• 18.10.2022, 13:41:26
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LH Mikl-Leitner: Aufbruch in die Energieunabhängigkeit

Land NÖ setzt fünf konkrete Maßnahmen für günstigere Preise, für mehr Sicherheit und für das Klima

Utl.: Land NÖ setzt fünf konkrete Maßnahmen für günstigere Preise,
für mehr Sicherheit und für das Klima =

St.Pölten (OTS) - „Wir alle spüren es: die Welt ist im Umbruch“,
sagte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner heute, Dienstag, im Zuge
einer Pressekonferenz im NÖ Landhaus, bei der „Niederösterreichs Weg
in die Energieunabhängigkeit“ präsentiert wurde: „Wenn die Welt im
Umbruch ist, heißt es für uns in Niederösterreich: Aufbruch in die
Energieunabhängigkeit." Gemeinsam mit LH-Stellvertreter Stephan
Pernkopf, dem Geschäftsführer des Economica-Instituts Christian
Helmenstein sowie dem Geschäftsführer der Österreichischen
Energieagentur Franz Angerer stellte die Landeshauptfrau dabei
weitere Maßnahmen Niederösterreichs vor, mit denen der Weg in die
Energieunabhängigkeit fortgesetzt werden soll.

Zunächst nannte Mikl-Leitner drei konkrete Gründe für diesen Weg:
„Zum Ersten wollen wir die Bürgerinnen und Bürger entlasten. Wir
haben dafür schon ganz konkrete Maßnahmen gesetzt wie etwa den
Strompreisrabatt. Wichtig ist aber auch, die Bürgerinnen und Bürger
langfristig zu entlasten.“ Zum Zweiten wolle man in einer Zeit mit
Anschlägen auf Pipelines oder drohenden Blackouts auch „für mehr
Sicherheit bei der Versorgung“ sorgen, durch weniger Abhängigkeit von
ausländischen Lieferungen und weniger Anfälligkeit für europäische
Netzschwankungen. Der dritte Grund sei der Umwelt- und Klimaschutz,
so die Landeshauptfrau: „Niederösterreich ist Vorreiter bei der
nachhaltigen Stromerzeugung. Die Hälfte des gesamten österreichischen
Windstromes kommt aus Niederösterreich und ein Viertel des gesamten
österreichischen Photovoltaikstromes.“ Und diesen Ausbau wolle man
nun beschleunigen, betonte sie: „Wir wollen für Niederösterreich das
größte und schnellste Ausbauprogramm für Wasser, Wind, Sonne und
Biomasse von ganz Österreich.“

Aus diesen Gründen präsentiere man heute fünf konkrete Maßnahmen „für
günstigere Preise, für mehr Sicherheit und für das Klima“ fuhr
Mikl-Leitner fort. So wolle man erstens die Windkraft ausbauen, bis
2035 soll diese um 200 Prozent gesteigert werden: „Wir werden
bestehende Anlagen modernisieren und auch 250 neue Windräder bauen.“
Zweitens soll die Photovoltaik bis 2025 um 350 Prozent gesteigert
werden, das bedeute rund 130.000 zusätzliche PV-Anlagen in
Niederösterreich. Drittens werde man in die Klein-Wasserkraftwerke
investieren. Hier werde es aber keine neuen Wasserkraftwerke geben,
sondern es soll die Effizienz der bestehenden erhöht werden.
„Viertens werden wir in Biomasse investieren“, so die Landeshauptfrau
weiter: „Bis 2030 werden weitere 200 Anlagen errichtet.“ Fünfter
Punkt seien neue, stärkere Leitungen: „Wir wollen auch weiterhin die
Leitungskapazität und somit in die Netzsicherheit investieren.“
Insgesamt sollen zu den derzeit 92 Umspannwerken der EVN 40 weitere
hinzukommen: „Wir haben eines der sichersten Netze der Welt und wir
machen dieses Netz noch sicherer.“

„Die Energiewende findet in unserem Land tagtäglich statt“, zeigte
sich LH-Stellvertreter Pernkopf überzeugt. „Heute macht sich bezahlt,
dass wir diesen Weg schon immer konsequent gegangen sind, um die
Menschen zu entlasten, das Klima zu schützen und die Wirtschaft zu
stützen“, so Pernkopf, der anschließend die Ausbaupläne des Landes im
Detail erläuterte.

