- 24.02.2022, 09:40:02
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Ärztekammer fordert Medikamentenabgabe in Ordinationen
Damit könnten unnötige Wege kranker Menschen sowie vermeidbare Ansteckungen vermieden werden - Diagnose, Beratung und Diskretion sind nur in Ordinationen garantiert
Utl.: Damit könnten unnötige Wege kranker Menschen sowie vermeidbare
Ansteckungen vermieden werden - Diagnose, Beratung und
Diskretion sind nur in Ordinationen garantiert =
Wien (OTS) - Die Ärztekammer sieht einen dringenden Bedarf für eine
Verbesserung und Modernisierung der Medikamentenversorgung in
Österreich. „Für die beste, schnellstmögliche, diskrete, sichere und
nahe Versorgung unserer Patientinnen und Patienten mit den für ihre
Gesundheit nötigen Medikamenten fordern wir daher die direkte Abgabe
von Medikamenten durch Ärztinnen und Ärzte in Österreich“, betonte
Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen und Wiener
Ärztekammer sowie Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte, heute,
Donnerstag, anlässlich der Präsentation der demnächst anlaufenden
Informationskampagne „Medikamentenabgabe in Ordinationen“. ****
Die Ärztekammer will damit eine zusätzliche Schiene für die
Arzneimittelversorgung der österreichischen Bevölkerung legen. Alle
niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte – egal, ob mit oder ohne
Kassenvertrag – sollen das gesetzlich verbriefte Recht, das
sogenannte Dispensierrecht, zur direkten Abgabe apotheken- und
verschreibungspflichtiger Arzneimittel in ihren Ordinationen
erhalten. „Wir sehen das als sinnvolle Ergänzung und nicht als
Konkurrenz zu den öffentlichen Apotheken“, so Steinhart.
Ein zentrales Argument für das Dispensierrecht für Ordinationen
ist, dass es zu einer besonders patientenfreundlichen Abgabeform
führt. Kranken Menschen und ihren Angehörigen werden damit oft lange
Wege bis zur nächsten diensthabenden Apotheke erspart. „Die direkte
Abgabe von Medikamenten in Ordinationen wäre ein Vorteil vor allem,
aber nicht nur, für immobile Menschen, chronisch Kranke oder Eltern
mit kleinen Kindern“, sagte Naghme Kamaleyan-Schmied, Obfrau der
Sektion Allgemeinmedizin der Ärztekammer für Wien und niedergelassene
Kassenärztin in Wien, bei der heutigen Startpressekonferenz zur
Kampagne. Das erspare unnötige Wege und schütze andere Menschen vor
Ansteckung. Auch angesichts der demografischen Entwicklung und einer
steigenden Zahl älterer Patientinnen und Patienten gewinne die
direkte Medikamentenabgabe beim Arzt- oder Hausbesuch an Bedeutung.
Speziell im städtischen Bereich ist es für kranke, ältere oder
immobile Menschen oft eine fast unüberwindbare Herausforderung, nach
dem Ordinationsbesuch noch einmal in die Straßenbahn, den Bus oder
die U-Bahn zu steigen, um etliche Straßenzüge weit entfernt eine
Apotheke zu finden. „Aber auch wenn eine Apotheke vielleicht nur
wenige Gassen entfernt von der Ordination liegt, ist der Weg dorthin
für Menschen, die sich zum Beispiel nur mehr mit einem Rollator oder
anderen Gehilfen fortbewegen können, eine kaum mehr bewältigbare
Belastung“, betont Kamaleyan-Schmied, die auch darauf hinweist, dass
im ländlichen Bereich unnötige Fahrten mit dem Pkw wegfielen – „ein
Argument, dass gerade in Zeiten der Diskussion um Klimaerwärmung eine
zunehmende Rolle spielt“.
Die Medikamentenversorgung durch Ärztinnen und Ärzte ist eine
Realisierung des Konzepts „Best Point of Service“, denn, so
Steinhart: „Nicht nur Aufklärung, Information und Beratung über die
medikamentöse Therapie, sondern auch die Abgabe erfolgt dann aus
einer kompetenten Hand.“ Dies liege nicht nur im Interesse des
Patientenkomforts, sondern könne auch die Therapietreue durch die
Stärkung der Arzt-Patienten-Beziehung wesentlich unterstützen. Für
die beste Patientensicherheit sei es daher optimal, wenn Patientinnen
und Patienten ihre Medikamente direkt in der Ordination erhielten.
Zudem könnten dadurch, etwa bei Grippewellen, unnötige Infektionen
vermieden werden, und es sei ein wesentlicher Beitrag dafür, bei
einer möglichen weiteren COVID-19-Welle die Infektionskurve flacher
zu halten.
Diskretionsbedürfnis wird Rechnung getragen
Aus ihrem Ordinationsalltag berichtet Kamaleyan-Schmied, dass
viele Patientinnen und Patienten Medikamentenverschreibungen bei für
sie als tabuisiert erlebte Krankheiten in weit entfernten Apotheken
einlösen, um nicht vom Apothekenpersonal oder anderen Kunden erkannt
zu werden: „Die Medikamentenabgabe durch verschreibende Ärztinnen und
Ärzte würde diesem Diskretionsbedürfnis entsprechen, da Ärztinnen und
Ärzte mit ihren Patientinnen und Patienten allein im
Behandlungszimmer sind und intime Details dort ohne Zuhörer an- und
besprochen werden können.“
In der Apotheke hören viele Ohren mit. „Nur Hausärztinnen und
Hausärzte bürgen für absolute Diskretion. Ich persönlich möchte
nicht, dass die Menschen in der Apotheke in der Schlange hinter mir
erfahren, welche Medikamente ich nehme oder welche Krankheit ich
habe. Daher fordern wir die direkte Medikamentenabgabe in
Ordinationen, wie sie auch in den meisten Staaten weltweit üblich
ist“, betont Kamaleyan-Schmied.
Die Forderung der Ärzteschaft wird auch von der Mehrheit der
Österreicherinnen und Österreicher unterstützt: Aktuellen Umfragen
zufolge wünschen sich mehr als zwei Drittel der Patientinnen und
Patienten, dass sie ihre Medikamente direkt in der Ordination
beziehen können. (bs)
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