OTS0055 5 II 0421 AKW002 WI Mi, 05.Jul 2000
Jugend / Arbeiterkammer / Berufsausbildung ***OTS-PRESSEAUSSENDUNG***

AK Tumpel: Regierung liefert die Lehrlinge den Unternehmern aus

Lehrlinge müssen länger arbeiten und können leichter gekündigt werden

Wien (AK) - Weniger Ausbildungsplätze für Jugendliche und dafür weniger Rechte und Sicherheit für Lehrlinge. Das bedeutet das schwarz-blaue Paket für die Jugendausbildung, das heute im Parlament beschlossen werden soll: Das Auffangnetz wird zerrissen, statt einer vollwertigen Ausbildung für Tausende Jugendliche gibt es nur mehr unverbindliche Lehrgänge. Die Probezeit für Lehrlinge wird verlängert, sie müssen in der Nacht noch länger arbeiten und wenn sie die Lehre abgeschlossen haben können sie leichter abgeschoben werden. Die ebenfalls von FPÖ und ÖVP geplante "Vorlehre für alle" öffnet der Schmalspur-Ausbildung Tür und Tor. "Mit diesem so genannten ,Pakt für die Jugend‘ liefert die Regierung die Lehrlinge vollständig den Unternehmern aus", kritisiert AK Präsident Herbert Tumpel. ****

Weniger Kündigungsschutz für Lehrlinge
Die Probezeit für Lehrlinge soll von zwei auf drei Monate verlängert werden. Die einzigen, die davon profitieren sind die Unternehmer. Sie können Lehrlinge als billige Hilfskräfte einsetzen. Im Fremdenverkehr während der Sommersaison und im Handel für das Weihnachtsgeschäft. Nach den drei Monaten sagt der Chef: "Ich kann Dich nicht mehr brauchen, such‘ Dir etwas anderes."

Länger arbeiten in der Nacht
In Zukunft sollen Lehrlinge im Gastgewerbe bis 23 Uhr arbeiten. Bisher war das bis 22 Uhr erlaubt. "Das muss mir erst jemand erklären, was ein Lehrling in dieser zusätzlichen Stunde noch lernen soll", sagt Tumpel. Die eigentliche Absicht sei klar: Billige Lehrlinge sollen Erwachsene ersetzen, kritisiert der AK Präsident.

Ausbeuten und Abschieben
Nach dem Lehrabschluss können Unternehmer die fertigen Facharbeiter nach drei Monaten (bisher vier) entlassen. Damit wird ihnen die Möglichkeit genommen, berufliche Erfahrung im erlernten Lehrberuf zu sammeln.

Nein zur Schmalspur-Ausbildung
Ganz entschieden lehnt Tumpel die "Vorlehre für alle" ab. Sie bedeutet für viele Jugendliche eine Schmalspur-Ausbildung ohne echten Berufsabschluss. "Erlernt" werden nur bestimmte einfache Tätigkeiten, wie etwa Regale schlichten. Und das bis zu drei Jahre lang für die Lehrlingsentschädigung des ersten Lehrjahres.
Dazu kommt: Vorlehrlinge haben keinen anerkannten Lehrabschluss. Sie können nur in eine richtige Lehre wechseln, wenn der Lehrberechtigte dem zustimmt. Und wenn der Lehrberechtigte dem Wechsel in eine Lehre zustimmt, dann wird von der Vorlehre weniger als bisher angerechnet:
Der Jugendliche lernt dann für seinen Lehrabschluss nicht drei Jahre sondern 4 ½ bis 5 ½ Jahre. Während der ersten sechs Monate der Vorlehre kann der Vertrag der Jugendlichen jederzeit gelöst werden. "Das sind alles nur Vorteile für die Unternehmer, beschlossen auf dem Rücken der Jugendlichen", kritisiert Tumpel.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Christian Spitaler
Tel.: (01) 501 650-2152
email: akpresse@akwien.or.at
http://www.akwien.at

AK Wien Presse

OTS0055 2000-07-05/09:55