OTS0095 5 CI 0376 GRP002 Mo, 09.Okt 2000
Umwelt / Energie / Temelin / Tschechien ***OTS-PRESSEAUSSENDUNG***

Greenpeace: Kampf gegen Temelin geht weiter!

Risiko in Temelin ist um Vielfaches höher als in westlichen AKW

Wien (OTS) - Mit großer Bestürzung reagierte Greenpeace auf die Ankündigung seitens der tschechischen Atomaufsichtsbehörde SUJB, dass das AKW Temelin in den nächsten 24 Stunden aktiviert werden soll. Die Umweltorganisation ist empört, dass die tschechische Regierung politische Überlegungen vor die Sicherheit der Menschen in Europa gestellt hat. "Heute ist ein rabenschwarzer Tag für die Umweltbewegung. Die Aktivierung von Temelin ist ein schwerer Schlag gegen die Vision einer atomkraftfreien Zukunft in Europa und eine Absage an jede Vernunft", sagte Franko Petri, Pressesprecher von Greenpeace Österreich, und kündigte an, dass Greenpeace weiterhin dagegen kämpfen wird, dass Temelin im Frühjahr 2001 ans Netz geht.

"Auch nach der Aktivierung des ersten Reaktorblocks werden wir unseren Kampf gegen Temelin vehement weiterführen", sagte Petri. Greenpeace kämpft seit mehr als zehn Jahren gegen die Fertigstellung des AKW Temelin. Immer wieder wurden von der Umweltorganisation gravierende Mängel am Reaktor und an der Bausubstanz des AKW aufgedeckt. Zahlreiche Aktionen wurden gegen den Bau und die Aktivierung des AKW in Tschechien und Österreich durchgeführt.

Wie eine Vergleichsstudie (Probabalistic Safety Analysis) der EU ergeben hat, sind die Sicherheitsrisiken in Temelin weit höher als in den meisten westlichen AKW. Das Risiko eines schweren Unfalls liegt im AKW Temelin bei 1:13.000 pro Jahr. Im Vergleich dazu liegt das Sicherheitsrisiko bei französischen AKW bei 1:213.000, im deutschen Reaktor Biblis B bei 1:340.000, in japanischen AKW sogar nur 1:625.000 pro Jahr. "Diese Verhältnisse zeigen deutlich, wie niedrig die Sicherheitsstandards in Temelin sind", sagte Jan Haverkamp, Atom-Experte von Greenpeace Tschechien. "Wir hoffen, dass die laufenden Klagen gegen das AKW letztlich doch noch verhindern werden, dass Temelin ans Netz geht", hofft Haverkamp.

Greenpeace Österreich fordert die österreichische Bundesregierung auf, auf bilateraler und europäischer Ebene alles zu unternehmen, dass die tschechische Regierung einer umfassenden UVP doch noch zustimmt und eine internationale Expertenkommission einsetzt. "Auch muss die österreichische Bundesregierung dafür Sorge tragen, dass der Import von Atomstrom aus Mittel- und Osteuropa absolut auszuschließen ist. Dumpingstrom aus Temelin soll niemals in der EU verkauft werden dürfen!", fordert Petri und ruft die Bundesregierung auf, die EU-wettbewerbsrechtlichen Aspekte überprüfen zu lasssen.

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Rückfragen & Kontakt:

MMag. Franko Petri
Pressesprecher Greenpeace
Tel.: 01-5454580-29 bzw. 0676-5147246
DI Jan Haverkamp
Atom-Experte Greenpeace Tschechien
Tel.: 00420-604-257822

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