OTS0065 5 WI 0623 ONB001 WI Di, 07.Nov 2000
OeNB / EU-Erweiterung ***OTS-PRESSEAUSSENDUNG***

OeNB - Ost-West-Konferenz, 6.-7. November

Wien (OTS) - ! ! ! S p e r r f r i s t : 12.45 U h r ! ! !

Utl.: Liebscher: Klares Bekenntnis zur EU-Erweiterung -
Weitere Reformen der EU-Beitrittskandidaten zur Sicherung
ihrer makroökonomischen Stabilität und
Wettbewerbsfähigkeit erforderlich

Bei der gemeinsam von der Oesterreichischen
Nationalbank (OeNB) und vom Joint Vienna Institute (JVI) veranstalteten Ost-West-Konferenz stellte Gouverneur
Dr. Liebscher die Währungsunion als ein erfolgreiches
europäisches Integrationsprojekt dar und legte ein klares Bekenntnis zur Erweiterung der Europäischen Union ab. Er wies darauf hin, dass sich die OeNB insbesondere seit den Anfängen
des Transformationsprozesses Anfang der 90-er Jahre stets
bemüht habe, ein aktiver Partner der Zentralbanken der mittel-
und osteuropäischen Länder zu sein, z.B. durch technische Kooperation oder Bildungsmaßnahmen.

"Die Schaffung der Wirtschafts- und Währungsunion kann mit Sicherheit als Erfolg bezeichnet werden”, betonte Gouverneur
Dr. Liebscher. So sei ein eindrucksvoller Prozess der Inflationssenkung und der Konsolidierung der öffentlichen
Finanzen innerhalb der Europäischen Union eingeleitet worden.
Ein einheitlicher, tiefer und liquider Geldmarkt wurde
erfolgreich etabliert, der Euro ist auf den Kapitalmärkten als Emissionswährung breit akzeptiert.

Seit dem Beginn der Währungsunion, so Gouverneur
Dr. Liebscher, hat die einheitliche Geldpolitik des
unabhängigen Eurosystems erfolgreich Preisstabilität sichergestellt und damit gleichzeitig einen bedeutenden Beitrag
zu nicht-inflationärem, nachhaltigem Wachstum und Beschäftigung
im Euroraum geleistet. Der EZB-Rat habe - auf der Basis seiner geldpolitischen Strategie und insbesondere vor dem Hintergrund
der stark gestiegenen Ölpreise und der fundamental nicht begründbaren Wechselkursschwäche des Euro gegenüber dem
US-Dollar - auf den seit geraumer Zeit bestehenden
Inflationsdruck im Eurogebiet mit entsprechenden
zinspolitischen Schritten reagiert, um das vorrangige Ziel der Preisstabilitätssicherung mittelfristig zu gewährleisten.

Die Geldpolitik müsse jedoch durch weitere fiskalische Konsolidierungsbemühungen gemäß dem Stabilitäts- und Wachstumspakt und durch energische Strukturreformen
entsprechend flankiert werden, so der Gouverneur weiter, damit
der Euroraum im internationalen Wettbewerb - vor allem mit den
seit langer Zeit boomenden Vereinigten Staaten - erfolgreich bestehen kann.

Bezugnehmend auf die wichtigsten wirtschaftspolitischen Herausforderungen für die sog. "Transformationsländer” in ihrem wirtschaftlichen Aufholprozess unterstrich Gouverneur
Dr. Liebscher, dass Strukturreformen der Schlüssel zu
langfristigem Erfolg sind. Die Entwicklung eines stabilen Finanzsektors mit einer effizienten Intermediationsfunktion ist dabei von besonderer Wichtigkeit für die Investitionstätigkeit
und damit eine solide Basis für ökonomische Expansion. Geld-
und Fiskalpolitiken müssen stabilitätsorientiert, nachhaltig
und konsistent sein. Er warnte jedoch vor allzu kurzfristig angelegten oder überambitionierten Zielen, welche rasch zu Glaubwürdigkeitsverlusten führen und insgesamt sogar kontraproduktiv auf den langfristigen Aufholprozess dieser
Länder wirken könnten. Auch in den Transformationsländern
sollte die Preisstabilität das vorrangige Ziel einer mittelfristigen ausgerichteten Geldpolitik sein, welche durch unabhängige Zentralbanken - wie Gouverneur Dr. Liebscher
mehrfach hervorhob - zu gewährleisten sei. Strategisch
betrachtet komme jedenfalls dem Euro sowohl als
währungspolitischer Anker als auch als Reserve- und Interventionswährung eine Schlüsselrolle zu.

Hinsichtlich der wirtschafts- und währungspolitischen
Integration der EU-Beitrittskandidaten hielt Gouverneur
Dr. Liebscher fest, dass diese wahrscheinlich in drei Etappen voranschreiten wird: "Zunächst werden diese Länder der Europäischen Union beitreten, dann werden sie am WKM II, dem Wechselkursmechanismus der EU, teilnehmen und zuletzt werden
sie den Euro als gesetzliches Zahlungsmittel in ihren Ländern einführen."

Entscheidend sei - so Gouverneur Dr. Liebscher resümierend -letztlich aber nicht das währungspolitische Regime, sondern ein konsistenter und glaubwürdiger Policy-Mix. Dieser solle die makroökonomische Stabilität in diesen Ländern sichern, die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Marktwirtschaften schrittweise verbessern und so - neben der Erfüllung des Acquis
Communautaire und damit der institutionellen und legalen
Konvergenz - insbesondere die reale Konvergenz und Integration
in den europäischen Wirtschaftsraum zügig vorantreiben. Dies
sei auch die Basis für eine spätere, volle Integration in den Euroraum.

!!! B I T T E S P E R R F R I S T B E A C H T E N !!!

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