So wolle man etwa die Windenergie bis 2030 verdoppeln und bis 2035
verdreifachen. Erreichen wolle man dies durch Abrundungen und
Arrondierungen der bestehenden Windzonen, wodurch Platz für
mindestens 100 zusätzliche Windräder bei heute schon bestehenden
Windparks geschaffen werde. Es werde aber auch neue Flächen für rund
150 weitere Windräder geben, diese wolle man mit Experten und im
Einklang mit Ökologie, Region und den heute schon geltenden
Abstandsregelungen zu Wohngebieten festlegen. Besonders verwies er
auch auf das so genannte Re-Powering, hierbei werden bestehende
Windräder durch neue, effizientere ersetzt: „Alleine damit werden wir
300 bis 400 MW mehr Windstrom erzeugen, ohne dass dafür neue
Windräder gebraucht werden.“

Bei der Sonnenkraft habe man das bisherige Ziel von 2000
Gigawatt-Stunden auf 3.000 erhöht. Bereits heute habe man 70.000
PV-Anlagen im Land, das entspreche einer Steigerung von 22 Prozent im
Vergleich zum Vorjahr. Bei der Wasserkraft gebe es Potential durch
Effizienzsteigerungen, verwies Pernkopf etwa auf die Modernisierung
des Donaukraftwerks Ybbs-Persenbeug, die zusätzlichen Strom für
77.000 Haushalte brachte. Zum Thema Biomasse berichtete er von
derzeit 813 Anlagen in Niederösterreich: „Diese Anlagen ersparen uns
pro Jahr 20.000 Tanklastzüge an Heizöl.“ Alleine heuer werde man zehn
neue Heizwerke errichten, bis 2030 wolle man 1.000 Biomasseanlagen in
Betrieb haben. Zum Thema Stromnetz meinte er: „Wir bekennen uns ganz
klar dazu, dass wir Leitungen bauen müssen. Denn das Thema
Energiewende ist vom Umweltthema auch zum Sicherheitsthema geworden."

Der Wirtschaftsforscher Christian Helmenstein informierte über das
Thema Windkraft und verwies auf die Bedeutung des Re-Powering: „Alle
vier Jahre sind wir doppelt so leistungsfähig in der Windkraft als
vier Jahre früher.“ Aus dem Betrieb der niederösterreichischen
Windkraftanlagen entstehe pro Jahr eine Wertschöpfung von 496
Millionen Euro, etwa 91 Prozent davon ließen sich Niederösterreich
zuordnen. Darüber hinaus würden aus der Windkraft in Niederösterreich
„über 1.000 zusätzliche Jobs“ entstehen. Den fiskalischen Effekt
beziffert er mit 280 Millionen Euro an zusätzlichen Steuer- und
Abgabeneinnahmen. Aus den Investitionen in die niederösterreichischen
Windkraftanlagen seien 1,4 Milliarden Euro an Wertschöpfung
entstanden: „Die Investitionstätigkeit alleine schafft 2.000
Arbeitsplätze, die zum laufenden Betrieb noch dazukommen.“

Franz Angerer, der Geschäftsführer der Österreichischen
Energie-Agentur, sprach von einem „Abhängigkeitsproblem“ von
Energie-Importen. Der Ausbau der Erneuerbaren Energie sei zwar
erfolgreich, aber auch der Verbrauch habe sich erhöht: „Da
Energiesystem ist nur global zu sehen. Probleme können nur europäisch
gelöst werden, aber wir brauchen auch nationale Aktivitäten und
Aktivitäten in den Bundesländern.“ Es gebe ein „Zusammenspiel von
internationalen Notwendigkeiten und nationalen und regionalen
Engagements“, so Angerer, der dazu aufrief, „mutig in die Zukunft zu
schauen und mit Optimismus in die Zukunft zu blicken“. Als Beispiel
nannte er den NÖ Energiefahrplan 2030 aus dem Jahr 2011: „Die damals
festgesetzten Ziele erschienen irrsinnig hoch. Aber die Ziele für
2015 und 2020 wurden alle erreicht.“

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