• 04.10.2022, 11:10:32
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Neue „Menschen & Mächte“-Doku „Engelbert Dollfuß – Diktator im Kanzleramt“ am 5. Oktober um 22.30 Uhr in ORF 2

Danach: „Trauma, Träume & Tragödien – Ein Friedensvertrag und seine Folgen“

Utl.: Danach: „Trauma, Träume & Tragödien – Ein Friedensvertrag und
seine Folgen“ =

Wien (OTS) - Österreich im September 1933: Bundeskanzler Engelbert
Dollfuß hat das Parlament mit Polizeistaatsmethoden ausgeschaltet.
Nach einem Staatsstreich auf Raten agiert der Politiker wie ein
Diktator. Am Wiener Trabrennplatz ruft er seinen Anhängern zu, dass
er einen „Ständestaat“ errichten wird – einen Staat ohne Parteien.
Teile der österreichischen Bevölkerung sind damals demokratiemüde,
krisengeschüttelt und diktaturanfällig. Der ehemalige
Bauernfunktionär aus Niederösterreich entpuppt sich als
Glaubenskämpfer, der nicht nur extrem polarisiert, sondern die
demokratischen Strukturen des Landes zerstört. Mit Notverordnungen
beseitigt er die Pressefreiheit, das Demonstrationsrecht und andere
Bürgerrechte. Dann schlägt Dollfuß den sozialdemokratischen Aufstand
im Februar 1934 blutig nieder, bevor er drei Monate später zum
Totengräber der Ersten Republik wird. Sein Geburtstag jährt sich am
4. Oktober 2022 zum 130. Mal.

Die versuchte Realisierung seiner berufsständischen Staatsideale
überlebt der Kanzler aber nicht lang. Denn Dollfuß hat sich mit dem
italienischen Diktator Mussolini gegen Adolf Hitler verbündet und die
NSDAP in Österreich verboten. Diese Haltung bezahlt er mit seinem
Leben. Am 25. Juli 1934 wird er im Bundeskanzleramt am Wiener
Ballhausplatz bei einem braunen Putschversuch getötet. Der tote
Austro-Diktator wird in den Jahren bis zum Einmarsch der deutschen
Wehrmacht im März 1938 zu einem Mythos – weil er das prominenteste
Opfer von Hitlers kompromisslosem Führungsanspruch bei der
Durchsetzung des „wahren Deutschtums“ geworden war.

In der neuen „Menschen & Mächte“-Dokumentation „Engelbert Dollfuß –
Diktator im Kanzleramt“ von Georg Ransmayr werden am Mittwoch, dem 5.
Oktober, um 22.30 Uhr in ORF 2 die damaligen Ereignisse auch durch
historische Spielszenen nachgezeichnet. Neu aufgerollt wird der bis
heute nicht restlos geklärte Juli-Putschversuch, bei dem mehrere
Minister der Dollfuß-Regierung als Verschwörer oder Mitwisser eine
Rolle gespielt haben. Wenig bekannt ist auch, dass Dollfuß während
seiner Amtszeit mehrfach Geheimverhandlungen mit den Nazis führte und
bereits im Oktober 1933 einen Anschlag durch einen Nazi-Einzeltäter
überlebt hat.

Der Film beschäftigt sich aber nicht nur mit der kontroversiellen
Laufbahn des christlich-sozialen „Heldenkanzlers“, sondern auch mit
dem bizarren Politkult nach seinem Tod. Dollfuß wurde als Märtyrer
hochstilisiert, der sich für die österreichische Eigenstaatlichkeit
geopfert hätte. Nach 1945 erlebte der Dollfuß-Mythos eine
vielschichtige Metamorphose. Die sozialistische Partei verteufelte
ihn als „Arbeitermörder“. Die Volkspartei sah ihn ihm überwiegend den
ermordeten Kanzler, der Österreichs Freiheit retten wollte. Der
Diskurs über Bedeutung und Wirken von Engelbert Dollfuß entzweite
jedenfalls die beiden Großparteien jahrzehntelang. Das
Kanzler-Gemälde im ÖVP-Parlamentsklub wurde zum ewigen Zankapfel
zwischen Rot und Schwarz.

Und jetzt im Jahr 2022: Das vorübergehend geschlossene Dollfuß-Museum
in Texing ist nach wie vor ein Politikum. Dass Engelbert Dollfuß ein
Diktator war, wird von keinem namhaften Experten angezweifelt. Ob er
hingegen auch ein „Austrofaschist“ war, ist weiter höchst umstritten
– Engelbert Dollfuß polarisiert eben noch immer.

„Schandvertrag“, „Siegerdiktat“, „Knebelpapier“ – das waren noch die
höflichen Prädikate für den Friedensvertrag von Saint-Germain nach
dem verlorenen Ersten Weltkrieg – um 23.25 Uhr geht Andreas Novak in
seiner „Menschen & Mächte“-Dokumentation „Trauma, Träume & Tragödien“
der Frage nach, welche Auswirkungen und Folgen dieser Vertrag auf die
politische Entwicklung der Ersten Republik hatte.

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