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Volkshilfe: Studie zeigt positive Effekte eines höheren Arbeitslosengeldes

Volkshilfe Direktor Erich Fenninger fordert einmal mehr eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf 70% Nettoersatzrate

Wien (OTS) - Neue Studienergebnisse des Europäischen Zentrums für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung im Auftrag der AK Oberösterreich zeigen die positiven Effekte eines höheren Arbeitslosengeldes. Eine dauerhafte Erhöhung der Nettoersatzrate auf 70% anstatt der derzeitigen 55% würde tausende neue Jobs schaffen, den Konsum anregen und vor allem: Armut bekämpfen!

Niedriges Arbeitslosengeld erzeugt Armut
Das derzeitige System der Arbeitslosenversicherung produziert dauerhafte Armut anstatt sie zu bekämpfen. Der Blick auf die nationale Armutsstatistik lässt daran keinen Zweifel: das durchschnittliche Arbeitslosengeld von Männern liegt bei 990 und von Frauen bei nur 900 Euro, die Bezüge sind somit weit unter der Armutsgefährdungsschwelle von 1.328 Euro für einen Einpersonenhaushalt. Die Armutsgefährdung steigt dabei mit Dauer der Arbeitslosigkeit, neun von zehn Langzeitarbeitslosen leben an oder unter der Armutsgrenze.

Österreich zeichnet sich im EU-Vergleich durch ein besonders niedriges Arbeitslosengeld und durch einen sehr hohen Anteil an Langzeiterwerbslosen aus. Fast 40 Prozent der Erwerbslosen in Österreich sind bereits seit mehr als einem Jahr ohne Job, wohingegen beispielsweise in Skandinavien im Schnitt nur 12 bis 17 Prozent der Erwerbslosen langzeitarbeitslos sind. In Dänemark oder Schweden, also in Ländern, in denen das Arbeitslosengeld höher ist, finden etwa 20 bis 30 Prozent der Erwerbslosen nach weniger als einem Monat wieder einen Job. In Österreich ist das bei nicht einmal 10 Prozent der Fall. Ein höheres Arbeitslosengeld und die damit einhergehenden, positiven Effekte - wie weniger Existenzängste und mehr finanzielle Sicherheit - würden somit auch dazu beitragen, dass Menschen schneller wieder Arbeit finden.

Neue Studie zeigt positive Effekte
Die heute von der AK Oberösterreich präsentierte Studie zeigt deutlich: eine Erhöhung der Nettoersatzrate des Arbeitslosengeldes (ALG) von 55 auf 70 Prozent würde 80 Prozent der arbeitslosen Menschen zugutekommen. Haushalte mit Notstandshilfe-Bezug, sprich jene, in denen sich langzeiterwerbslose Personen befinden, würden mit monatlich 112 Euro mehr am meisten profitieren. Dieser Effekt ist angesichts der enorm hohen Langzeitarbeitslosigkeit von zentraler Bedeutung. Mit aktuell 110.333 Langzeitbeschäftigungslosen ist der Wert nach wie vor deutlich höher als vor der Pandemie. In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Langzeitarbeitslosigkeit um 13 Prozent gesteigert.

Von einer Erhöhung des Arbeitslosengeldes würde auch die Wirtschaft profitieren, da höhere Haushaltseinkommen auch zu mehr Konsum führen. Die Studie des Europäischen Zentrums für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung zeigt außerdem, dass durch ein höheres ALG bereits in 4 Jahren 10.000 neue Arbeitsplätze entstehen könnten.

Gegen ein degressives Modell des Arbeitslosengeldes

Ein mit Dauer der Arbeitslosigkeit geringer werdendes Arbeitslosengeld, wie von Arbeitsminister Kocher angedacht, wäre angesichts dieser Entwicklungen im Bereich der Langzeitarbeitslosigkeit äußerst kontraproduktiv, so Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger: „Anstatt schrittweise weniger zu bekommen, müssen Langzeiterwerbslose stärker unterstützt werden.“

Daher fordert die Volkshilfe erneut eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf 70% des letzten Bezugs. „Menschen können nicht von etwas mehr als der Hälfte ihres letzten Einkommens leben. Das ist auch im internationalen Vergleich sehr wenig. Daher muss es bei der anstehenden Reform zu deutlichen Verbesserungen kommen“, so Fenninger abschließend.

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Volkshilfe Österreich
Erwin Berger, MAS
Leiter Kommunikation Volkshilfe Österreich
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