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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 6. August 2022. Von CHRISTIAN JENTSCH. "Deeskalation als Gebot der Stunde".

Innsbruck (OTS) - Überall auf der Welt wird eifrig an der Eskalationsschraube gedreht. In Europa tobt ein brutaler Angriffskrieg, in der Taiwan-Krise stehen sich zwei Supermächte gegenüber. Es braucht Strategien zur Deeskalation.

Angesichts der Kriege und der zu eskalieren drohenden Konflikte vom russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine über die Taiwan-Krise, bei der sich mit China und den USA zwei Supermächte gegenüberstehen, bis hin zum Atomkonflikt mit dem Iran kann man es schon mit der Angst zu tun bekommen. Wenn man sich darüber hinaus die Folgen der Klimakrise vor Augen führt, scheint die Katastrophe vorprogrammiert. Die Hoffnung heißt Vernunft. Zu hoffen ist, dass das Kalkül der Kriegsherren, das Kalkül der Zündler, der Kalten und Heißen Krieger, der Aufwiegler und Aufpeitscher nicht aufgeht. Mit Putins Krieg in der Ukraine ist auch in Europa, das in den vergangenen Jahrzehnten ein Hort der Stabilität und des Wohlstands war, die Angst und die Unsicherheit zurückgekehrt. Und keiner weiß, wie viel Blut in der Ukraine noch fließen muss, um den Krieg zu beenden. Gewinner wird es keine geben. Russland ruiniert sich wirtschaftlich und moralisch, die Ukraine wurde und wird in den Kriegsgebieten in Schutt und Asche gebombt und auch Europa treffen die Schockwellen in Form von Energiekrise und aus dem Ruder laufender Teuerung hart.
Mit der neuen Konfrontation sind die Geister aus der Vergangenheit zurückgekehrt. Der Krieg hat Europa in längst überwunden geglaubte Zeiten zurückgeworfen. Eine neue Rüstungs­spirale wurde in Gang gesetzt, die Mauern des Misstrauens wachsen in den Himmel. Doch nicht nur Europa lebt im Schatten der Angst. Tausende Kilometer weit entfernt könnten die gefährlichen Muskelspiele um Taiwan eine globale Katastrophe auslösen. Schließlich stehen sich die beiden wirtschaftlichen und militärischen Supermächte China und USA gegenüber. Die Folgen einer Konfrontation der beiden Giganten will sich niemand ausmalen, hoffentlich auch in Peking und Washington nicht. Auch im Nahen Osten ist die Kriegsangst noch längst nicht verflogen. Wenn das Atomabkommen mit dem Iran nicht doch noch in letzter Minute gerettet werden kann, könnte auch hier ein neuer Krieg drohen.
Es brennt an vielen Schauplätzen auf der Weltbühne. Und es wird weiter eifrig an der Eskalationsschraube gedreht. Ein gefährliches Spiel, das schnell außer Kontrolle geraten kann.
Deeskalation ist deshalb das Gebot der Stunde. Besonnenheit ist gefragt. Politiker, die uns mit ihren rhetorischen Kraftakten noch weiter in eine Konfrontation hineinmanövrieren, setzen unsere Zukunft aufs Spiel.

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