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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Gemeinschaft mit beschränkter Hoffnung", Ausgabe vom 21. Dezember 2021 von Marco Witting.

Innsbruck (OTS) - Omikron zeigt einmal mehr: Die EU schafft es nicht, sich auf einen standardisierten Modus bei Reisebeschränkungen zu einigen. Ein Fleckerlteppich an Maßnahmen, der vereinheitlicht werden muss – und auch kontrolliert.

Das Virus ist schnell, immer einen Schritt voraus und verändert sich laufend. Die EU und die Nationalstaaten hinken in ihren Reaktionen auch nach fast zwei Jahren Pandemie oft Tage oder Wochen hinterher und haben ganz offensichtlich aus der Vergangenheit wenig bis gar nichts gelernt. Anders lässt sich der neuerliche Fleckerlteppich bei den Reisebeschränkungen nicht erklären. Das Virus hat seine Varianten. Im Kampf dagegen ist nur die fehlende Zusammenarbeit eine Konstante. Die EU als GmbH – eine Gemeinschaft mit beschränkter Hoffnung auf Besserung.
Klar ist: Gesundheitspolitische Maßnahmen müssen regional verordnet werden. Dieses Instrument muss den Nationalstaaten vorbehalten werden. Aber die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass es in der Abstimmung zwischen den Ländern und bei Einreisebeschränkungen noch immer ein Tohuwabohu gibt, das gemeinsam mit fehlenden Kontrollen zur Verunsicherung und Verärgerung der Bevölkerung beiträgt. Und hier ist die EU gefragt.
Wer von Deutschland nach Österreich fährt, der muss geimpft oder genesen sein und einen PCR-Test oder eine Booster-Impfung haben. Wer von Österreich nach Italien will, der braucht 2 G und einen aktuellen negativen Test, ob Antigen oder PCR, die Booster-Impfung ist den südlichen Nachbarn egal. Am Rückweg nach Deutschland von Österreich müssen Ungeimpfte eigentlich mindestens fünf Tage in Quarantäne. Weil die Nachbarn – obwohl momentan selbst mit höherer Inzidenz versehen – Österreich weiterhin als Hochrisikogebiet einstufen. Dann gäbe es noch Ausnahmen – etwa für Grenzpendler. Wer da noch mitkommt, bekommt das große Corona-Diplom. Und: Je mehr man sich in Europa umsieht, desto unübersichtlicher wird der Maßnahmen-Wirrwarr. Von Union keine Spur. So wie von flächendeckenden Kontrollen. Jedes Land kocht sein Süppchen und das ist problematisch, wenn es etwa um die Eindämmung der Omikron-Variante geht.
Europa muss es endlich schaffen, schneller zu reagieren, und was die Reiseregelungen betrifft, diese einheitlich zu verordnen. So schwer ist das nämlich nicht. Maßnahmen wirken nur dann, wenn sie einfach, konsequent und verständlich sind. Das gilt generell auch für die Bundesregierung. Die (mit zwei Tagen) verzögerte Einführung der neuen Einreisebeschränkungen ist so ein Fall. Dass jetzt zwar endlich an den Flughäfen alle kontrolliert werden, sonst aber nur stichprobenartig, ist der Sache nicht dienlich. Und man fragt sich:
Kommt das Virus jetzt nicht mehr mit dem Auto?
Das Virus ist schnell.

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