• 23.10.2022, 22:00:02
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 24. Oktober 2022. Von MAX ISCHIA. "Viel mehr als nur ein Marketing-Genie"

Innsbruck (OTS) - 

Dietrich Mateschitz schuf ein Firmen-Imperium von Weltruf und veränderte die Sportwelt nachhaltig. So zielsicher der am Samstag im 79. Lebensjahr verstorbene Weltbürger nach den Sternen griff, so verwurzelt blieb er in seiner Heimat.

Welches Projekt das Denken und Wirken von Dietrich Mateschitz am besten beschreibt, lässt sich nicht schlüssig klären. Das „Red Bull Stratos“ vielleicht? Zehn Jahre ist es her, als Felix Baumgartner einen Fallschirmsprung aus der Stratosphäre wagte. Und – gefühlt – die halbe Welt live vor den TV-Apparaten und Computerbildschirmen saß. Verrückt? Mag sein – und damit ganz nach dem Geschmack des Multimilliardärs. In einem seiner raren Interviews sprach der am Samstag im 79. Lebensjahr einem Krebsleiden erlegene Visionär und Macher von der „Verrücktheit in einer ihrer unheimlich vielen Facetten, die zu einem erfüllten Leben gehören“. Mateschitz meinte damit auch eine gewisse Leichtigkeit. Ein Mindestmaß an Nonkonformismus. Und das Streben nach dem Unerwarteten.
Der gebürtige Steirer schuf aus einer vermeintlich Flügel verleihenden Mixtur einen Weltkonzern mit über 13.000 Mitarbeitern in 172 Ländern. Mehr noch: Der innovative Konzernchef, der 30 Prozent des Umsatzes Jahr für Jahr ins Marketing reinvestierte, kreierte seine eigene Welt. Die Welt von Red Bull. Ein medialisierter Hochglanzplanet mit reichlich Action. Dass so manches adrenalingetränkte Abenteuer für die Protagonisten verhängnisvoll, zuweilen auch tödlich endete, vermochte am silbernen Dosenphänomen nicht wirklich zu kratzen. An der Person Mateschitz schon gar nicht.
So sehr der Vater eines erwachsenen Sohnes (Mark Mateschitz, 29 Jahre) nach den Sternen griff, so sehr war der Weltbürger in seiner Heimat verwurzelt. Um TV-Kameras machte er stets einen Bogen und wenn der Jeansträger einmal in der Öffentlichkeit auftrat, dann zumeist bei sportlichen Anlässen wie dem Formel-1-Grand-Prix in Spielberg oder ausgewählten Fußball- und Eishockeymatches seiner Bullen. Er tat dies wie ein Normalo, ohne Tamtam und ohne Bodyguards.
In einer Welt, die sich gerne selbst überholt, stand Mateschitz für Konstanz. Viele seiner Sponsorschaften haben bis heute Bestand. Der Parademanager war ein Anhänger des Humanismus. Und erinnerte dabei an einen seiner ersten gesponserten Athleten, den Tiroler Freeclimber Stefan Fürst. „Wenn es ihm nicht gut gegangen ist, hat er sich einfach allein in den Wald gesetzt.“ So oder so ähnlich hatte er sich auch seinen Lebensabend vorgestellt: „Ich sitze am Steuer eines kleinen Pick-ups, mein Spitzname ist Husqvarna, hinten die Motorsäge und das Benzin. So fahr’ ich in den Wald und schneid’ herum, tu pflanzen und Bacherln regulieren.“ Was brauchte einer mehr, der – monetär betrachtet – alles hatte?

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