OTS0012 5 KI 0224 PRO007 So, 15.Okt 2000
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"profil": Ruth Beckermann: "Für Juden ist Österreich nicht der richtige Ort"

Kritische Dankesrede Beckermanns anlässlich ihrer Auszeichnung mit dem Mans-Sperber-Preis - Zusammenleben von Juden und Nichtjuden in Österreich nach 55 Jahren "gescheitert"

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, zieht die mehrfach preisgekrönte Filmemacherin Ruth Beckermann äußerst kritisch Bilanz über die Entwicklung Österreichs. Beckermann: "Für Juden ist Österreich nicht der richtige Ort."

"profil" veröffentlicht Auszüge aus der Rede anlässlich der Verleihung des Mans-Sperber-Preises, mit dem Beckermann am 16. Oktober in Wien ausgezeichnet wird. Darin stellt die Filmemacherin ("Jenseits des Krieges") wörtlich fest: "Ich meine, dass der Versuch von Juden, nach der Schoah mit ihren nichtjüdischen Mitbürgern auf der Basis einer eindeutigen Abkehr vom Nationalsozialismus zusammenzuleben, nach nunmehr 55 Jahren als gescheitert betrachtet werden muss."

Mit der Bildung der FPÖ/ÖVP-Regierung sei, so Beckermann, "gesellschaftliche Fremdenfeindlichkeit und Engstirnigkeit, ob nun christlicher oder völkischer Prägung, verstaatlicht" worden.

Mit dem Thema jüdischen Lebens in Österreich hatte sich Beckermann auch bereits in ihrem Buch "Unzugehörig" auseinandergesetzt. Jetzt resumiert sie: "Mag sein, dass Österreich seine Rolle in Europa gefunden hat, als Hort der Reaktion, als VendŽe des 21. Jahrhunderts. Vorbild und Zentrum für alle anderen fremdenfeindlichen Bewegungen, die sich in dieser Umbruchszeit bilden. Für Juden ist es nicht der richtige Ort."

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