Neues Kursmodul zu Antisemitismus in den ausgebauten Werte- und Orientierungskursen des ÖIF

Neues Modul zu Antisemitismus in Zusammenarbeit mit IKG als Teil der ausgebauten Werte- und Orientierungskurse für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte in Österreich

Wien (OTS) - Die Werte- und Orientierungskurse des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) wurden ab Jahresbeginn 2022 von bisher acht auf 24 Stunden ausgebaut. Wesentliches neues Element darin ist ein Sensibilisierungsmodul zum Thema Antisemitismus, welches unter Federführung der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) erarbeitet wurde.

Ziel: Sensibilisierung für unterschiedliche Formen des Antisemitismus

Die Thematisierung von Antisemitismus, des Holocaust die Auseinandersetzung mit seinen weitreichenden Folgen ist zentral für die Vermittlung österreichischer Geschichte und Gesellschaft. Ebenso ist in der täglichen Arbeit mit der Zielgruppe ersichtlich, dass es unter Zuwander/innen und Flüchtlingen oftmals ganz andere Perspektiven auf das Thema Antisemitismus gibt. Das legen auch Ergebnisse zweier verschiedener Studien nahe, wie etwa jene von der Donau-Universität Krems in Zusammenarbeit mit Dr. Peter Filzmaier (2017) oder auch von Dipl.-Soz. Kenan Güngör (2019): Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Werte- und Orientierungskurse bringen demnach teilweise antisemitisches Gedankengut mit und haben Vorbehalte gegenüber dem Staat Israel und Jüdinnen und Juden.

Daher zielt das Antisemitismus-Modul darauf ab, die Teilnehmenden noch während ihres Integrationsprozesses in die österreichische Gesellschaft dafür zu sensibilisieren, was Antisemitismus ist, in welcher Form er auftreten kann und wie man ihm entgegenwirken kann. Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer lernen, dass die Diskriminierung von Juden und Jüdinnen sowie die Leugnung, Verharmlosung und das Gutheißen nationalsozialistischer Verbrechen in Österreich gesetzlich verboten sind und geahndet werden. Wie man mit Zivilcourage entschieden gegen Antisemitismus auftritt, wird ebenfalls erarbeitet.

Umfassende Auseinandersetzung mit jüdischer Geschichte und Leben in Österreich

Die Inhalte des Moduls umfassen die Auseinandersetzung mit Jüdinnen und Juden in Österreich, der jüdischen Geschichte und des Lebens in Österreich sowie den unterschiedlichen Motiven und Formen des Antisemitismus. Umgesetzt werden die Inhalte in den von eigens durch die IKG geschulten Trainerinnen und Trainern des ÖIF, die bei Bedarf von Dolmetscherinnen und Dolmetschern begleitet werden.

Bundesministerin Susanne Raab: „Antisemitismus, egal aus welcher Richtung er kommt, hat in Österreich keinen Platz. Wir dürfen auf keinem Auge blind sein, denn wir müssen jede Form des Antisemitismus bekämpfen, egal ob von rechts, links oder neue Formen. Deshalb haben wir uns entschieden, dass es auch im Integrationsbereich eine Offensive gegen Antisemitismus braucht. Im neuen Modul Antisemitismus im Rahmen der ausgebauten und verpflichtenden Werte- und Orientierungskurse steht die Auseinandersetzung mit verschiedenen Formen von Antisemitismus, die Vermittlung der Geschichte jüdischen Lebens in Österreich sowie auch der Verantwortung Österreichs in Zusammenhang mit dem Holocaust im Mittelpunkt.“

Bundesministerin Karoline Edtstadler: „Als Republik Österreich haben wir eine besondere Verantwortung, gegen jede Art von Antisemitismus vorzugehen. Egal ob er von links, von rechts oder aus der Mitte kommt, egal ob er autochton oder importiert ist. Gerade die Ereignisse bei den Demonstrationen in den vergangenen Wochen zeigen: Der Kampf gegen Antisemitismus hat leider an Aktualität nichts verloren. Unsere Vision ist eine Gesellschaft frei von Antisemitismus und ein prosperierendes jüdisches Leben. Die Workshops des ÖIF leisten einen wichtigen Beitrag zur Präventionsarbeit. Mit dessen Umsetzung wird eine weitere Maßnahme der nationalen Strategie gegen Antisemitismus verwirklicht.“

Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien: „Es geht nicht nur um Antisemitismus selbst. Judentum gehört zu Österreich wie die Milch in die Melange. Dies gilt es, jedem und jeder einzelnen klarzumachen, egal ob er oder sie hier geboren ist oder erst seit Kurzem in Österreich lebt. Das Antisemitismus-Modul im Rahmen des Werte- und Orientierungskurses trägt dazu bei, und bietet darüber hinaus wichtige Instrumente gegen Antisemitismus. Ein essentielles Modul, das sicherlich auch so manchem aktuell Demonstrierendem guttun würde.“

Gesetzlicher Rahmen: Verpflichtende Teilnahme für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte

Im Integrationsgesetz (IntG 2017) ist der Besuch eines Werte- und Orientierungskurses für Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte ab dem vollendeten 15. Lebensjahr sowie für Drittstaatsangehörige und Asyl- und subsidiär Schutzberechtige, die Sozialhilfe beziehen, verpflichtend festgeschrieben. Auch für Asylwerber/innen mit hoher Anerkennungswahrscheinlichkeit stehen die Werte- und Orientierungskurse offen.

Seit Jahresbeginn: Ausbau der Werte-und Orientierungskurse auf drei Tage

Seit Anfang 2022 finden die Werte- und Orientierungskurse ausgebaut an drei Tagen statt. Dabei wurden die Informationen zum Deutscherwerb und zum Eintritt in den Arbeitsmarkt ausgebaut und neue Themenmodule zu ehrenamtlichem Engagement und Antisemitismus verankert. Die ausgebauten Werte- und Orientierungskurse bieten mehr Raum für zentrale Themen der Integration und vermitteln den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Grundwerte des Zusammenlebens in Österreich, um so den aktiven und eigenverantwortlichen Integrationsprozess von Asyl- und subsidiär Schutzberechtigten zu fördern. Sie finden laufend in ganz Österreich statt und werden von qualifizierten Trainerinnen und Trainern des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) durchgeführt. Im Anschluss an die drei verpflichtenden Kurstage können vertiefende Praxisformate wie der Besuch ehrenamtlicher Organisation, Exkursionen zu wichtigen kulturellen Einrichtungen und Institutionen Österreichs oder kostenlose Deutsch-Lerngruppen absolviert werden.

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Österreichischer Integrationsfonds
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