OTS0119 5 WI 0933 ONB001 Mo, 04.Dez 2000
OeNB / Geschäftsentwicklung ***OTS-PRESSEAUSSENDUNG***

OeNB-Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute in den ersten drei Quartalen 2000

Wien (OTS) -

  • Die Bilanzsumme der Kreditinstitute wächst um rund 10%.
  • Die Kreditnachfrage gewinnt deutlich an Dynamik.
  • Es besteht ein starkes West-Ost Gefälle bei der Vergabe von Fremdwährungskrediten.

Die in Österreich tätigen Kreditinstitute weiteten ihre Gesamtbilanzsumme in den ersten drei Quartalen des heurigen
Jahres um 9,9% aus. Dieser Zuwachs war der höchste seit Beginn
der Achtzigerjahre und spiegelte das derzeit vorherrschende dynamische Wachstum des gesamten Bankwesens wider.

- Während in den Jahren 1998 und 1999 das Bilanzsummenwachstum vorwiegend durch Geschäfte mit anderen Kreditinstituten erzielt worden war, konnte heuer das Geschäft mit Nichtbanken -
aktivseitig vorwiegend das Kreditgeschäft - wieder stark
ausgebaut werden. So sank der Anteil des Zwischenbankverkehrs
am Bilanzsummenzuwachs von rund 55% im September des Vorjahres
auf einen Wert von rund 40%.

Die Nachfrage nach Direktkrediten gewann in den ersten neun Monaten des heurigen Jahres deutlich an Dynamik und wuchs um
6,4%. Die in Fremdwährungen denominierten Kredite stiegen im bisherigen Jahresverlauf um 25,7% und waren somit zu fast zwei Drittel für die gesamte Kreditausweitung verantwortlich.
Verglichen mit dem Vorjahr schwächte sich der Zuwachs aber ab.

Innerhalb der verschiedenen Fremdwährungen war - wegen des
nach wie vor niedrigen Zinsniveaus - das Wachstum der
Ausleihungen im Japanischen Yen besonders groß: Diese
verdoppelten sich seit Jahresbeginn beinahe und stiegen von
7,0 Mrd EUR auf 13,7 Mrd EUR. Da in dieser Zeit der Kurs des Japanischen Yen nur um rund 8% stieg, war der weitaus
überwiegende Teil auf tatsächliche Kreditzuwächse zurückzuführen. Der Schweizer Franken war für die Kreditnehmer
im heurigen Jahr hingegen nicht mehr so attraktiv: Die
Ausleihungen in dieser Währung erhöhten sich nur noch um 5,5%
auf einen Stand von 24,9 Mrd EUR. Da aber der Wechselkurs des Schweizer Franken in etwa im selben Ausmaß stieg, war das
Volumen der tatsächlichen Neukredite nur sehr gering.

Besonders interessant gestalteten sich die regionalen Unterschiede in der Vergabe von Fremdwährungskrediten: Während
der Anteil der Kredite in Fremdwährung an den gesamten
Ausleihungen in den östlichen Bundesländern höchstens 20%
betrug, lag er in den westlichen Bundesländern bei rund 40%.

Die öffentliche Hand erhöhte im bisherigen Jahresverlauf
ihre Kreditaufnahmen bei den in Österreich tätigen Kreditinstituten um 6,1%. Noch im Vergleichszeitraum des
Vorjahres war dieser Zuwachs bei nur 0,8% gelegen. Wie auch
bereits im Jahr 1999 erkennbar, verlagerte der Sektor Staat
seine Verbindlichkeiten verstärkt in den kurzfristigen Bereich.
Der Zuwachs der Ausleihungen erfolgte überwiegend in Euro.

Die Kreditnachfrage der Unternehmen kam in den ersten
9 Monaten dieses Jahres parallel zur günstigen Konjunkturentwicklung wieder kräftig in Schwung und stieg
dreimal so stark wie in der Vergleichsperiode des Vorjahres.
72% aller Neu-Ausleihungen wurden in Fremdwährungen
aufgenommen.

Verglichen mit den anderen volkswirtschaftlichen Sektoren erhöhten die privaten Haushalte ihre Ausleihungen prozentmäßig
am stärksten. Die Kredite nahmen unter anderem auch aufgrund
des überdurchschnittlichen Konsumwachstums um 8,7% zu. Mehr als
95% dieser Verbindlichkeiten wurden langfristig aufgenommen.
Beinahe zwei Drittel aller Ausleihungen an die privaten
Haushalte wurden in Fremdwährungen vergeben, obwohl heuer ein leichter Gegentrend in Richtung Eurokredite erkennbar ist. Der Anteil der Fremdwährungskredite an den gesamten aushaftenden Direktkrediten erhöhte sich somit im September auf 18,5%.

