OTS0137 5 CI 0983 NRK011 Mo, 30.Aug 1999
Gesundheit / Rieder / Frauen ***OTS-PRESSEAUSSENDUNG***

100 Tage Wiener Frauengesundheitsbeauftragte

Wien, (OTS) Eine äußerst positive Bilanz zog Wiens Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder am Montag nach den ersten 100 Tagen der Tätigkeit der Wiener Frauengesundheitsbeauftragten Univ.Prof. Dr. Beate Wimmer-Puchinger. "Mit der Verabschiedung des Wiener Frauengesundheitsprogrammes im November des Vorjahres und
der Bestellung der Frauengesundheitsbeauftragten am 3. Mai 1999
hat sich Wien in die internationale "Oberliga" in Sachen Frauengesundheit katapultiert", betonte Rieder. Bereits in den ersten drei Monaten ihrer Tätigkeit, so der Gesundheitspolitiker weiter, konnten Prof. Wimmer-Puchinger und ihr Team gleich mehrere Projekte des Frauengesundheitsprogrammes, wie z.B. eine Info-Kampagne zum Thema Ess-Störungen, umsetzen oder die Grundlagen für eine künftige Realisierung schaffen. Als herausragendstes Ereignis der vergangenen drei Monate nannte Rieder die Eröffnung des
zweiten Wiener Frauengesundheitszentrums, des F.E.M.-Süd im Kaiser Franz Josef-Spital.****

Erfolgreiche erste 100 Tage

Wie im Gemeinderatsbeschluss vom 9. November vorgesehen,
wurde unmittelbar nach der Ernennung von Prof. Wimmer-Puchinger
mit der Umsetzung von vier Pilotprojekten sowie zahlreicher
weiteren Massnahmen des Frauengesundheitsprogrammes 99 begonnen.

o Pilotprojekte:

1. Frauengesundheitszentrum F.E.M. im Kaiser Franz Josef-Spital:

Am 5. Mai wurde das Frauengesundheitszentrum F.E.M. im Kaiser Franz Josef-Spital eröffnet. Es wurden bisher bereits 800 Klientinnen betreut.

2. Informations- und Präventionskampagne Ess-Störungen:

o Start der Kampagne war der 20. November 1998.
o Die Hotline 0800-201120 wurde bis dato von 2.500 BürgerInnen

kontaktiert.
o In 60 Schulen wurden Informations- und Aufklärungsstunden

abgehalten (3060 Schülerinnen/Schüler).
o Am 20 Mai 1999 hat eine Ess-Störungsenquete (Magersucht und

Bulimie) im Rathaus (500 TeilnehmerInnen) stattgefunden.
o Vier Fortbildungsveranstaltungen (SchulärztInnen,

BeratungslehrerInnen, LehrerInnen) wurden organisiert.
o Ein Info-Folder wurde erstellt (Auflage 50.000).
o International ausgezeichnet wurde die begleitende Radio-

Kampagne. Im Rahmen des 19. Radiospot-Wettbewerbes der deutschen ARD wurde der Radiospot "Magersucht (Agentur Lebisch) "lobend erwähnt".
o Aufgrund der hohen Nachfrage kam es zur Initiierung der Wiener

Plattform gegen Ess-Störungen zur Verbesserung der intra- und extramuralen Vernetzung, sowie der Selbsthilfegruppen.

3. Prävention von Nachgeburtlichen Depressionen

Das Projekt soll in den Pilotspitälern SMZ-Ost, Kaiser Franz Josef-Spital und in der Semmelweis Frauenklinik durchgeführt werden.

Ein detaillierter Projektplan wurde gemeinsam mit allen für die Umsetzung relevanten Personen ausgearbeitet.

Mit der im Zuge des Projektes notwendigen Fortbildung der am Projekt beteiligten Hebammen der einzelnen Spitäler zu
Postpartalen Depressionen (PPD) wurde bereits begonnen. Geplanter Start des Präventionsmodelles ist der Herbst dieses Jahres.

4. Präventionskampagne "Brustkrebs-Screening"

o Ein ExpertInnenbeirat wurde gegründet.
o Um eine kosten- und ergebniseffiziente Vorgangsweise eines

Mammakarzinom-Screening Programmes zu ermitteln, wurde eine wissenschaftliche Expertise zu internationalen Modellen und Outcomes eingeholt.
o Ein detaillierter Projektplan wurde ausgearbeitet.
o Geplanter Start des Projektes ist mit Oktober 1999. Start der

Kampagne ist mit März 2000 geplant.

