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Letzter „kulturMontag“ 2021: „The Lost Leonardo“, „House of Gucci“, Filmeinflüsse in der Mode

Danach: neues „Wechselspiele“-Konzert „Die Strottern in St. Corona“ und Porträt „Durch das Dunkel – Arnold Schönberg und Richard Gerstl“

Wien (OTS) - Zum letzten „kulturMontag“ in diesem Jahr begrüßt Clarissa Stadler am 20. Dezember 2021 um 22.45 Uhr in ORF 2. Die Sendung blickt u. a. auf zwei spannende neue Kinoproduktionen: den Dokumentarfilm „The Lost Leonardo“ über den Kunstkrimi rund um das teuerste Gemälde der Welt – den ob seiner Provenienz umstrittenen „Salvator Mundi“ –, und Ridley Scotts ebenfalls aufsehenerregende Verfilmung der True Story „House of Gucci“ über die Ermordung des Modeerben Maurizio Gucci. Außerdem befasst sich das Kulturmagazin mit den Einflüssen von Filmen und Serien auf die Modewelt und die Nachfrage von Konsumentinnen und Konsumenten.
Anschließend bittet ORF-Kulturmoderatorin Teresa Vogl in einer neuen Ausgabe der pandemiebedingt im Vorjahr gestarteten ORF-Konzertgesprächsreihe „Wechselspiele in St. Corona“ (23.30 Uhr) die Wienerlied-Erneuerer „Die Strottern“ vor den Vorhang. Danach steht das TV-Porträt „Durch das Dunkel – Arnold Schönberg und Richard Gerstl“ (0.00 Uhr) auf dem Programm.

Vom verschwundenen Weltenretter – Der Kunstkrimi um das teuerste Gemälde der Welt

Ein wahrer Thriller ist der Dokumentarfilm „The Lost Leonardo“, der nächste Woche ins Kino kommt und die abenteuerlichen Stationen des umstrittenen Gemäldes „Salvator Mundi“ beleuchtet. Ist das 2017 für 450 Millionen Dollar versteigerte und seither verschwundene Christusbild tatsächlich das letzte, lange als verschollen gegoltene Werk von Leonardo da Vinci oder eine der größten Betrügereien der Kunstgeschichte? Auf jeden Fall ist es das teuerste Gemälde der Welt und erzählt wohl eine der unglaublichsten Geschichten des Kunstmarkts. Seit der spektakulären Christie’s-Auktion rätselt die Welt nicht nur über den Käufer, der in dem saudischen Prinz Mohammed bin Salman vermutet wird, sondern auch darüber, wo das Bild sein könnte. Der Film des dänischen Regisseurs Andreas Koefoed rollt auch die geopolitische Dimension des Falls auf. Für Saudi-Arabien und auch Frankreich wurde „Der Retter der Welt“ zum Machtfaktor, wollte man doch die teuerste Entdeckung eines Alten Meisters im Louvre in Paris präsentieren. Gerade weil die Provenienz des Werks umstritten war und ist, konnte es zum Spielball um Gier und Macht auf dem Kunstmarkt werden. Der Dokumentarfilm „The Lost Leonardo“ gerät zur packenden Fabel über das Verhältnis unserer Epoche zur Wahrheit, zum Geld und zur Macht.

Von Mode, Macht und Mord – Ridley Scotts „House of Gucci“

Es war ein Fall, der nicht nur die Modewelt in Aufruhr versetzte. Die Ermordung des Gucci-Erben Maurizio Gucci sorgte 1995 für internationale Schlagzeilen. Rasch hatte die Polizei seine Ex-Frau Patrizia Reggiani im Visier. Am Ende eines aufsehenerregenden Prozesses sollte sich der Verdacht auch bestätigen, war sie doch die Drahtzieherin des Verbrechens. Unter dem Titel „House of Gucci“ hat Oscar-Preisträger Ridley Scott die True Story mit u. a. Lady Gaga, Adam Driver, Jeremy Irons und Al Pacino fürs Kino verfilmt. Seit der Veröffentlichung der ersten Fotos vom Filmset herrscht ob der Starbesetzung Wirbel. Nun befeuert der Unmut der Familie Gucci die Aufregung, beklagt sie doch in einem öffentlichen Brief die filmische Darstellung ihrer zum Teil bereits verstorbenen Verwandtschaft. Doch auch wenn die Familie den heute in den heimischen Kinos startenden Film als „Beleidigung für das Erbe“ sieht, hat er zumindest jetzt schon einen regelrechten Run auf die Modemarke ausgelöst.

Vom letztem Schrei – Der „Netflix-Effekt“ in der Mode

Wie viel Einfluss Film und Serien auf das Modekonsumverhalten und Trendgeschehen der Gegenwart haben, wird aktuell u. a. mit „House of Gucci“ oder der Streaming-Serie „Emily in Paris“, deren zweite Staffel kurz vor Weihnachten startet, deutlich. Zwar wurde die Serie aus dem Jahr 2020 wegen der klischeegeballten Darstellung von Paris und der überladenen Looks heftig kritisiert, ging aber trotzdem als Trendsetter-Show des Jahres hervor und löste einen Boom an Mode-Suchanfragen aus.
Nachdem sich die Fashion-Welt im vergangenen Jahr im Ausnahmezustand angesichts ausgefallener Modeschauen, abgesagter Events und geschlossener Stores befand, zeichnet sich nun ein sanftes Erwachen sowie eine wiederbelebte Freude an außergewöhnlichen Designs und kunstvollen Kreationen ab. Die irisch-deutsche Autorin und Trendforscherin des Frankfurter Zukunftsinstituts, Oona Horx-Strathern, schreibt in ihrem „Home Report 2022“ über den sogenannten „Netflix-Effekt“. Denkt man an Audrey Hepburns kleines Schwarzes in „Frühstück bei Tiffanys“ oder an Marilyn Monroes verführerisches weißes Kleid in „Das verflixte 7. Jahr“, erscheint das nicht wirklich neu, denn schon seit Jahrzehnten prägen Filme den Geschmack des Mainstreams. Und doch hat sich im 21. Jahrhundert aufgrund des Medienkonsums etwas verändert, analysiert die Expertin. Der „kulturMontag“ bringt ein kleines Prêt-à-porter für die Couch von der Geschichte bis in die Gegenwart.

