- 09.06.2026, 11:43:32
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AK-Präsident Stangl: „Gesundheitsversorgung ist in vielen Bezirken Oberösterreichs zu wenig ausgebaut“
Im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich führte die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) eine Analyse der Gesundheitsversorgung in unserem Bundesland durch. Im Bundesländervergleich und auf Bezirksebene wurden Zahlen im niedergelassenen Bereich und in den Krankenhäusern ausgewertet. Erstmals liegen damit Daten aus den Bezirken vor. „Oberösterreich hat in vielen Regionen massiven Aufholbedarf bei den Kassenarztstellen. Die Politik muss dringend handeln
“, sagt AK-Präsident Andreas Stangl.
2024 gab es in Oberösterreich 6.946 Ärzt:innen. Doppelzählungen sind möglich, etwa wenn angestellte Spitalsärzt:innen zusätzlich Wahlärzt:innen sind. 4.762 Ärzt:innen waren in einem Angestelltenverhältnis beschäftigt. Im niedergelassenen Bereich haben 2.768 Ärzt:innen gearbeitet, davon 1.230 als Kassenärzt:innen. Die Zahl der Wahlärzt:innen ist mittlerweile höher als die Zahl der Kassenärzt:innen im niedergelassenen Bereich. 55,56 Prozent übten (teils nebenberuflich) eine Wahlarzttätigkeit aus. Dabei ist die Gruppe der reinen Wahlärzt:innen besonders stark gewachsen, von 674 auf 928. Das entspricht einer Steigerung von 38 Prozent.
Oberösterreich ist Schlusslicht bei Kassenärzt:innen
1.596 niedergelassene Ärzt:innen mit Kassenvertrag gibt es in Oberösterreich. Das entspricht 104 Mediziner:innen je 100.000 Einwohner:innen (Österreich 112). Damit belegt Oberösterreich den letzten Platz der neun Bundesländer. Mit Dezember 2024 hatten 48 Prozent (Österreich: 43 Prozent) der niedergelassenen Ärzt:innen einen Kassenvertrag. „In nahezu allen Fachrichtungen ist der Anteil der niedergelassenen Ärzt:innen mit Kassenvertrag rückläufig
“, sagt AK-Präsident Stangl.
Die höchste Ärztedichte weist Linz mit 140,3 Kassenärzt:innen sowie 274 Wahlärzt:innen je 100.000 Einwohner:innen auf, gefolgt von Wels mit 126,4 Kassenärzt:innen und 246,6 Wahlärzt:innen. Die Bezirke Rohrbach (104,2 Kassen- und 46,1 Wahlärzt:innen), Ried (113,1 Kassen- und 95,8 Wahlärzt:innen) und Kirchdorf (110 Kassen- und 62,6 Wahlärzt:innen) weisen eine gute Versorgung mit Kassenärzt:innen auf. Der Bezirk Braunau hingegen ist sowohl bei Kassenärzt:innen (78,2) und Wahlärzt:innen (61) schlecht ausgestattet.
Vertrags- und Wahlärzt:innen sind in den Bezirken sehr unterschiedlich verteilt. Zur besseren Verständlichkeit wurde auch ein Österreichvergleich gemacht. Hier zeigt sich, dass die Stadt Steyr als bester oö. Bezirk bei den Vertragsärzt:innen Rang 13 im Österreichvergleich belegt. Von den Bezirken ohne Statutarstadt landet der Bezirk Ried auf Rang 50. Der Bezirk Braunau ist landesweit an letzter Stelle und österreichweit an 110. Stelle. Oberösterreich insgesamt steht damit auf dem achten Platz der neun Bundesländer. Wahlärzt:innen sind vor allem in den Städten stark anzutreffen. Die Bezirke Braunau, Schärding, Perg und Rohrbach weisen im Bezirksranking die wenigsten Wahlärzt:innen auf.
Bei den Allgemeinmediziner:innen liegt Oberösterreich im Bundesländervergleich an zweiter Stelle (bei den Wahlärzt:innen an achter Stelle). Im Vergleich der Bezirke ergibt sich ein differenziertes Bild. So liegt etwa die Stadt Wels mit 32,9 Ärzt:innen je 100.000 Einwohner:innen auf dem letzten Platz, nimmt aber bei den Wahlärzt:innen den zweiten Platz ein. Bei den Fachärzt:innen liegt unser Bundesland österreichweit an siebenter Stelle (bei Wahlärzt:innen an achter Stelle). Bis auf die Statutarstädte zeigt sich, dass die Bezirke im Österreichvergleich weit abgeschlagen sind.
Die Forderungen der AK OÖ
- Die offenen Kassenstellen müssen rasch nachbesetzt und die Primärversorgungszentren ausgebaut werden. Es muss ein Rechtsanspruch geschaffen werden, der die Versorgung durch eine:n Allgemeinmediziner:in sicherstellt.
- Die Gesundheitslandesrätin und die ÖGK müssen die Verhandlungen über den Regionalen Strukturplan Gesundheit (RSG 2030) neu aufnehmen und dafür sorgen, dass es einen bedarfsgerechten Ausbau der Kassenarztstellen in Oberösterreich gibt. Zudem muss sich das Land Oberösterreich finanziell stärker bei Primärversorgungszentren und weiteren Gesundheitszentren beteiligen.
- Es braucht einen Rechtsanspruch auf eine:n Kassenarzt/Kassenärztin.
- Solange eine kassenärztliche Unterversorgung besteht, müssen die Versicherten den vollen Kassenarzttarif ersetzt bekommen, wenn sie zu einem Wahlarzt oder einer Wahlärztin ausweichen.
- Die Arbeitnehmer:innen müssen als Versicherte in der ÖGK wieder die klare Mehrheit bekommen. Die Budgethoheit gehört zurück in die Verantwortung der Landesstellen. Es muss regional gewährleistet sein, dass die Beiträge der Versicherten dort verwaltet werden, wo sie arbeiten und leben.
Hier finden Sie die ausführliche Pressekonferenzunterlage sowie ein Foto von AK-Präsident Andreas Stangl und MMag.a Heidemarie Staflinger, Abteilung Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftspolitik.
Fotocredit: AK OÖ / Wolfgang Spitzbart
Rückfragen & Kontakt
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Mag. Michael Petermair
Telefon: +43 (0)664 88 28 19 31
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