitlichen reagieren so aggressiv, weil sie versuchen, zwei Fliegen mit einer Klappe zu treffen: Einerseits soll der Widerstand der Gewerkschaft bereits im Ansatz zerstört werden, anderseits will die angeschlagene Regierungspartei geschickt von eigenen Turbulenzen ablenken. Die FPÖ hat praktisch die gleichen Probleme wie der ÖGB. An den Hebeln der Macht sitzend, übersehen beide jene, für die sie eigentlich kämpfen sollten. Die Ambulanzgebühr, der Gagenskandal um die Haupt-Ex-Mitarbeiterin Ute Fabel und andere Leiharbeiter sind nur ein paar Beispiele. Auch Karl-Heinz Grasser teilte kräftig aus: Seine Beamten bekamen im Vorjahr eine "Leistungsbelohnung" in Höhe von 30 Millionen Schilling. Die Folge dieser Segnungen für die eigenen Leute ist, dass ÖGB und FPÖ gleichermassen die Anhänger verloren gehen. Die FP-Taktik scheint derzeit nur die erfolgreichere zu sein. Nimmt sich der ÖGB daran ein Beispiel, wird es noch ein heisser Herbst. (Schluss) rüm

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Tel.: (01) 91919-316

***OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS***

OTS0175 2001-08-24/16:55