Neues Konzertgespräch „Wechselspiele: Die Strottern in St. Corona“ (23.30 Uhr)

Das Corona-Konzertformat „Wechselspiele“ geht in die fünfte Runde:
Diesmal folgen Die Strottern der Einladung des ORF zu einem exklusiven musikalischen Stelldichein nach St. Corona am Wechsel. Das Wienerlied lebt! Und daran ist das Akustikduo nicht ganz unbeteiligt: Seit mehr als 20 Jahren entstauben Klemens Lendl (Gesang, Violine) und David Müller (Gesang, Gitarre) das Genre musikalisch und inhaltlich so gründlich, dass aus einer lokalen Liedtradition eine Musik entsteht, die auf der ganzen Welt verstanden wird. Davon zeugen auch Auszeichnungen wie der deutsche Weltmusikpreis RUTH oder der Amadeus Austrian Music Award.
Ende der 1980er, als Teenager, begannen Lendl und Müller miteinander zu musizieren. Erste Bekanntschaft mit alten Wienerliedern machten sie Mitte der 1990er, aber erst als sie um die Jahrtausendwende den Wiener Poeten Peter Ahorner kennenlernten, fanden sie im Neuen Wienerlied ihre musikalische Heimat. 2003 erschien eine erste CD mit eigenen Liedern und seither erkundeten Die Strottern auf acht weiteren Alben die Randbezirke der Wiener Musik. Immer wieder suchen sie im Zusammenspiel mit Künstlerinnen und Künstlern anderer Genres von Jazz bis Alter Musik nach neuen und heute gültigen Ausdrucksmitteln und Themen für das Wienerlied. Die Strottern spinnen ihre Fäden durchs Klanggewebe der Wienerlied-Tradition und immer wieder auch bis zum schön schillernden Jazz. Wenn sie sich mit „Blech“ zu einem Quartett „aufblasen“, dann rückt ihre Musik noch näher an die großen Gegenpole ihrer Musik: Klangvielfalt der Großstadt und (alpine) Volksmusik. Trompete und Posaune haben in beiden Welten eine tragende Rolle. Und so wird der Bogen weit gespannt: Freiheiten werden radikal ausgelotet, heimatliche Häfen direkter angesteuert, Zärtliches wird zärtlicher, Wildes wilder. Gemeinsam mit Martin Eberle (Trompete/Flügelhorn) und Martin Ptak (Posaune) präsentieren Die Strottern nun in der Reihe „Wechselspiele – Konzerte in St. Corona“ ein Best-of sowie neue Lieder in einem speziellen Rahmen: ORF-Kulturmoderatorin Teresa Vogl fungiert dabei stellvertretend für das Live-Publikum und kommt mit den Künstlern zwischendurch ins Gespräch. Die Sendung gestaltete Alex Wieser.

Dokumentation „Durch das Dunkel – Arnold Schönberg und Richard Gerstl“ (0.00 Uhr)

In seiner neuen Dokumentation „Durch das Dunkel“ beleuchtet Regisseur Hilan Warshaw die Beziehung zweier österreichischer Künstlergenies am Beginn des vorigen Jahrhunderts: Arnold Schönberg und Richard Gerstl. Es ist die Geschichte zweier Außenseiter – jeder ein Rebell und Visionär auf seinem Gebiet. 1907 freundete sich der aufstrebende Wiener Komponist Arnold Schönberg mit dem damals noch unbekannten jungen Maler Richard Gerstl an. Nachdem Gerstl aufgrund seiner Verachtung des vorherrschenden Secessions-Stils von Gustav Klimt der Akademie der bildenden Künste verwiesen worden war, teilte er sich ein Atelier mit dem künstlerisch mehrfach begabten Arnold Schönberg. Erst Gerstl erweckte Schönbergs Interesse an der Malerei und im intellektuellen Diskurs führte der jüngere Maler den älteren, komponierenden Musiker schließlich in die Welt der Kunst ein.
Die beiden Freunde verband jedoch nicht nur ihre Leidenschaft für Malerei und Musik, sondern auch die Liebe zu derselben Frau, Mathilde Schönberg. Diese Dreiecksbeziehung führte schließlich zum Ende ihrer Freundschaft und zum tragischen Selbstmord Gerstls im Alter von 25 Jahren. Die schockierenden Ereignisse bekräftigten Arnold Schönberg letztlich darin, mit einer neuen Kompositionsweise die Musikwelt zu revolutionieren: indem er die spätromantische Kompositionstechnik weiterführte und schließlich die Dur-Moll-Tonalität aufgab, wurde er zum Pionier der atonalen Musik.
Die Dokumentation erzählt die Geschichte dieser beiden Künstler und inszeniert die musikalisch-malerische Szenerie mit Hilfe von Archivaufnahmen und ausgewählten Interviews.

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