19. Wiener Gemeinderat (4)

Förderung zur Anhebung der Mindestanzahl der Betreuungsstunden von Assistent*innen in Kindergartengruppen für den Zeitraum von 2022 bis 2026

Wien (OTS) - GR Harald Zierfuß (ÖVP) sagte, dass der Kindergarten eine wesentliche Rolle in der Entwicklung junger Menschen inne habe. Gut sei in dem vorliegenden Akt, dass auch private Kindergärten von den 13 Millionen Euro Förderung profitieren würden. Zierfuß bemängelte aber, dass pro Kindergartenplatz nur 6.000 Euro an Förderung an private Kindergärten fließen würden, an städtische aber 13.500 Euro. Selbst der Stadtrechnungshof habe die Kosten-Leistungsrechnung der zuständigen Magistratsabteilung kritisiert. „Der Stadt muss jedes Kind gleich viel wert sein“, verlangte Zierfuß. Ein Problem im Kindergarten-Bereich sei, dass fertig ausgebildete Elementar-Pädagog*innen ihren Beruf gar nicht antreten würden, deshalb sollten die Gruppengrößen im Kindergarten deutlich gesenkt werden. Zierfuß brachte zum Thema Kindergärten mehrere Anträge ein.

GRin Mag.a Nicole Berger-Krotsch (SPÖ) kritisierte, dass die Wiener ÖVP durch Aussendungen an Medien im Vorfeld der heutigen Debatte „Eltern und Pädagog*innen verunsichert“ habe. Die Lektüre der ÖVP-Anträge habe sie amüsiert, sagte Berger-Krotsch, „und ich meine das nicht abwertend, aber es sind in den Anträgen Anliegen formuliert, die bei uns bereits auf der Agenda sind“. Im Wiener Regierungsprogramm sei vereinbart worden, dass der Elementarbereich sowohl in Qualität als auch in Quantität verbessert werden solle. Dazu sei die Verdoppelung der Betreuungsstunden von Assistent*innen in Kindergartengruppen ein wichtiger Schritt. Berger-Krotsch bedankte sich „aufrichtig und herzlich für die Arbeit der Elementar-Pädagog*innen, die die Held*innen unserer Kinder sind.“ Bildung sei immer ein erklärtes Ziel im „roten Wien“ gewesen, denn Bildung würde soziale Unterschiede ausgleichen und Chancen für die Menschen ermöglichen. Die Wiener Sozialdemokratie würde die Ungleichheiten in der Gesellschaft permanent bekämpfen, „denn das gesellschaftliche Fortkommen der Wienerinnen und Wiener ist uns genauso wichtig wie lebenslanges Lernen“. Wien begleite die Menschen auf diesem Weg, die Zukunft beginne im Kindergarten, schloss Berger-Krotsch.

GRin Mag.a Dolores Bakos, BA (NEOS) sagte, dass der elementar-pädagogische Bereich die größte Aufmerksamkeit in jeder Debatte verlange, da in diesem Bereich die Basis für den Weg junger Menschen gelegt werde. Wien biete im Vergleich mit anderen Bundesländern die wenigsten Schließtage von Kindergärten, das ermögliche in Wien die gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Herausforderungen und die Anliegen der Pädagog*innen würden durch die Stadt wahrgenommen werden. Nun werde mit der Aufstockung der Betreuungsstunden von Assistent*innen in Kindergartengruppen eine Entlastung und dadurch eine verbesserte Qualität in den Kindergärten vorgenommen. Abseits davon habe die Stadt weitere Maßnahmen gesetzt wie die Aufstockung der Sprach-Assistent*innen oder die Attraktivierung der Berufsausbildung von Elementar-Pädagog*innen durch ein monatliches Bildungsgeld.

