OTS0191 5 WI 0402 PWK007 Fr, 19.Mai 2000
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EU überlegt einheitliche Chemikalien-Zulassung

"Einzelstaatliche Regelungen teuer und ineffizient" - Chemieexperten aus aller Welt berieten über Regulierungen

Wien (PWK) - Angesichts der Fülle an neuen Produkten erweist sich die einzelstaatliche Chemikalienzulassung als zunehmend teuer und ineffizient. Deshalb wird in Expertenkreisen derzeit eine EU-einheitliche Zulassung diskutiert. Die Bemühungen um eine solche Harmonisierung der Richtlinien waren eines der Hauptthemen des kürzlich in Salzburg abgehaltenen Chemie-Weltkongresses "ChemCon 2000". An der von der Umweltpolitischen Abteilung der WKÖ gemeinsam mit internationalen Organisationen (CEFIC, VCI) und dem Österreichischen Chemieverband organisierten Veranstaltung nahmen 270 Experten aus 28 Staaten teil.

Während sich die Produktion der chemischen Industrie seit 1970 etwa verzehnfacht hat, hat sich die Zahl der nationalen Regulierungen im gleichen Zeitraum mindestens verdreißigfacht. Innerhalb der EU und der OECD wächst daher der Druck, die teilweise sehr unterschiedlichen nationalen Vorschriften zu harmonisieren. Denn die uneinheitlichen Regulierungen erweisen sich nicht bloß für die Wirtschaft, sondern zusehends auch für die Behörden immer mehr als Hemmschuh. "Je besser die weltweiten Kontrollsysteme aufeinander abgestimmt sind, desto mehr Kapazitäten stehen für die Untersuchung der Stoffe zur Verfügung", begründet der Leiter der Umweltpolitischen Abteilung, Doz. Stephan Schwarzer, die auch von Österreich intensiv mitgetragenen Bemühungen um eine sinnvolle Vereinheitlichung.

Generell ziele die EU-Politik darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen durch die Harmonisierung von Vorschriften zu verbessern. Allerdings soll die angestrebte Deregulierung auf nationaler Ebene nicht dazu führen, dass die Sicherheit leidet. "Um Regulierungen abzubauen, bedarf es einer größeren Selbstkontrolle der Industrie", sagt Robert Donkers von der EU-Generaldirektion für Umwelt. Donkers verwies im Rahmen des Kongresses auf die rund 100.000 sogenannten "Altstoffe", die in der EU auf dem Markt sind und über die größtenteils keine ausreichenden Informationen existieren. "Wenn die Daten fehlen, kann man auch die Risiken schwer abschätzen."

Weitere Themen der ChemCon waren E-Commerce, Sinn und Unsinn von Produktregistern, Integrierte Produktpolitik und die bereits bestehenden und geplanten Regulierungen für die Chemieindustrie in den verschiedensten Ländern der Welt, wobei unter anderem auch die neuesten Entwicklungen in Indien, Korea und China, aber auch in Lateinamerika und Südafrika großes Interesse weckten. In einem eigenen Vortragsblock standen abschließend die Bemühungen der ost-und mitteleuropäischen Länder im Mittelpunkt.

Die auf höchstem fachlichen Niveau abgehaltene Veranstaltung brachte nach einhelliger Meinung der Delegierten nicht nur eine Fülle an neuen Ideen und Perspektiven, sondern zeigte, dass Österreich auch in Zeiten von EU-Sanktionen ein international hochgeschätzter und gerne besuchter Veranstaltungsort ist. (hp)

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OTS0191 2000-05-19/12:00