OTS0003 5 KI 0494 SKM001 Mo, 23.Jul 2001
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Morak: Wir brauchen kulturelle Partnerschaften

Rede von Staatssekretär Morak zur Eröffnung der Salzburger Festspiele

Wien (OTS) - "Das Europa, von dem ich hier spreche, ist nicht das Europa einer kontroversen gemeinsamen Geschichte, sondern ein Europa unzähliger gemeinsamer "Geschichten", die in immer neuen Versionen erzählt wurden und allmählich einen unverzichtbaren Kern der kulturellen Identität unseres Kontinents gebildet haben. Odysseus, Don Quichote, Don Juan, Faust, Falstaff - das sind einige der Zentralfiguren dieses Arsenals an Geschichten, die immer noch das gesamte Europa bewegen" so Staatssekretär Franz Morak, heute, Sonntag bei seiner Eröffnungsrede der Salzburger Festspiele in Anwesenheit von EU-Kulturkommissarin Viviane Reding.

"Das Projekt Europa ist in seiner kollektiv-existentiellen Dimension tatsächlich weiter als ein gemeinsamer Markt, weiter auch als das Projekt eines bloßen politischen Zusammenschlusses" sagte Morak und erinnerte dabei an jenes Zitat, das Jean Monnet, zugeschrieben wird: Wenn er die Chance hätte, das Projekt Europa neu zu beginnen, so Monnet, dann würde er mit dem Feld der Kultur beginnen.

"Ich möchte hier nicht in einen vordergründigen Kulturpessimismus einstimmen", so Morak, "sondern behaupten, dass wir Europäer einander kulturell näher sind, als wir es politisch sind - auch hier sehen wir den Widerspruch zwischen unserer ,Geschichte' und den ,Geschichten', die wir seit Jahrhunderten tradieren." Kulturpolitik gewinne hier eine hochkarätige Bedeutung: "ohne Kultur, ohne Rückbesinnung auf die gemeinsamen ,Geschichten' wird es Europa nicht geben". Das Subsidiaritätsprinzip habe in kulturellen Fragen durchaus seine Berechtigung, "doch darf es nicht als Alibi dienen, dass sich die Europäische Union ihrer kulturellen Verantwortung entzieht" betonte Morak in seiner Rede..

Aus historischen Gründen gebe es immer noch ein gebrochenes europäisches Kulturbewusstsein, so Morak weiter. Es habe mit einem Mangel an Selbstwertgefühl zu tun und mit der Angst, sich "eurozentrisch" zu verhalten. "Es hat eine Zeit gegeben, in der dieser Vorwurf einer gewissen europäischen Ignoranz gegenüber den Leistungen fremder Kulturen berechtigt war. Heute wissen wir, dass sich die Parameter europäischer Kultur nicht über einen Prozess des Ausschließens Dritter definieren. Die Konsequenz daraus heißt für uns: Wir wollen uns als das fühlen, was wir faktisch sind: als Bewohner eines Kulturraumes, die erstmals in ihrer Geschichte die Chance haben, ihre Gemeinsamkeit auch ökonomisch und politisch zu leben", sagte Morak..

"Dazu brauchen wir nicht nur strategische Partnerschaften, wir brauchen vor allem auch kulturelle Partnerschaften. Die Kultur ist hier der Politik um einiges voraus. Wenn wir vom Europa der Kunst und Kultur sprechen, so schließen wir selbstverständlich etwas ein, was im Augenblick in der europäischen Politik recht strittig ist: unsere süd- und osteuropäischen Nachbarn. Dostojewksij, Kafka oder Bartok sind für uns genauso Europäer wie Shakespeare, Voltaire oder Dante." Wenn dieses Bewusstsein auch in der Politik Platz greife, "dann haben wir tatsächlich eine Chance, dem europäischen Einigungsprozess eine Seele einzuhauchen" so Morak.

"Ich glaube, dass gerade die ersten Salzburger Festspiele des neuen Jahrtausends der richtige Ort und der richtige Zeitpunkt sind, uns dieser kulturellen Dimensionen und Energien Europas stärker bewusst zu werden" schloss Morak.

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