GRin Mag.a Mag.a Julia Malle (GRÜNE) sagte, auch sie würde die Anhebung der Mindestanzahl der Betreuungsstunden von Assistent*innen in Kindergartengruppen begrüßen, doch das sei nur „ein Tröpfchen auf dem heißen Stein“. Mit dem Tag der Elementarbildung habe diese Woche begonnen, doch die Stadtregierung habe anstatt konkreter Unterstützungsschritte für die Kindergärten lediglich eine Fahne am Rathaus gehisst. Viele Punkte, die heute hier vorliegen würden, fänden ihre Zustimmung, doch der Punkt, dass es keine Corona-Teststrategie in den Kindergärten gebe, missfiel Malle. „Seit Beginn der Pandemie gibt es keine Sicherheit für die Elementar-Pädagog*innen, die in den Kindergartengruppen keinen Abstand zu rotzenden und hustenden Kindern einhalten können. Das ist ein Totalversagen der Stadtregierung“, sagte Malle. Die Stadt Wien warte auf eine bereits im Herbst angekündigte Studie zu den PCR-Lollipoptests und bliebe seither absolut untätig. Eine Lösung wäre es, dass die Eltern verpflichtend zu Hause ihre Kinder testen würden, „denn eine Freiwilligkeit funktioniert nicht, die Eltern vertrauen dieser Freiwilligkeit nicht und nehmen ihre Kinder aus Angst aus dem Kindergarten“, sagte Malle. Die Lösung könne aber nicht sein, dass gar nicht getestet werde. „Lassen Sie sich nicht zu viel Zeit mit der Schaffung eines validen Testsystems in den Kindergärten“, appellierte Malle in Richtung Wiener Stadtregierung.

GRin Silvia Janoch (ÖVP) sagte, im Kindergarten würde der Grundstein für ein bildungsreiches Leben gelegt werden. Ein Problem sei, dass das Bildungsgeschehen im Kindergarten nicht transparent dargestellt werde. Das Kindergarten-Klischee von Spielen und Ausflügen sei „schon lange nicht mehr aktuell und zeitgemäß“, sagte Janoch. Der Leidensdruck im Berufsfeld sei hoch, eine Reform absolut notwendig. „Dieser Job ist kein Beruf, sondern Berufung. Neben dem pädagogischen Wissen braucht es Herz und Gespür für die jungen Kinder, deshalb braucht es faire Arbeitsbedingungen für die Pädagoginnen und Pädagogen.“ Wichtig sei vor allem Zeit für die Kinder und für deren Eltern, daran mangle es den Pädagog*innen sehr stark. „Von unserer Gestaltung der elementar-pädagogischen Einrichtungen, hängt die Zukunft unserer Kinder ab“, formulierte Janoch. Sie äußerte wie ihre Vorrednerin Unverständnis darüber, dass es an Wiener Kindergärten keine verpflichtenden Corona-Tests gebe.

GR Mag. Marcus Gremel (SPÖ) sagte, es sei höchst an der Zeit den Betreuungsschlüssel zu verbessern, diesbezüglich sei der heutige Entschluss ein weiterer wichtiger Meilenstein. „Ein weiterer deshalb, weil die Einstiegsgehälter für Elementar-Pädagog*innen und die Anzahl der Sprachförderkräfte in den Kindergärten erhöht wurden sowie die Sicherung der privaten Träger durch die Zuschüsse erfolgt ist. Aber wir brauchen weitere Schritte“, sagte Gremel. Die kommenden Finanz-Verhandlungen mit der Bundesregierung seien dafür entscheidend, dass diese Schritte auch finanziert werden könnten. Die ÖVP habe in diesen Verhandlungen die Chance zu zeigen, „dass es nicht darum geht, ganze Bundesländer aufzuhetzen und den Ego-Trip eines Sebastian Kurz zu bedienen, sondern den Kindern und Familien eine substanzielle Verbesserung zu ermöglichen“. In Wien werde eine Milliarde Euro pro Jahr für die Kindergärten ausgegeben, es sei höchst an der Zeit, dass der Bund seine Mittel deutlich aufstocke, doch davon sei der Bund „weit entfernt“. Nur mit einem „fairen Beitrag“ aus den Bundesmitteln könne der Betreuungsschlüssel in den Wiener Kindergärten weiter verbessert werden. (Forts.) nic

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