OTS0010 5 AI 0390 PRO002 So, 13.Feb 2000
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"profil": Neue Vorwürfe gegen Batlinger

Liechtensteiner Treuhandkanzlei von Herbert Batlinger gründete Stiftung auf deren Konten Drogengeld landete

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in
seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, liegen
erstmals konkrete Hinweise vor, die auf Verbindungen
der liechtensteinischen Treuhänder-Kanzlei Herbert
Batliners zu einem lateinamerikanischen Drogenhändler
hindeuten. Batliner, ein Freund des deutschen Altkanzlers
Helmut Kohl, wurde zuletzt wiederholt im Zusammenhang
mit dem deutschen CDU-Spendenskandal genannt. Der
Liechtensteiner Anwalt verfügt über enge Beziehungen zu hochrangigen ÖVP-Politikern sowie zu Bundespräsident
Thomas Klestil und tritt vor allem in Salzburg als Mäzen
und Förderer diverser Institutionen im wissenschaftlichen
und kulturellen Bereich auf.

Batliner war zunächst in einem Bericht des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) mit Geldwäsche in
Zusammenhang gebracht worden. Wörtlich wurde er in
dem Dossier beschuldigt, "für renommierte Kunden und
für Neukunden, die einen solchen als Referenz angeben
können, grosse Summen an Bargeld ohne Nachfrage nach
der Herkunft anzunehmen." Allgemein wurde die
Liechtensteiner "Geldwäsche-Community" vom BND
folgendermassen eingeschätzt: "Ihre Klientel setzt sich u.
a. zusammen aus lateinamerikanischen Drogenclans,
italienischen Mafiagruppierungen und russischen OK-
Gruppen." Sowohl die liechtensteinische Regierung wie
Batliner hatten diese Vorwürfe zurückgewiesen.

Im Fall Batliner berichtet "profil" nun von einer
Liechtensteiner Stiftung namens "Somateria", die von
Mitgliedern der Familie Reyes-Torres aus Ecuador 1990
eingerichtet wurde. Jorge Hugo Reyes-Torres galt als einer
der grössten Drogenbosse Lateinamerikas mit engen
Verbindungen zum Cali-Kartell. Reyes-Torres wurde 1992
verhaftet und zu 16 Jahren Haft verurteilt. Der
Organisation wird die Verschiebung von 50 bis 70 Tonnen
Kokain nach Europa und in die USA angelastet.

Wie "profil" berichtet, verfügte die Kanzlei Batliner über
eine Vollmacht der Frau von Reyes für die Somateria-
Stiftung. Das Guthaben auf dem Schweizer Konto der
Stiftung wurde von den US-Behörden wegen Verdachts
auf Geldwäsche im Zusammenhang mit Drogenhandel
eingezogen. Insgesamt wurden rund 11, 5 Millionen Dollar
oder 161 Millionen Schilling beschlagnahmt. Dies geht aus
einem "profil" vorliegenden Urteil eines US-
Berufungsgerichtes aus dem Jahr 1998 hervor.

Herbert Batliner räumt gegenüber "profil" ein, dass seine
Kanzlei mit der Gründung der Stiftung befasst war.
Allerdings sei sein Büro "in keiner Weise für die
Betreuung laufender Geschäfte" aufgetreten. Laut Batliner
hätten zwei grosse europäische Banken erklärt, "dass es
sich um renommierte Kunden seit vielen Jahren handle
und die Herkunft der Geldmittel unbedenklich wäre".
Nach der Zerschlagung des Torres-Kartells 1992 habe
Batliners Kanzlei "sofort zurückgezogen und sämtliche
Unterlagen den Gerichtsbehörden ausgehändigt".

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