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„Mahatma Gandhi – Kampf ohne Gewalt“: „Universum History“ präsentiert „Ikonen des Friedens“

Am 12. August um 22.35 Uhr in ORF 2; danach: „Der Stern von Indien“ zum 75. Jahrestag der Unabhängigkeit Indiens; „Gandhi“ am 14. August, ORF-III-„zeit.geschichte“-Dokus am 20. August

Wien (OTS) - Der Krieg ist so alt wie Europa – und jetzt tobt er wieder hier am Kontinent. Der aggressive Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine zerstörte die Illusion des friedlichen europäischen Miteinander. Ungehemmt drehen sich Aufrüstung und Gewaltspirale nach oben – militärisch wie verbal. Wer für Abrüstung, Verhandlungen oder gegen Waffenlieferungen ist, gilt plötzlich als naiv und verantwortungslos. Doch was heißt das in der Bewertung des Schaffens und Wirkens der gewaltfreien Kämpfer und Kämpferinnen der Geschichte, die zivilen Ungehorsam und Widerstand, Verhandlungen und Kompromisse als ihre Waffen wählten?

„Universum History“ präsentiert seit 5. August 2022 jeweils Freitag um 22.35 Uhr in ORF 2 in der vierteiligen Serie „Ikonen des Friedens“ zwei Frauen und Männer, die sich dezidiert für Gewaltfreiheit aussprachen: Bertha von Suttner („Bertha von Suttner – Die Waffen nieder!“, 5. August), die österreichische Friedensnobelpreisträgerin, Pionierin der internationalen Friedensbewegung. Mahatma Gandhi („Mahatma Gandhi – Kampf ohne Gewalt“, 12. August), der mit den Prinzipien „Gewaltlosigkeit“ und „ziviler Ungehorsam“ die Unabhängigkeitsbewegung in Indien geprägt hat. Martin Luther King („Martin Luther King – I have a dream“, 19. August), der Pastor und Bürgerrechtsaktivist, der erfolgreich mit gewaltfreien Methoden das Ende der Rassentrennung und Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung in den USA erzwang. Und Betty Williams („Betty Williams – Nordirlands Friedensfrauen“, 26. August), die in Nordirland die Frauen der verfeindeten Bürgerkriegsparteien in der Bewegung „Peace People“ vereinte und mit landesweiten Protestmärschen für eine Beilegung der kriegerischen Auseinandersetzung protestierte. Suttner, Martin Luther King und Betty Williams erhielten den Friedensnobelpreis, Gandhi gilt bis heute als Ikone der Gewaltfreiheit. Alles umsonst?

Ikonen des Friedens, Teil 2: „Mahatma Gandhi – Kampf ohne Gewalt“ – 12. August, 22.35 Uhr, ORF 2

„Universum History“ beleuchtet in der neuen Dokumentation „Mahatma Gandhi – Kampf ohne Gewalt“ von Mathilde Damoisel und Mira Kamdar (ORF-Bearbeitung: Andrea Lehner) am Freitag, dem 12. August, um 22.35 Uhr in ORF 2 das Paradoxe des Gandhi-Mythos und das Leben und Wirken der Friedensikone so umfassend wie kein Fernsehporträt zuvor – von den Anfängen seines gesellschaftlichen Engagements als Jurist über seinen Wechsel in die Politik bis zu seiner prägenden Rolle im Kampf Indiens um die Unabhängigkeit. Archivaufnahmen von Gandhis Brief an Adolf Hitler und sein Treffen mit Mussolini zeigen, wie widersprüchlich und teilweise unberechenbar der populäre Volksheld mitunter agierte.

Er galt schon zu Lebzeiten als geistige und politische Ikone Indiens – Mahatma Gandhi. Mahatma ist die „Große Seele“, Gandhi, der „Vater der indischen Nation“. Er wurde seinem Namen mehr als gerecht. Seit seiner Ermordung 1948 wird Gandhi auch als Märtyrer verehrt. Weit über Indiens Grenzen hinaus verkörperte Gandhi Gewaltlosigkeit und die Hoffnung des indischen Volkes, sich ohne den Einsatz von Waffen aus der Kolonialherrschaft des britischen Empire befreien zu können.

Tatsächlich wurde Indiens Streben nach Unabhängigkeit von Gewaltexzessen begleitet. Mehr als zehn Millionen Menschen mussten fliehen oder wurden zwangsumgesiedelt, mehr als eine Million Menschen kam dabei ums Leben. Am Ende wurde der indische Subkontinent 1947 zwischen Hindus und Moslems aufgeteilt – in die beiden unabhängigen Staaten Indien und Pakistan, zu dem bis 1971 auch Ostpakistan – das heutige Bangladesch – gehörte. Bis heute sind die Wunden und Traumata in vielen Bereichen der indischen und pakistanischen Bevölkerung nicht verheilt, bis heute streiten beide Länder – und das in den Konflikt hineingezogene China – um Kaschmir, das weder an Pakistan noch an Indien angeschlossen werden wollte. Auch Gandhi betrachtete die Teilung als sein großes persönliches Versagen.

