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Litschauer/ Grüne: Revolution der Atomindustrie nie passiert, Gefahren laufend ignoriert

Aktuelle Stunde mit großer Zustimmung aller Parteien zum vehementen Anti-Atomkurs der Grünen

Wien (OTS) - „Atomkraft ist kein Beitrag zum Klimaschutz, ist nicht sicher und nicht nachhaltig. Deshalb hat die Atomenergie auch nichts in der Taxonomie verloren. Die Atomlobby möchte Greenwashing betreiben“, sagt Martin Litschauer, Anti-Atomenergiesprecher der Grünen, anlässlich der heutigen aktuellen Stunde im Nationalrat.

Dass die Atomindustrie seit Anbeginn mit enormen Bauzeiten und Baukosten kämpft, führt Litschauer an einem aktuellen Beispiel aus: „Ende der 1990er Jahre hat die Atomlobby die Revolution der Atomindustrie durch die neuen Europäischen Druckwasserreaktoren (EPR) versprochen. Blickt man heute auf die EPR-Projekte weltweit zurück stellt man fest: Die Revolution ist katastrophal gescheitert. Der einzige je in Betrieb genommene EPR im chinesischen Taishan musste im Sommer 2021 aufgrund technischer Gebrechen heruntergefahren werden. Ein Whistleblower spricht jetzt von schweren Konstruktionsfehlern, die auch die Bauarbeiten an den drei europäischen EPR Projekten, dem französischen AKW Flamanville, dem finnischen Olkiluoto und dem britischen Hinkleypoint C lahmlegen können. Diese sind bisher mit Bauverzögerungen von über zehn Jahren und einer Explosion der Baukosten aufgefallen, ohne je eine Megawattstunde Strom geliefert zu haben.“

„Die Abstimmung gegen das AKW Zwentendorf wäre wohl noch deutlicher ausgefallen, wenn die Bevölkerung schon gewusst hätte, dass es wenige Tage zuvor zu einer Kernschmelze im slowakischen AKW Bohunice, 120 Kilometer von Österreich entfernt, gekommen ist. Dass am 5. November 1978 trotzdem eine knappe Mehrheit gegen die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks gestimmt hat, war eine mutige Entscheidung. Wir haben unseren Kindern nicht Tonnen von hochradioaktiven Brennstäben zur Entsorgung hinterlassen und darauf können wir stolz sein, denn in vielen Ländern ist das nicht so. Dort hat man immer noch keine Lösung für die tausenden Tonnen hochradioaktiven Mülls“, kommentiert Litschauer.

Dass Atomstrom als Deckmantel für die militärische Nutzung spaltbaren Materials hinhält, erwähnt Litschauer am Beispiel der Small Modular Reactors, die aktuell eine erneute Revolution der Atomindustrie verheißen sollen: „Ohne zivile Atomkraft, keine militärische Atomkraft. Ohne militärische Atomkraft, keine zivile Atomkraft – diese Worte des französischen Präsidenten Macron bringen auf den Punkt, dass Atomstrom in vielen Ländern die Rechtfertigung für ihr militärisches Atomprogramm ist. Vor allem auch die Small Modular Reactors sind technisch eng verwandt mit Atom-U-Booten und Atom-Flugzeugantrieben. Ich möchte nicht, dass diese Technologien auf der ganzen Welt verbreitet sind. Die Entwicklung des Atomwaffenprogramms im Iran ist besorgniserregend genug und darf sich nicht auf weitere Länder ausbreiten.“

„Ich freue mich, dass sich unsere Klimaministerin gegen die Aufnahme von Atomkraft in die Taxonomie-Verordnung der EU stark macht und auch rechtliche Schritte nicht scheut. Die Energiewende braucht Zukunftstechnologien und keine gefährlichen Technologien aus dem letzten Jahrtausend“, sagt Litschauer.

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