• 06.04.2023, 22:00:02
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 7. April 2023. Von MARCO WITTING. "Am Ende der Rallye".

Innsbruck (OTS) - 

Die atemberaubend steile Bergfahrt der Immobilienpreise scheint ein jähes Ende gefunden zu haben. Vorerst. Familien, die versuchen eine eigene Wohnung zu kaufen, hilft das trotzdem nichts.

Die Rallye scheint zu Ende. Ein Crash ist derzeit zwar nicht sehr wahrscheinlich, aber ganz auszuschließen ist er auch nicht. Nach der irrsinnig langen, atemberaubend steilen Bergfahrt der Immobilienpreise in Tirol gerät der Motor erstmals ins Stottern. Horrende Baukos­ten, die hohe Inflation und die verschärften Kreditkriterien bringen Sand ins Getriebe. Marktbereinigung kann man das nennen. Oder über das Ende der fetten Gewinne für Investoren und Spekulanten sinnieren. Familien, die den Traum von der Eigentumswohnung noch immer träumen, hilft das nichts. Sie sind weiter nur Passagier.
Aktuell stehen in Tirol keine Wahlen an. Da hört man den liebsten Marketing-Gag der Politik, den vom „leistbaren Wohnen“, seltener. Wohnen, oder gar Eigentum, ist in diesem Land nämlich kaum leistbar. Und das schon sehr lange. 
Ohne Zuschuss der Eltern konnten sich schon bisher viele junge Familien die Eigentumswohnung nicht leisten. Aufgrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten (die in Tirol bei niedrigem Lohnniveau ohnehin schon immer hoch waren) und der deutlich gestiegenen Zinsen geht für die allermeis­ten jetzt gar nichts mehr. Da nützt es auch nichts, wenn die Preise für Neubauwohnungen in Innsbruck stagnieren. Bei 10.000 Euro pro Quadratmeter, wohlgemerkt.
2022 wurden in Tirol um rund zehn Prozent weniger Wohnungen verkauft. Die Preise sind aber noch einmal um fünf Prozent gestiegen – und damit die dritthöchsten in Österreich. Selbst wenn die Wohnungen heuer etwas billiger werden sollten – wer soll sich das leisten können? Wie Hohn hört sich da die Idee von Kanzler Nehammer an, 2030 solle Österreich wieder ein Land der Eigentümerinnen und Eigentümer sein. Wie soll das funktionieren?
Jene Neubauwohnungen, die jetzt auf den Markt kommen, wurden um teures Geld gekauft und gebaut. Da geht es sich auch für die Projektentwickler nicht aus, die Preise drastisch zu senken. Wahrscheinlich werden einige davon als Mietwohnungen vorübergehend am Markt landen. Aber sicher nicht zu erschwinglichen Konditionen, die es jedoch dringend benötigen würde.
 Die Rallye scheint zu Ende. Eine Talfahrt nicht in Sicht. Die Politik trägt ihren Teil dazu bei. Die Mietpreisbremse ist gescheitert. Gewinnbringende Umwidmungen nur dann zu genehmigen, wenn auch ein Anteil an leistbarem Wohnraum entsteht, ist noch immer nicht oberste Prämisse. Sonstige Ideen, den freien Markt einzubremsen, sind gescheitert oder nicht vorhanden. So bleibt die Politik Passagier in einem fehlgeleiteten Markt.  

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