OTS0224 5 WI 0388 OON001 WI Fr, 21.Jul 2000
Arbeitsmarkt ***OTS-PRESSEAUSSENDUNG***

Hoppla, die Zukunft ist da

Europa ist wenig vorbereitet - Österreich am wenigsten
(Von Hans Köppl)

Unversehens steckt die Eurozone mitten im Aufschwung. Staunend wird die Tatsache registriert, dass sich auf den Arbeitsmärkten eine Trendumkehr abzeichnet. Das jahrzehntelange Muster der sich stetig erhöhenden Sockelarbeitslosigkeit als Folge von Rationalisierungseffekten und Technologieschüben beginnt selbst auf den strukturkonservativsten Arbeitsmärkten zu verblassen.
Das langsame Vordringen neuer, flexibler Arbeitsmodelle, wie Teilzeitarbeit oder Projektarbeit, hat rigide Strukturen aufzuweichen begonnen. Eine tendenzielle Weiterentwicklung berechtigt zur Hoffnung auf eine noch länger anhaltende Periode kräftigen Wirtschaftswachstums und der Schaffung weiterer Arbeitplätze. Trotz Anhebung des Frühpensionsalters fehlen laut Angaben des ÖAAB bereits im kommenden Jahr 15.000 einsatzfähige Arbeitskräfte, im Bereich der Computerbranche und in der Informationstechnologie allein 10.000.

Ausgelöst wurde die Trendwende von zwei beziehungsweise drei externen Faktoren. Zum einen hat die sogenannte Ostöffnung zu Beginn der neunziger Jahre schlagartig das Angebot an Billigarbeitskräften erhöht, was zu einem zweifachen Druck auf die westeuropäischen Arbeitsmärkte, insbesondere in Deutschland und in Österreich, geführt hat: Arbeitskräftekonkurrenz im Inland und Niederlassungsoptionen für Betriebe im ehemaligen Osteuropa. Die Konsequenzen für die Beschäftigung in Westeuropa waren vorerst freilich negativ.
Zum anderen hat die Vollendung des europäischen Binnenmarktes und später die Einführung des Euro als einheitliche Verrechnungseinheit die kontinentweite Konkurrenz verschärft. Vorerst wiederum mit negativen Auswirkungen auf die allgemeine Beschäftigungslage. Im Bestreben, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, wurde gnadenlos rationalisiert. Ein Denken in globalen Wirtschaftsblöcken löste eine Welle von Fusionierungen selbst der allergrößten Konzerne aus. Das Schlagwort vom Shareholder Value Ð der alleinigen Orientierung am Unternehmensertrag Ð schien alle Befürchtungen über eine düstere Zukunft der Arbeit zu bestätigen.

Während allenthalben in Europa noch nationale Beschäftigungspläne ausgearbeitet wurden, hat sich das Blatt gewendet. Den Beschäftigungsplanern muss dieser Turnaround zunächst völlig entgangen sein, denn anders ist es nicht zu erklären, dass es so eklatant an den Voraussetzungen gerade für die zukunftsträchtigsten Beschäftigungsfelder mangelt. Um den Vorsprung der USA aufholen zu können, bräuchte Europa nach Angaben des Europäischen Industrieverbands auf einen Schlag 700.000 Spezialisten für die Informationstechnologie (IT).
Zu den Ländern, die am schlechtesten auf die Zukunft vorbereitet sind, gehört Österreich. Ein Vergleich attestiert der Alpenrepublik die höchsten Kosten für die IT-Infrastruktur, das größte Defizit bei IT-Fachkräften, eine bedenklich niedrige Forschungsquote und ein hohes Ausbildungsdefizit. Die nationale Kraftanstrengung, die Bundeskanzler Schüssel angesagt hat, wird in erster Linie hier anzusetzen haben.

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OTS0224 2000-07-21/18:38