Weitere Maßnahmen für spezielle Zielgruppen

o Frauen in Gesundheitsberufen: Ärztinnen:

Am 16. September 99 findet eine Tagung "Women Only – Barriere oder Karriere? – Ärztinnen im Krankenhaus" statt mit dem Ziel Rahmenbedingungen zur Karriereförderung von Ärztinnen zu erarbeiten.

o Der "Internationale Frauengesundheitstag" am 28. Mai wurde von

den beiden Frauengesundheitszentren F.E.M. und F.E.M.süd den KOSOVO-Flüchtlingen (Triesterstraße 199, Charlotte Bühler-Heim) gewidmet. Gynäkologinnen, Kinderärztinnen, Kinderschwestern, Psychologinnnen, Dolmetscherinnen haben vorort Hilfe angeboten.

o Die Produktion von vier Informationsspots über Hepatitis B (sehr

hohe Inzidenz bei Migrantinnen) in der ORF-Reihe "Heimat – fremde Heimat" wurde beauftragt. Die Ausstrahlung wird Winter 1999/2000 erfolgen.

o Im September wird eine Fortbildung über Gewalt gegen Frauen und

Kinder mit spezieller Zielgruppe Migrantinnen für muttersprachliche BetreuerInnen stattfinden.

Schwerpunkte und Grundsätze des Wiener Frauengesundheitsprogrammes

Frau Prof. Wimmer-Puchinger zum Thema Frauengesundheit: "Mit dem Wiener Frauengesundheitsprogramm reagiert die Stadt Wien auf
die Tatsache, dass Gesundheit und Krankheit zwei wesentliche Dimensionen aufweisen. Zum einen wird die Gesundheit von sozialen Verhältnissen sowie vom individuellen Lebensstil beeinflusst, zum anderen sind Gesundheit und Krankheit nicht 'geschlechtsneutral', weisen also für alle Menschen, Frauen wie Männer, erhebliche geschlechtsspezifische Unterschiede auf."

Folgenden Grundsätzen leiten die Arbeit des Büros der Wiener Frauengesundheitsbeauftragten:

o Chancengleichheit für Frauen und Männer in Gesundheit und

Sozialem
o Geschlechtsspezifische Konkretisierung von Gesundheit
o Anerkennung von Gesundheit als biopsycho-soziale Dimension
o Sicherung von Lebensqualität während des gesamten Lebens
o Differenzierung von Gesundheit in verschiedenen Lebensphasen
o Unterstützung von benachteiligten Zielgruppen in

Gesundheitsbelangen
o Stärkung von Autonomie und Mitgestaltung im Gesundheitsbereich

von Seiten der Frauen
o Respektierung der körperlichen und psychischen Integrität von

Frauen
o Förderung eines gesunden Lebensstils
o Gesunde Lebensumwelten für Frauen und Kinder
o Kooperation und Vernetzung als Arbeitsprinzip
o Methodenvielfalt im Zugang zur Behandlung auf Grund einer

ganzheitsmedizinischen Sichtweise

Entstehung des Frauengesundheitsprogrammes

Die Stadt Wien nimmt seit der internationalen WHO-Konferenz "Women, Health & Urban Policies" (1991) und weiterer wichtiger Folgekonferenzen auf nationaler wie auf internationaler Ebene eine Vorreiterrolle in Bezug auf Anliegen der Frauengesundheit ein.

Mit dem im Auftrag der Stadt Wien erstellten ersten Wiener Frauengesundheitsbericht wurde, entsprechend den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation von 1992, erstmals die gesundheitliche Situation sowie die Versorgung von Frauen in Wien im Detail
erfasst. Damit wurden Zusammenhänge zur Lebenssituation von Frauen sichtbar, die bisher kaum Beachtung fanden. Um die darin aufgezeigten Probleme aktiv aufzugreifen, wurde im Arbeitsübereinkommen der neuen Wiener Stadtregierung (10/1996) das Thema Frauengesundheit als ein Schwerpunkt festgelegt und die Erstellung des Wiener Frauengesundheitsprogramms beschlossen. Für die Erarbeitung desselben wurde in einer konstituierenden Sitzung
am 9. Juli 1997 mit je 2 VertreterInnen aller Fraktionen des
Wiener Gemeinderates und unter dem Vorsitz des Amtsführenden Stadtrates für Gesundheits- und Spitalswesen, Herrn Dr. Sepp Rieder, und der Amtsführenden Stadträtin für Integration, Frauenfragen, Konsumentenschutz und Personal, Frau Mag. Renate Brauner, die Einsetzung einer überparteilichen ExpertInnenkommission beschlossen.

Mit der Organisation, Koordination und Schriftführung wurde das Ludwig Boltzmann Institut für Frauengesundheitsforschung unter der Leitung von ao. Univ. Prof. Dr. Beate Wimmer-Puchinger beauftragt. Das Programm wurde im Juli 1998 fertig gestellt und
zur Beschlussfassung durch den Gemeinderat eingereicht.

Zur Person der Wiener Frauengesundheitsbeauftragten

Frau ao Univ.Prof. Dr. Beate Wimmer-Puchinger ist Klinische-und Gesundheitspsychologin und Gastprofessorin an der Universität Salzburg.

Seit 1990 ist sie Leiterin des Ludwig Boltzmann Institutes
für Frauengesundheitsforschung und seit Mai 1999 Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien.

Sie ist Autorin zahlreicher wissenschaftlicher Studien und Publikationen zum Thema Frauengesundheit. (Schluss) nk/

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