OTS0046 5 WI 0380 NEF002 II Fr, 22.Sep 2000
Landwirtschaft / Wissenschaft / Politik ***OTS-PRESSEAUSSENDUNG***

Strafexpedition für Bergbauernforschungsinstitut?

Wien (OTS) - Die Bundesanstalt für Bergbauernfragen (BABF) soll
mit der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft zusammengelegt und räumlich in Hirschstetten im Bundesamt für Land- und Forstwirtschaft untergebracht werden. Eine absurde Vorstellung, dass die 13 Angestellten der BABF einer Heerschar von über 400 Angestellten, die sich vordergründig der Forschung für die intensive Landwirtschaft -ganz im Gegensatz zur Berglandwirtschaft - widmen, gegenüberstehen sollen. Es wäre völlig unakzeptabel für uns, wenn sich das Gerücht bestätigen sollte, dass die gentechnikkritische BABF unter die Weisungsbefugnis jener Leute kommt, die in der Vergangenheit gegen den Willen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung Österreichs Landwirtschaft gentechnisieren wollten, sagt Maria Vogt, Obfrau der Österreichischen Bergbauernvereinigung (ÖBV).

Der Gebäudekoloss in Hirschstetten könnte als "Milliardenstadl" bezeichnet werden! Man hat dort offenbar eine gigantische Fehlplanung hingelegt. Dieses Gebäude wurde auf Pump gebaut, ist nicht ausgelastet und kostet heute horrende Leasinggebühren. Jetzt verwendet man diesen Missstand, der eher ein Fall für den Rechnungshof wäre, offenbar als gutes Argument, in Zukunft die Miete für die beiden Bundesanstalten "einzusparen". Noch handelt es sich um Bundesvermögen - doch, was ist morgen? Dieses Bundesamt könnte in Zukunft privatisiert werden und dann sind sicher hohe Mieten fällig, wogegen die jetzige Miete der BABF am Möllwaldplatz als gering zu bezeichnen ist.

Die ÖBV hat bereits seit 1974 ein eigenes Bergbauerninstitut gefordert und mit dazu beigetragen, dass es die BABF gibt. Deshalb fordern wir Landwirtschaftsminister Molterer mit Nachdruck dazu auf, die Eigenständigkeit der Bundesanstalt für Bergbauernfragen zu erhalten! Die Studien der BABF, die sich auch kritisch mit der Situation der bäuerlichen Berglandwirtschaft und der Agrarpolitik auseinandersetzen, sind enorm wichtig für die agrarische Forschungslandschaft. Vom Bauernbund sind sie eher nicht geliebt und dort will man die kritischen, politisch anders orientierten BeamtInnen höchstwahrscheinlich lieber weg vom Fenster haben. Das sind wahrscheinlich auch die wahren Gründe für diese "Sparktion" -nur wird das offiziell nicht zugegeben!

Wir müssen diese Vorgänge als eine Art "Strafexpedition" gegen die BABF betrachten, indem man jene, die ihr Wissen auch für ein gentechnikfreies Österreich eingesetzt haben, genau dorthin setzt, wo in Zukunft möglicherweise Freisetzungen von Genpflanzen stattfinden werden. Es bleibt der berechtigte Verdacht bestehen, schließt Maria Vogt, dass eine kritische, international anerkannte Forschungseinrichtung mundtot gemacht und gentechnikkritische Wissenschaftler der Genlobby geopfert werden sollen.

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DI Elisabeth Baumhöfer,
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OTS0046 2000-09-22/09:05