OTS0216 5 CI 0338 NEF006 II Di, 20.Feb 2001
Medizin / Soziales / Politik / Oberösterreich ***OTS-PRESSEAUSSENDUNG***

Diskussion um Krankenversicherung nimmt groteske Formen an

Paketdienst - Nein Danke!

Linz (OTS) - Als Kniefall vor den Privatversicherungen und als direkten Weg zur Zwei-Klassen-Medizin bezeichnet Hauptverbands-Vizepräsident Helmut Oberchristl den Vorschlag von Bundeskanzler Schüssel, eine Mischform der Systeme soziale Krankenversicherung und Wahlpakete (Paktedienst) einzuführen. In einem nicht näher bezeichneten System der sozialen Krankenversicherung soll sich dabei der Versicherte Art und Umfang des Schutzes aussuchen können.

Völlig unklar ist derzeit, wie die von Kanzler Schüssel in die Diskussion eingebrachte Mischform aussehen soll. So müsste ein System der sozialen Krankenversicherung einen Leistungsumfang anbieten, der sich zumindest in Art und Umfang am derzeitigen Angebot orientiert, um als sozial ausgewogen gelten zu können. Die Nachfrage nach zusätzlichen Leistungen wäre daher denkbar gering bis gar nicht vorhanden. Zu befürchten ist daher, dass unter sozialer Krankenversicherung eher eine Art Niedrigst-Versorgung gemeint ist, um den Privatversicherungen genügend Raum für das Angebot von Wahlpaketen schaffen zu können. "Schüssel scheint den Stein der Weisen nicht für die Versicherten, sondern für die Privatversicherungen gefunden zu haben", so Hauptverbands-Vizepräsident Helmut Oberchristl, der diesen Vorschlag auch scharf kritisiert. Denn jedes Zurückdrängen des Leistungsangebotes der sozialen Krankenkassen auf Niedrigstniveau würde automatisch zu einer Verschlechterung der Gesundheitsversorgung führen.

Ein System als Mischform zwischen Niedrigst-Grundleistung und Zukauf von Leistungspaketen, die von Privatversicherungen angeboten werden, würde unweigerlich zur Zwei-Klassen-Medizin führen. Hauptverbands-Vize Oberchristl: "Im Klartext würde das bedeuten, dass die Geldtasche entscheidet, wer wie gut behandelt wird". Gibt es in Zukunft Versorgungspakete, die je nach Einkommen vom Niedrigst- bis zum Vollpaket reichen? Bauarbeiterfamilien oder Pensionisten können sich dann nur ein Niedrigst-Paket leisten. Ist die Hüftoperation oder eine Herzklappenoperation im Niedrigst-Paket enthalten oder nicht? Das Vollpaket, das dem heutigen Leistungsstandard der sozialen Krankenversicherung entspricht, bleibt dann Spitzenverdienern und Vermögenden vorbehalten.

Ein klarer Rückschritt auf dem Gebiet einer umfassenden Gesundheitsversorgung, wie sie zur Zeit jedem Versicherten zur Verfügung steht. Denn das derzeitige System der sozialen Krankenversicherung gewährleistet bereits den Zugang zur Spitzenmedizin für alle, unabhängig von Einkommen, Alter, Krankheit oder Geschlecht.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

OÖ Gebietskrankenkasse
Referat für Öffentlichkeitsarbeit
und Kommunikation
Tel.: (0732) 7807 - 2610

OTS0216 2001-02-20/13:42