Das Einlagenwachstum entwickelte sich in den ersten
9 Monaten des heurigen Jahres mit einem Plus von 1,3% wieder
etwas stärker als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Termineinlagen erhöhten sich prozentmäßig am stärksten
(+15,9%), aber auch die Zunahme der Sichteinlagen war mit einem
Plus von 10,1% erwähnenswert. Im Bereich der Spareinlagen
hatten die Kreditinstitute in den ersten drei Quartalen einen Rückgang von 3,1% zu verbuchen.

Die Refinanzierung der in Österreich tätigen Kreditinstitute erfolgte - wie schon im Vorjahr - in zunehmendem Ausmaß durch eigene Emissionen. So erhöhte sich das Volumen der Inlandsemissionen mit einem Plus von 10,7% deutlich stärker als
die Einlagen.

In den ersten drei Quartalen des heurigen Jahres setzten die Kreditinstitute ihr Auslandsengagement ungebrochen weiter fort.
So erhöhten sich die Forderungen an das Ausland um 20,9% und erreichten damit einen Anteil an der Gesamtbilanzsumme von
27,6%. Der Anteil der Auslandsverbindlichkeiten lag im
September bei 31,1% der Gesamtbilanzsumme.

Das Volumen der Derivativgeschäfte wurde von den Kreditinstituten im heurigen Jahr um 27,9% ausgeweitet, was
- verglichen mit dem Vorjahr - einer Halbierung des Zuwachses gleichkam. Das Verhältnis der Derivativgeschäfte zur
Bilanzsumme lag im September bei einem Wert von 145,7%.

Zum Berichtstermin lag der Stand der Eigenmittel bei
37,63 Mrd EUR, was eine Steigerung seit Beginn des Jahres um
7,0% bedeutete. Die (unkonsolidierte) Eigenmittelausstattung verringerte sich aber aufgrund einer gestiegenen
Bemessungsgrundlage von 13,8% im Juni auf 13,3% im September.

Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute in Österreich

STAND KUMULATIVE VERÄNDERUNG 2) 2000/09 2000 1999
Mrd EUR Mrd EUR in % Mrd EUR in % Einlagen v.inl.
Nichtbanken ......... 174,03 +2,22 +1,30 +1,75 +1,10 Eig.inl.Emissionen an
Nichtbanken(EUR u. FW) 52,04 +5,03 +10,70 +4,25 +10,10 Geldkapitalbildung v.
inl.Nichtbk.(EUR u.FW)226,07 +7,25 +3,30 +6,00 +2,90 Direktkredite an
inl.Nichtbanken ..... 224,37 +13,57 +6,40 +6,50 +3,20 .EUR-Direktkredite . 182,80 +5,06 +2,80
.Fremdwährungs-
Direktkredite ..... 41,56 +8,51 +25,70
Titrierte Kredite an
inl.Nichtbk.(EUR u.FW) 25,49 +0,24 +1,00 -1,37 -5,00 Gesamtkredite an inl.
Nichtbanken(EUR u.FW) 249,86 +13,81 +5,90 +5,13 +2,30 Auslandsaktiva ...... 158,79 +27,47 +20,90 +23,68 +21,40 Auslandspassiva ..... 179,41 +32,17 +21,80 +21,41 +16,90 Bilanzsumme ......... 576,40 +51,76 +9,90 +38,75 +8,10 Nicht bilanzwirksame
Geschäfte ........... 889,42 +187,23 +26,66 +214,82 +44,22 .hievon besondere
außerbilanzmäßige
Finanzgeschäfte ... 839,72 +183,28 +27,92 +213,20 +49,11 Eigenmittel absolut . 37,63 +2,47 +7,00 +1,41 +4,30 Eigenmittel in % der
Bemessungsgrundlage 1) 13,33

1) Betreffend jene Banken, die laut BWG zur Haltung von

Eigenmitteln verpflichtet sind.
2) Aufgrund der Umstellung auf Euro kann im Bereich der

Vorjahresvergleichswerte keine Untergliederung der
Positionen in Euro und Fremdwährung dargestellt werden.

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