- 09.06.2026, 12:44:04
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„Pädagog:innenbildung“ Wo stehen wir? Wo wollen wir hin?
Positionspapier der Österreichischen Forschungsgemeinschaft
Die Pädagog:innenbildung in Österreich hat in den letzten 20 Jahren viele Reformen erfahren. Ein besonders starker Eingriff war die gesetzlich festgelegte gemeinsame Ausbildung von Pädagog:innen durch Universitäten und Pädagogischen Hochschulen, die die Institutionen vor viele Herausforderungen gestellt hat. Der Wechsel von der Ausbildung für Schultypen zur Ausbildung für Altersstufen war ebenfalls ein Bruch bisheriger Grundprinzipien. Im Zuge dieser Veränderungen wurden auch an vielen Ausbildungsstandorten Schools of Education gegründet.
Die Pädagog:innenbildung und ihre Reformen wurden vielfach diskutiert und die Meinungen dazu und die Erfahrungen damit sind sehr unterschiedlich. Derzeit steht die Pädagog:innenbildung insbesondere durch den hohen Mangel an Pädagog:innen im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit; eine Situation der mit Quereinsteiger:innen begegnet wird und der Akzeptanz, dass Studierende bereits nach einem Studienjahr in der Klasse stehen und dabei teils auch Fächer unterrichten, die sie nicht studieren.
Mit Blick auf die zentrale Bedeutung der Pädagog:innenbildung nicht nur für die einzelne Schülerin/ den einzelnen Schüler, sondern auch für die Zukunft unserer gesamten Gesellschaft, hat die Österreichische Forschungsgemeinschaft (ÖFG) einen hochschulpolitischen Workshop veranstaltet, in dem die Pädagog:innenbildung aus unterschiedlichen Perspektiven analysiert und diskutiert wurde. Darauf aufbauend haben wir Empfehlungen formuliert und in diesem Positionspapier zusammengefasst. Das Papier richtet sich an die beteiligten Institutionen und Akteure inklusive Politik und Verwaltung sowie eine interessierte Öffentlichkeit.
Empfehlungen mit Fokus auf Ziele und Inhalte der Pädagog:innenbildung
- Zuerst sind Ziele zu formulieren, dann erst darauf aufbauend Maßnahmen zu planen
- Kompetenzorientierung muss das Leitprinzip für die Pädagog:innenbildung sein
- Bei den Studierenden ist eine reflektierte wissenschaftliche Haltung anzustreben
- Darauf aufbauend und unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Veränderungen sollte das Professionsbild formuliert werden
- Im Studium braucht es viele Lerngelegenheiten; bei zu wenigen besteht die Gefahr der Theorie-Praxis Lücke
- Die Anforderungen an die Studierenden sind mit Blick auf ihre künftige Aufgabe und Verantwortung hoch anzusetzen und auch hoch zu halten
- In den Curricula ist eine Transformation von Fragmentierung (Bildungswissenschaften, Fachwissenschaften, Fachdidaktik, päd.-praktischen Studien) zu Kohärenz notwendig
- Die Pädagog:innenbildung muss das gesamte Professionalisierungskontinuum abdecken
- Aus-, Fort- und Weiterbildung sind daher als Ganzes zu sehen und aufeinander abzustimmen
- Es braucht daher eine gemeinsame Ausbildungs- und Weiterbildungsverantwortung
Empfehlungen mit Fokus auf die Organisationsstruktur der Pädagog:innenbildung
- Die Weiterentwicklung der Verbünde (Universitäten und PHs in Regionen) sollte partizipativ erfolgen; ein Neustart ist zu vermeiden
- Die starre Verbundstruktur sollte dabei zumindest teilweise geöffnet werden
- Es braucht mehr (wettbewerbliche) verbundübergreifende Kooperationen; jedoch sollte auf eine Balance zwischen diesen und Kooperationen im Verbund geachtet werden
- Regionale Engführung sollte reduziert und institutionelle Stärken vermehrt genutzt werden
- Die Pädagogischen Hochschulen sollten von staatlich gelenkten Institutionen in autonome umgewandelt werden mit klarer Verantwortung
- Entsprechend sollte die Politik Leistungsvereinbarungen mit den Pädagogischen Hochschulen abschließen
- Die Bedeutung und Aufgabe der Pädagog:innenbildung für die Regionen (kulturell, politisch, etc.) sollte bei all dem bedacht und berücksichtigt werden
Empfehlungen mit Fokus auf die Umsetzung der Pädagog:innenbildung
- Die Studierbarkeit der Curricula muss regional geprüft werden (wie weit sind die Standorte voneinander entfernt? Welche Angebote gibt es an welchen Standorten?)
- Die schulpraktische Ausbildung braucht eine dichte Begleitung in den Schulen durch Lehrpersonen, die an den Pädagogischen Hochschulen ausgebildet wurden
- Es ist jedoch auch zu akzeptieren, dass eine Kohärenz zwischen Schulpraxis und Wissenschaft nur begrenzt herstellbar ist
- Eine kontinuierliche Qualifizierung und Weiterbildung der Lehrenden in der Pädagog:innenbildung ist erforderlich
- Es braucht den Mut zur Lücke und die Akzeptanz von Heterogenität in der Pädagog:innenbildung
- Entsprechend der zunehmenden Heterogenität sind Qualitätsstandards zu beschreiben und einzuhalten
- Eine Vereinheitlichung der Aufnahmeverfahren unter Berücksichtigung von Qualitätsstandards ist notwendig
Conclusio
Die Weiterentwicklung der Pädagog:innenbildung braucht eine langfristige strategische Perspektive. Sie muss unter Einbindung aller relevanten Akteure und Institutionen erfolgen und eine profunde (Wirkungs-)Analyse der systemischen trade-offs von vorgeschlagenen Maßnahmen inkludieren.
Gleichzeitig ist zu akzeptieren, dass die Reform nie abgeschlossen sein wird, sondern dynamisch bleibt und unvollendet. Bei den angehenden Pädagog:innen sollte die Illusion vermieden werden, dass „alles sofort anwendbar ist“.
Für eine konsequente Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der Pädagog:innenbildung braucht es eine sachorientierte und zielgerichtete Bildungspolitik – losgelöst von parteipolitischen Diskussionen und tagespolitischen Schauplätzen.
Das Positionspapier basiert auf einem Workshop der Österreichischen Forschungsgemeinschaft (Informationen dazu sowie die Präsentationen sind unter Pädagog:innenbildung (oefg.at) zu finden). Das Positionspapier wurde unter Federführung von Christiane Spiel gemeinsam mit Emil Brix, Harald Kainz und Heinrich Schmidinger unter Mitarbeit der Referent:innen erstellt.
Juni 2026
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