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ÖIF-Jugendbroschüre: „Nicht OK!“ zeigt Formen von Gewalt auf und stärkt Mädchen in ihrer Selbstbestimmung

Neue Infobroschüre in Zusammenarbeit mit Emina Saric (Projekt Heroes/Heldinnen) und Nada El-Azar (Das Biber) für Jugendliche mit Tipps und Anlaufstellen bei Unterdrückung und Gewalt

Wien (OTS) - „Du wirst als Mädchen schlechter behandelt als deine Brüder? Du darfst nicht selbst entscheiden, mit wem du zusammen bist und sollst für die Familienehre zuständig sein? Deine Familie bestimmt, was du anziehen darfst und was nicht. Sie sagen, sie wollen dich vor den Blicken der Männer beschützen. - Das ist nicht OK!“ Die am 3. Dezember 2021 präsentierte Broschüre „Nicht OK!“ des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) und der Integrationsbotschafterinnen und -botschafter-Initiative ZUSAMMEN:ÖSTERREICH thematisiert all diese Fragen und soll junge Mädchen und Burschen in ihrer Selbstbestimmung und bei der Überwindung überholter Rollenbilder stärken.

Broschüre zeigt vielfältige Formen von Gewalt und Unterdrückung auf
Die Broschüre zeigt, dass sich Gewalt an jungen Frauen und Burschen nicht nur in physischer Form, sondern auch durch Worte und Verbote manifestieren kann. Erstellt wurde die Broschüre vom ÖIF gemeinsam mit Emina Saric, Leiterin der Peer-Projekte „HEROES“ und „Heldinnen“ sowie Journalistin Nada El-Azar („Das Biber“). Jugendliche sollen ermutigt werden, ihre Chancen in Österreich zu nutzen, selbstbestimmt ihre persönlichen Zukunftspläne voranzutreiben und Einschränkungen ihrer Freiheit offen zu thematisieren. Die Broschüre vermittelt, was Betroffene tun können, welche Argumente ihnen im Gespräch mit der Familie helfen und bei welchen Anlaufstellen es Unterstützung gibt. Unter www.zusammen-oesterreich.at/nichtok steht die Broschüre kostenlos zum Download zur Verfügung.

Frauen- und Integrationsministerin Susanne Raab betont: „Wir müssen gegen jegliche Formen und Ausprägungen von Gewalt vorgehen, und die Stärkung von Mädchen und jungen Frauen ist mir ein besonderes Anliegen. Mit der neuen Nicht OK!-Broschüre sensibilisieren wir junge Menschen für das Thema Gewalt und informieren sie über Anlaufstellen, bei denen sie sich Hilfe holen können.“

Emina Saric: Patriarchale Strukturen und falsche Ehrvorstellungen hemmen freie jugendliche Entwicklung
Emina Saric, Projektleiterin der Peer-Projekte HEROES und Heldinnen und Mitglied des Expertenrats für Integration, erklärt, dass Heranwachsende mit familiärer Migrationsgeschichte häufig durch ihr Umfeld mit unterschiedlichen, mitunter widersprüchlichen, Erwartungen konfrontiert werden, die ihre Identitätsentwicklung erschweren. So leiden neben den vielfach betroffenen Mädchen auch oftmals Burschen unter überkommenen Ehrkonzepten und patriarchalen Strukturen: „Viele männliche Jugendliche mit familiärer Migrationsgeschichte leiden selbst unter dem öffentlichen Bild des machohaften, gewalttätigen Migranten. Patriarchale Strukturen und Vorstellungen von Ehre hindern sie an einer freien Persönlichkeitsentwicklung. Sie sind nicht frei in der Entwicklung ihrer Sexualität und finden kaum Raum, sich über ihre Erfahrungen und Gefühle auszutauschen. Ihre Kontrollaufgabe zur Durchsetzung der Ehrvorschriften setzt sie unter Druck.“ Saric betont daher, wie wichtig es ist, neben der Arbeit mit den Mädchen auch Burschen Gleichberechtigung klar zu vermitteln und sie früh in die Verantwortung zu nehmen.

Autorin El-Azar: „Ein selbstbestimmtes Leben war für mich keine Selbstverständlichkeit; dafür habe ich gekämpft“
Journalistin Nada El-Azar („Das Biber“), Co-Autorin der Broschüre, stammt aus einer arabischen Familie und wuchs in Wien-Favoriten auf. Sie betont, wie wichtig es für heranwachsende Mädchen ist, ihre Rechte und Möglichkeiten zu kennen: „Ein selbstbestimmtes Leben ist keine Selbstverständlichkeit für mich gewesen, sondern das Ergebnis eines langen, schwierigen Emanzipationskampfes. Besonders die Idee der „Familienehre“, die in Familien wie meiner auch in Österreich oft auf den Schultern der Töchter lastet, hat meine Jugend sehr schwierig gemacht, dazu ein Klima der Überwachung. Emanzipation bedeutete für mich auch oft Einsamkeit. Mädchen, die diese Broschüre lesen, sollen wissen, dass sie nicht allein sind und dass es Hilfe für sie gibt.“

ZUSAMMEN:ÖSTERREICH-Schulbesuche: Erfahrungsberichte flossen in Broschüre ein
Auch die Erfahrungen aus der Schulbesuch-Initiative ZUSAMMEN:ÖSTERREICH flossen in die Broschüre ein. Die Integrationsbotschafterinnen und -botschafter der Initiative besuchen seit zehn Jahren Schulen in ganz Österreich, um mit Schülerinnen und Schülern über die Voraussetzungen für eine gute Integration und ein gelingendes Zusammenleben in Österreich zu sprechen. Auch die Bedeutung der Selbstbestimmung von jungen Frauen und Mädchen sowie das Aufbrechen patriarchaler Strukturen ist in den letzten Jahren immer mehr zum Thema geworden. Seit September 2021 wird mit dem Schwerpunkt „Geh deinen Weg!“ der Fokus auf die Förderung junger Mädchen gelegt. Fitore Morina, Leiterin von ZUSAMMEN:ÖSTERREICH: „Immer wieder berichten uns Schülerinnen mit Migrationshintergrund von den Vorzügen und Freiheiten, die ihre Brüder genießen, während sie Zuhause zu Hausfrauen erzogen werden. Doch auch Burschen berichten immer wieder davon, dass sie in Rollenbilder gedrängt werden. Die Erfahrungsberichte unserer Integrationsbotschafterinnen und -botschafter machen den Jugendlichen Mut, gegen Widerstände aus Familie, Umfeld und Community anzukämpfen und ihren eigenen Weg zu gehen.“

Umfassendes ÖIF-Angebot zur Stärkung der Integration von Frauen
Der ÖIF bietet in seinen Integrationszentren in ganz Österreich eine breite Palette an Frauenberatungsangeboten, Integrationskursen, Seminaren, Austauschtreffen und Publikationen für Zuwanderinnen in Österreich. Aktuell wird im Rahmen der UN-Initiative „Orange the World“ gegen Gewalt an Frauen ein Programm an Onlineseminaren, Onlinekursen und digitalen Schulbesuchen angeboten; weitere Informationen unter www.integrationsfonds.at/orangetheworld.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Integrationsfonds
Mag. Aleksandra Faes
Leiterin Bereich Kommunikation
+43 1 710 12 03 - 358
aleksandra.faes@integrationsfonds.at

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