OTS0041 5 CI 0356 NEF001 Mi, 13.Sep 2000
Umwelt / Tiere / Hunde / Medien ***OTS-PRESSEAUSSENDUNG***

"Kampfhunde": Aufklärung statt Hysterie

Wien (OTS) - Heute Abend strahlt ORF 2 die Sendung "Help TV
Spezial" zum viel Thema diskutierten "Kampfhunde" aus. Am Freitag tagt im Parlament ein Unterausschuß zur selben Materie, bei dem der Tierschutzverein CANIS Expertenstellung innehat. Anlaß genug, erneut Sachlichkeit in die aufgeheizte Diskussion zu bringen. Viele hartnäckige Klischees rund um den Hund bedürfen dringend einer Ablöse durch Fakten.

Mag. Alexander Willer, Obmann des Tierschutzvereins CANIS:
"Rassische Vorurteile gegenüber Tieren sind so alt wie die Menscheitsgeschichte. In der frühen Neuzeit schickte man Katzen und Wölfe als vermeintliche Hexen oder Werwölfe auf den Scheiterhaufen oder nagelte Fledermäuse zur Abschreckung von Vampiren an Scheunentore. Im modernen Medienzeitalter jagt die Boulevardpresse "Kampfhunde" und populistische Politiker betätigen sich gewissermaßen als Exorzisten, indem sie Rassenverbotslisten erlassen."

Betrachtet man viel zitierte, aber wenig verstandene Begriffe wie "Aggression" oder "Pitbull" im Spiegel der Wissenschaft, bleibt vom Monster "Kampfhund" wenig Abscheuliches übrig.

Aggression:
Aggression im rein naturwissenschaftlichen Sinne - nicht im ethischen -, ist ein Grundmerkmal aller Lebewesen. Ohne Aggression gäbe es kein Überleben. Demnach ist Aggression vom Grundsatz her genetisch verankert. Wie weit sie aber zum Ausdruck kommt, hängt von zahlreichen, meist äußeren Faktoren ab. Im speziellen Fall Hund heißt das: vom Menschen ! Selektive Zucht aggressiver Blutlinien, Fehlprägung im Welpenalter, brutale Konditionierung und falsche Haltung bewirken ein Übermaß an Aggression. Dr. Dorit Feddersen-Petersen von der Universität Kiel betont unermüdlich, daß es a priori keine "Kampfhunderassen" gibt. Daher sind Verbote ebenso absurd wie nutzlos.

Pitbull:
Weder der Weltkynologenverband FCI, noch der inländische ÖKV kennen eine Rasse mit der Bezeichnung Pitbull an. Der Begriff stammt aus dem England des 17.Jahrhunderts, wo scharf gemachte Hunde zum Gaudium der Bevölkerung in der Arena, dem "pit", auf Wildschweine, Bären oder Bullen gehetzt wurden. Daher der Name "pitbull". Die dafür scharf gemachten Hunde wurden aber nicht als eigenständige Rasse gezüchtet, sondern durch Einkreuzung übermäßig aggressiver Einzeltiere aus verschiedensten Rassen selektiert. Daher weisen Pitbulls bis heute kein einheitliches äußeres Erscheinungsbild auf. Pitbull ist demnach eher eine "Berufsbezeichnung" wie Lawinen- oder Spürhund. Von reinrassigen Pitbulls ist ebenso sinnig wie von reinrassigen Mischlingen zu sprechen.

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Tierschutzverein CANIS
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