Mit seiner unglaublich effizienten politischen Strategie versammelte Gandhi das Volk hinter sich und führte die Bewegung zu einer damals neuen Form des Massenprotestes. Jedes Mal stand er an vorderster Front, unzählige Male landete er im Gefängnis. Tausende Anhänger bekamen bei den von ihm organisierten Märschen und Demonstrationen die Brutalität der britischen Besatzer zu spüren. Doch die geballte Macht des Empire konnte weder ihn noch seine Gefolgsleute aufhalten. Gandhis Einsatz für die sogenannten Unberührbaren, die kastenlose, entrechtete Bevölkerung Indiens, täuscht darüber hinweg, dass er – Anwalt aus der indischen Oberschicht – das Kastensystem an sich nie in Frage stellte. Die mehr als 500 Maharadschas, Sultane und anderen mächtigen Herrscher durften selbst entscheiden, welchem Staat sie sich anschließen wollten, die ehemaligen Kastenlosen wurden zu Parias – und sind es heute noch. Unzählige Friedensaktivisten sind in Gandhis Fußstapfen getreten. Als Orientierung diente vor allem sein Prinzip der strikten Gewaltlosigkeit. Kaum jemand interessierte sich für die weniger bekannten Seiten seiner Persönlichkeit, die verschiedenen Einflüsse auf sein Handeln, die Beziehung zu seiner Ehefrau oder seine kontroverse Haltung zur Rassenproblematik. Dass der glühende Verfechter einer pazifistischen Lebenseinstellung den faschistischen Diktator Mussolini besuchte, wurde und wird ebenso ausgeblendet wie die Tatsache, dass zahlreiche der von ihm organisierten friedlichen Massenproteste gegen die britische Besatzungsmacht von unglaublichen Gewaltausbrüchen begleitet waren.

Von Beginn an setzte Gandhi auf die Macht von Symbolen – schrittweise verwandelte sich der Anwalt in die in weiße Tücher gehüllte Gestalt, als die er weltbekannt wurde. Enthaltsamkeit und Askese beherrschten jahrzehntelang sein Leben. Bereits sein erstes großes politisches Engagement geriet zu einem Massenevent. 1922 forderte er den Boykott britischer Produkte, die nach Indien eingeführt wurden, und ermutigte seine Landsleute, nur noch Khadi, Kleidung aus selbstgesponnener indischer Baumwolle, zu tragen. Das hölzerne Spinnrad, mit dem er durch abgelegene Dörfer tourte, wurde zu einem Symbol der Selbstbestimmung und ziert heute die indische Flagge. Der damit hergestellte weiße Stoff wurde zur Uniform der Unabhängigkeitsbewegung.

Am Ende verselbstständigte sich die Legende von Mahatma, der „Großen Seele“, unabhängig von Gandhi und seiner Geschichte. Seine Zweideutigkeit in Bezug auf das indische Kastensystem und sein Fernhalten von politischen Bündnissen und Institutionen kosteten ihn schließlich das Leben. Am 30. Jänner 1948 wurde er, der mit vollem Namen Mohandas Karamchand Gandhi hieß, im Alter von 78 Jahren von einem ehemaligen Anhänger ermordet.

Zum 75. Jahrestag der Unabhängigkeit Indiens: „Der Stern von Indien“, „Gandhi“ und ORF-III-„zeit.geschichte“-Dokus

Zum 75. Jahrestag der Unabhängigkeit Indiens am 15. August 2022 folgt in ORF 2 um 23.20 Uhr das opulent ausgestattete berührende Historiendrama „Der Stern von Indien“ von Gurinder Chadha. Im Auftrag der britischen Krone sollen Hugh Bonneville (als Lord Louis Mountbatten, Onkel und Ziehvater von Prinz Philip) und Gillian Anderson (als Lady Edwina Mountbatten) als letzte Kolonialherrscher Indien den Weg in die Freiheit ebnen. Gegen eskalierende religiöse Konflikte und politische Interessen Großbritanniens erweist sich ihr diplomatisches Bemühen vergeblich. Für die indische Bevölkerung bedeutet die Abspaltung von Pakistan eine der größten humanitären Katastrophen der Geschichte. Am Sonntag, dem 14. August, steht um 9.05 Uhr „Gandhi“ – Richard Attenboroughs mit acht Oscars gekröntes Meisterwerk über Leben und Wirken des indischen Politikers mit Ben Kingsley in der Titelrolle – auf dem Programm von ORF 2, bevor die ORF-III-„zeitgeschichte“-Reihe am Samstag, dem 20. August, die Dokumentationen „Mahatma Gandhi – Mensch und Mythos“ (21.10 Uhr) und „Die letzten Tage einer Legende – Indira Gandhi“ (22.10 Uhr) zeigt.

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