IST Austria in Klosterneuburg war Austragungsort der dritten Zukunftsdiskussion zur Landesstrategie 2030

LH Mikl-Leitner: Zukunftsprozess, der „einzigartig ist in Österreich“

St. Pölten (OTS/NLK) - Das IST Austria in Klosterneuburg war am gestrigen Donnerstagabend Austragungsort einer weiteren „Zukunftsdiskussion“ zur Landesstrategie Niederösterreich 2030. Auch bei der dritten Veranstaltung dieser Reihe waren namhafte Expertinnen und Experten zu Gast. So konnte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner dieses Mal die ehemalige Vizepräsidentin der Europäischen Kommission Viviane Reding sowie den CEO von „Western Union“, Hikmet Ersek, begrüßen. Moderiert wurde auch dieser Abend von Steffi Burkhart und Gustav Dressler.

Im Kampf gegen die Pandemie seien viele Entscheidungen nur kurzfristig möglich, sagte Landeshauptfrau Mikl-Leitner eingangs:
„Das hat uns in Niederösterreich aber nicht davon abgebracht, auch langfristig zu denken und zu planen. Wir sind unseren Weg weitergegangen, den Weg zur neuen Landesstrategie 2030 unter dem Motto ,Mein Land denkt an morgen‘“. Dieser Zukunftsprozess sei „einzigartig in Österreich“ und „vor allem auch so gestaltet, wie wir das in Niederösterreich für gut, wichtig und richtig erachten: auf Basis wissenschaftlicher Grundlagen, unter Einbeziehung nationaler und internationaler Expertinnen und Experten, mit Einbindung aller Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher und im Miteinander aller politischen Parteien, die in der NÖ Landesregierung vertreten sind.“

Der Zukunftsprozess zur neuen Landesstrategie sei im Juni des Vorjahres gestartet worden und im Herbst dieses Jahres wolle man die Ergebnisse gemeinsam präsentieren, informierte Mikl-Leitner. Dabei gebe es fünf zentrale Fragestellungen: Wovon leben wir morgen? Wie leben wir morgen? Worauf achten wir morgen? Wer wollen wir morgen sein? Und wie organisieren wir uns morgen? „Diese fünf zentralen Fragestellungen werden derzeit sehr intensiv auf drei Ebenen, so genannten Zukunftsfeldern, beleuchtet, und jedes Zukunftsfeld wird von einem Experten betreut“, so die Landeshauptfrau: „Christoph Badelt leitet den Bereich Wissenschaft, Peter Filzmaier das Thema Bürgerbeteiligung und Steffi Burkhart den Bereich der ,opinion leader‘, wo es darum geht, internationale Gäste nach Niederösterreich zu holen, um von ihnen zu lernen.“ Mikl-Leitner verwies in diesem Zusammenhang auch auf die beiden vorangegangen Zukunftsdiskussionen mit dem ehemaligen deutschen Vizekanzler Sigmar Gabriel, der Moderatorin Nina Ruge, dem Schweizer Zukunftsforscher David Bosshart und der jungen Politikberaterin Diana Kinnert.

Man habe für die Zukunftsdiskussionen „besondere Orte ausgewählt“, erläuterte die Landeshauptfrau abschließend: „Zunächst der Flughafen Wien-Schwechat, eine wichtige Drehscheibe in die Welt, die für einen starken Wirtschaftsstandort steht. Dann Grafenegg als Kultur-Hotspot, wo Natur, Geschichte und Kultur zusammentreffen. Und heute sind wir hier am IST Austria in Klosterneuburg, das für Niederösterreich als Wissenschaftsstandort steht. Eine Einrichtung, die jung an Jahren ist, aber heute in einem Atemzug mit dem Weizmann-Institut genannt wird.“

Im Anschluss an das Statement der Landeshauptfrau führten die Moderatoren Steffi Burkhart und Gustav Dressler durch die Diskussion mit den beiden internationalen Gästen.

Western Union-CEO Hikmet Ersek blickte dabei auf seine Jugend und sein Studium in Wien zurück. Seine beruflichen Anfänge absolvierte er bei „Mastercard“, bald war er auch international aktiv. Dann ging er zu „General Electric“, damals „das Nummer 1-Unternehmen der Welt“, schließlich zu „Western Union“. Über den beruflichen Erfolg meinte er: „Es ist wichtig, authentisch zu sein. Ich habe meine Kunden geliebt, denn man lernt täglich von den Kunden“. „Der Trick“ sei, „Kundenbedürfnisse in Strategie umzusetzen“, so Ersek.

Als eine der größten Herausforderungen bezeichnete er die Tatsache, dass aktuell rund zwei Milliarden Menschen über kein Bankkonto und damit über kein Zahlungsverkehrsmittel verfügten. Sorgen mache er sich auch über den zunehmenden Populismus und Nationalismus in der Welt: „Ich habe in meinem Leben gelernt, Brücken zu bauen“. Weitere Themen des Gespräches mit Gustav Dressler waren die Migration und Integration sowie Umwelt und Steuergerechtigkeit.

Viviane Reding blickte zunächst auf ihre ganz besondere Verbindung mit Niederösterreich zurück und erinnerte an die damalige Diskussion um den damaligen NÖ Mobilfunkpakt. Reding selbst war es, die damals nach einem Gespräch mit Landeshauptmann Pröll das zuvor eingeleitete Vertragsverletzungsverfahren auf offener Bühne zeriss: „Diese Anekdote zeigt, wie wir als Niederösterreicher und Luxemburger Probleme lösen können.“

Ein besonderes Anliegen für Reding ist das Thema „Bürgerdialog“, wie sie betonte: „Das kann man nicht von oben nach unten machen, sondern nur von unten nach oben“. Die Menschen seien in ihrer Region, Kultur und Geschichte verwurzelt: „Das ist in Finnland völlig anders als etwa in Frankreich. Darum sind auch alle Bürgerdialoge verschieden. Aber ich habe gelernt, dass man die Menschen bei den kleinen, tagtäglichen Problemen anpacken muss, um von diesen ausgehend die Zusammenhänge erklären zu können.“ Mit diesen „Lösungen von unten“ käme auch das Vertrauen wieder zurück, so Reding.

Ergänzend zu den beiden internationalen Gästen vor Ort in Klosterneuburg wurde an diesem Abend auch ein Videostatement des ehemaligen UNO-Generalsekretärs, Ban Ki-Moon, eingespielt.

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